Was ist eine Pankreatitis?
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) bildet einen Verdauungssaft, der durch den Pankreasgang in den Zwölffingerdarm fließt. Normalerweise wirkt er erst im Dünndarm. Bei einer Entzündung wird er nach dem IQWiG bereits in der Bauchspeicheldrüse aktiv, sodass sich die Drüse gewissermaßen „selbst verdaut“.
Man unterscheidet zwei Formen. Die akute Pankreatitis beginnt plötzlich und heilt meist innerhalb einer Woche aus. Die chronische Pankreatitis ist nach dem Universitätsklinikum Freiburg eine Entzündung ohne Ausheilung, bei der das Drüsengewebe bindegewebig umgebaut wird und die Funktion fortschreitend verloren gehen kann. In Deutschland werden nach dem IQWiG jedes Jahr etwa 53.000 Menschen wegen einer akuten Pankreatitis im Krankenhaus behandelt; die meisten erkranken nach dem 45. Lebensjahr.
Wie äußert sich eine Pankreatitis?
Fast immer führt eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse nach dem IQWiG zu heftigen Schmerzen im Oberbauch. Typisch sind:
- plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen im Oberbauch, die oft in den Rücken ausstrahlen und gürtelförmig beschrieben werden,
- Übelkeit und Erbrechen,
- häufig Fieber, Kreislaufprobleme und ein aufgeblähter Bauch.
Bei der chronischen Form stehen nach dem Universitätsklinikum Freiburg wiederkehrende, anfallsartige Oberbauchschmerzen im Vordergrund. Hinzukommen können Zeichen einer Zuckerkrankheit, fettige und voluminöse Stuhlgänge oder eine Gelbfärbung der Haut. Weil die Schmerzen auch in den Rücken ziehen, wird die wahre Ursache manchmal lange verkannt.
Ursachen: Gallensteine, Alkohol und mehr
Die häufigste Ursache der akuten Pankreatitis sind nach dem IQWiG Gallensteine. Der Pankreasgang vereinigt sich kurz vor dem Darm mit dem Gallengang. Wandern Gallensteine in diesen Gang, können sie die gemeinsame Mündung verstopfen; der Rückstau führt wahrscheinlich zur Entzündung. Die zweithäufigste Ursache ist starker Alkoholkonsum.
Weitere Faktoren sind Verengungen im Gallengang, erhöhte Blutfette (Triglyceride) oder erhöhtes Kalzium im Blut, Arzneimittel, Virusinfektionen und sehr selten Eingriffe an Gallenblase oder Gallengängen. Bei bis zu 10 von 100 Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache finden. Bei der chronischen Form ist Alkohol nach dem Universitätsklinikum Freiburg der häufigste Auslöser; nicht alle Betroffenen trinken aber übermäßig, denn die Verträglichkeit der Drüse ist individuell sehr verschieden. Eine Pankreatitis ist also nicht automatisch eine Alkoholfolge.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Ärztin oder der Arzt tastet den Bauch ab und fragt nach Alkohol, Medikamenten und Hinweisen auf Gallensteine wie krampfartigen Oberbauchschmerzen. Im Blut wird unter anderem das Enzym Lipase bestimmt; deutlich erhöhte Werte deuten auf eine Pankreatitis hin. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt meist, ob Gallensteine die Ursache sind oder die Drüse verändert ist.
Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig, etwa eine MRT der Gallengänge, ein endoskopischer Ultraschall oder eine Computertomografie, um Komplikationen zu erkennen. Wichtig ist auch die Abgrenzung: Eine entzündete Gallenblase, ein Herzinfarkt oder ein Magendurchbruch können nach dem IQWiG ähnliche Beschwerden verursachen.
Behandlung der akuten Pankreatitis im Krankenhaus
Eine ursächliche Behandlung gegen die Entzündung selbst gibt es nicht, wohl aber Möglichkeiten, die Bauchspeicheldrüse zu entlasten und die Beschwerden zu lindern. Wichtigste Sofortmaßnahme ist nach dem IQWiG eine Flüssigkeitslösung mit Elektrolyten über einen Tropf, weil der Körper in kurzer Zeit viel Flüssigkeit verliert. Schmerzen werden mit Medikamenten behandelt, oft mit starken Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opioide.
Haben Gallensteine die Entzündung ausgelöst, können sie bei einer Spiegelung der Gallenwege entfernt werden. Später wird meist die Gallenblase entfernt, denn ohne diesen Eingriff kommt es bei etwa 20 von 100 Menschen innerhalb einiger Monate zu einer erneuten Entzündung. Vorbeugend gegebene Antibiotika werden heute nicht mehr routinemäßig empfohlen; Infektionen werden gezielt behandelt.
Wann darf man wieder essen?
Strenges Fasten wird bei Pankreatitis nach dem IQWiG nicht mehr empfohlen. Viele Erkrankte können wieder etwas essen, sobald die Beschwerden nachgelassen haben und sie Hunger bekommen; oft ist das schon nach ein bis zwei Tagen möglich. Empfohlen wird, mit leicht verdaulicher, fettarmer Kost zu beginnen. Bei Übelkeit, Erbrechen oder Komplikationen wie einem Darmverschluss wird auf feste Nahrung verzichtet.
Ist Essen über einige Tage nicht möglich, kann der Körper über eine Magensonde mit flüssiger Nahrung versorgt werden; eine Ernährung über die Vene ist nur in Ausnahmen nötig. Wann und was gegessen wird, entscheidet das Behandlungsteam im Krankenhaus. Eine Diät zu Hause ersetzt diese Behandlung nicht.
Verlauf, Komplikationen und Heilbarkeit
Etwa 80 Prozent der Behandelten haben eine akute Pankreatitis nach rund einer Woche überstanden. Bei etwa 15 bis 20 von 100 kommt es zu Komplikationen, etwa Pseudozysten, also mit Flüssigkeit gefüllten Blasen, oder zum Absterben von Gewebe, das sich infizieren kann. Bei einem sehr schweren Verlauf kann die Entzündung auf den ganzen Körper übergreifen und Organe versagen lassen; dann ist eine Behandlung auf der Intensivstation nötig. Deshalb gilt die Pankreatitis als potenziell gefährlich.
Die akute Form heilt also meist aus. Die chronische Form ist dagegen nach dem Universitätsklinikum Freiburg eine Entzündung ohne Ausheilung: Behandelt werden Schmerzen, Funktionsstörungen und Komplikationen, etwa mit Verdauungsenzymen, bei Diabetes meist mit Insulin, mit endoskopischen Verfahren oder einer Operation.
Nach dem Krankenhaus: Checkliste für die Nachsorge
Einige Menschen haben nach der Entlassung noch Schmerzen oder Verdauungsprobleme oder fühlen sich sehr erschöpft. Viele nehmen während der Erkrankung stark ab, und es kann Wochen dauern, bis Appetit und Gewicht zurückkehren. Nach einer akuten Pankreatitis steigt zudem das Risiko für Diabetes. Diese Fragen helfen beim Nachsorgetermin:
- Ursache: Wurde ein Auslöser gefunden, etwa Gallensteine, Alkohol, Medikamente oder erhöhte Blutfette, und wie wird er behandelt?
- Gallenblase: Ist eine Entfernung geplant, und wann?
- Kontrollen: Welche Nachuntersuchungen sind vorgesehen, etwa wegen Pseudozysten?
- Essen und Gewicht: Wie gut klappt das Essen, und wie hat sich das Gewicht entwickelt?
- Verdauung: Gibt es fettige, voluminöse Stühle, die auf zu wenig Verdauungssaft hindeuten könnten?
- Blutzucker: Wann und wie wird er kontrolliert?
Nach einem schweren Verlauf kann eine Ernährungsberatung hilfreich sein. Ergänzend zur ärztlichen Nachsorge begleiten wir Erwachsene in unserer Ernährungsberatung in Bilbao (die Beratung findet auf Spanisch statt); sie ersetzt weder die Behandlung im Krankenhaus noch die gastroenterologische Betreuung.
Wo die Quellen unterschiedlich gewichten
Beim Essen in der akuten Phase unterscheiden sich die Quellen deutlich. Das Universitätsklinikum Freiburg beschreibt die Behandlung zunächst mit Nahrungskarenz und einem stufenweisen Kostaufbau bei Besserung. Das IQWiG stützt sich auf neuere Studien und schreibt, dass strenges Fasten nicht mehr empfohlen wird und viele schon nach ein bis zwei Tagen wieder essen können, wenn sie Hunger haben.
Auch bei der Rolle des Alkohols setzen die Quellen Akzente: Für die chronische Form nennt Freiburg Alkohol als Auslöser in über 75 Prozent der Fälle, betont aber die individuell sehr unterschiedliche Verträglichkeit. Das IQWiG hält fest, dass bei alkoholbedingter Pankreatitis eine deutliche Verringerung sinnvoll ist, dass aber nicht untersucht ist, ob Alkoholverzicht bei anderen Ursachen einem Rückfall vorbeugt. Bei Unterschieden gilt die Empfehlung des eigenen Behandlungsteams.
Pankreatitis im Überblick
- Plötzliche, sehr starke Oberbauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen sofort abklären lassen.
- Häufigste Ursachen der akuten Form sind Gallensteine und starker Alkoholkonsum.
- Behandelt wird im Krankenhaus mit Flüssigkeit, Schmerzmitteln und je nach Ursache weiteren Maßnahmen.
- Strenges Fasten wird nicht mehr empfohlen; gegessen wird, wenn die Beschwerden nachlassen.
- Die meisten erholen sich nach rund einer Woche; Komplikationen sind möglich.
- Nach der Entlassung Ursache, Gewicht, Verdauung und Blutzucker im Blick behalten.
Häufige Fragen zur Pankreatitis
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie äußert sich Pankreatitis?
Die akute Form beginnt mit plötzlichen, sehr starken Schmerzen im Oberbauch, die oft in den Rücken ausstrahlen, meist begleitet von Übelkeit und Erbrechen, oft auch Fieber und Kreislaufproblemen. Die chronische Form zeigt sich durch wiederkehrende, anfallsartige Oberbauchschmerzen.
Warum ist Pankreatitis so gefährlich?
Weil der Körper in kurzer Zeit viel Flüssigkeit verliert und bei einem schweren Verlauf Gewebe absterben und sich infizieren kann. Im schlimmsten Fall greift die Entzündung auf den ganzen Körper über und Organe können versagen. Deshalb wird die akute Pankreatitis im Krankenhaus behandelt.
Ist eine Pankreatitis heilbar?
Die akute Form heilt meist innerhalb von etwa einer Woche aus, bei Komplikationen kann es Wochen bis Monate dauern. Die chronische Form ist eine Entzündung ohne Ausheilung; dort werden Schmerzen, Funktionsstörungen und Komplikationen langfristig behandelt.
Wie merkt man, dass mit der Bauchspeicheldrüse etwas nicht stimmt?
Hinweise können starke Oberbauchschmerzen, fettige und voluminöse Stuhlgänge, ungewollter Gewichtsverlust, Zeichen eines Diabetes oder eine Gelbfärbung der Haut sein. Solche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt; plötzliche starke Schmerzen sofort.
Wann darf man wieder essen?
Strenges Fasten wird nicht mehr empfohlen. Viele können wieder essen, sobald die Beschwerden nachlassen und sie Hunger haben, oft nach ein bis zwei Tagen, beginnend mit leicht verdaulicher, fettarmer Kost. Das genaue Vorgehen legt das Behandlungsteam fest.
Was unterscheidet akute und chronische Pankreatitis?
Die akute Pankreatitis beginnt plötzlich und heilt meist aus. Die chronische Pankreatitis ist eine dauerhafte Entzündung mit Umbau des Drüsengewebes, die in Schüben verläuft und zu Verdauungsproblemen oder Diabetes führen kann.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie wird eine akute Pankreatitis behandelt?
- Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie · Pankreatitis
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
