Was ist eine Anämie?
Von Blutarmut (Anämie) spricht man nach gesund.bund.de, wenn das Blut deutlich weniger rote Blutkörperchen oder roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) enthält als normalerweise. Die roten Blutkörperchen transportieren Sauerstoff von der Lunge zu den Körperzellen. Bei einer Anämie wird der Körper deshalb weniger gut mit Sauerstoff versorgt.
Anämie ist häufig: In Deutschland haben nach gesund.bund.de etwa 10 % der Menschen eine Blutarmut, Frauen deutlich häufiger als Männer. Im Alter steigt die Häufigkeit; Schätzungen zufolge hat etwa jede vierte 85-jährige Person eine Anämie. Auch Schwangere sind häufiger betroffen.
Was passiert, wenn man Anämie hat?
Eine Anämie macht sich nach gesund.bund.de meist durch Blässe, Müdigkeit, Kopfschmerzen und ein Schwächegefühl bemerkbar. Weitere mögliche Anzeichen sind:
- Konzentrations- und Lernschwierigkeiten
- Kurzatmigkeit bei Anstrengung
- Brustschmerzen, Herzrasen, niedriger Blutdruck und Ohnmacht
Bei einem Eisenmangel nennt gesundheitsinformation.de zusätzlich ungewohnte Erschöpfung nach Belastung, Vergesslichkeit, Unruhe, eingerissene Mundwinkel, wiederkehrende Aphthen, brüchige Nägel, Haarausfall, Schluckbeschwerden und ein Restless-Legs-Syndrom. Manche Betroffene verspüren das starke Bedürfnis, auf Eiswürfeln zu kauen.
Eine Anämie entwickelt sich meist langsam und bleibt oft lange unbemerkt, weil sich der Körper an das geringere Sauerstoffangebot gewöhnt. Sie kann also auch ohne deutliche Beschwerden bestehen.
Welche drei Hauptursachen führen zu Anämie?
Die Quellen ordnen die Ursachen nicht in eine feste Dreierliste. Aus ihren Angaben lassen sich aber drei Wege ablesen, auf denen es zu wenig roten Blutfarbstoff gibt:
- Blutverlust: etwa durch chronische, oft unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt, eine Magenschleimhautentzündung, starke Regelblutungen, Verletzungen oder häufige Blutspenden. Bestimmte Medikamente wie entzündungshemmende Schmerzmittel oder blutverdünnende Mittel können Blutungen im Magen-Darm-Trakt verstärken.
- Zu geringe Bildung: durch Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure, durch chronische Erkrankungen wie eine Nierenerkrankung, durch Blutkrebs oder Erkrankungen des Knochenmarks. Im Alter bildet der Körper insgesamt weniger rote Blutkörperchen.
- Zu schneller Abbau: Bei sogenannten hämolytischen Anämien werden rote Blutkörperchen zu schnell abgebaut und nicht schnell genug nachgebildet, etwa bei angeborenen Fehlbildungen der roten Blutkörperchen oder Störungen des Hämoglobinstoffwechsels.
In der Schwangerschaft kann eine vorübergehende Blutarmut entstehen, weil gegen Ende bis zu 50 % mehr Blut durch den Kreislauf fließt, die Zahl der roten Blutkörperchen aber nur um ein Viertel zunimmt. Manchmal lässt sich nach gesund.bund.de auch gar keine Ursache feststellen.
Ist Anämie immer Eisenmangel?
Nein. Eisenmangel ist die häufigste Ursache, aber nicht die einzige – siehe die Ursachen oben. Umgekehrt führt nicht jeder Eisenmangel zu einer Anämie. gesundheitsinformation.de beschreibt drei Stadien:
- Stadium 1: Der Körper greift auf gespeichertes Eisen zurück, etwa aus Leber und Milz. Die Speicher leeren sich, meist ohne Beschwerden.
- Stadium 2: Die Speicher sind leer. Noch ist genug Hämoglobin im Blut, aber neues kann nicht mehr gebildet werden. Es können Symptome auftreten.
- Stadium 3: Es wird so wenig Hämoglobin gebildet, dass eine Eisenmangel-Anämie entsteht.
Zu Eisenmangel kommt es nach gesundheitsinformation.de bei Blutverlust, geringer Eisenzufuhr (sehr einseitige Ernährung, Essstörungen; auch bei vegetarischer oder veganer Ernährung kann es schwerer fallen), erhöhtem Bedarf (Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, Leistungssport), verminderter Aufnahme (Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Magenschleimhautentzündung, nach Magenoperationen; auch Säureblocker und manche Schmerzmittel) oder schlechter Verwertung, etwa bei Krebserkrankungen oder Niereninsuffizienz. In Europa haben etwa 5 bis 10 % der Menschen einen Eisenmangel, 2 bis 5 % eine Eisenmangel-Anämie. Ausführlich dazu: Eisenmangel.
Was bedeuten Hb, MCV und die anderen Blutwerte?
Wesentlich ist zunächst ein ausführliches ärztliches Gespräch. Gefragt wird nach gesund.bund.de etwa nach Ernährungsgewohnheiten, Alkoholkonsum, aktuellen oder früheren Erkrankungen und der Einnahme von Medikamenten. Dann wird das Blut untersucht. gesundheitsinformation.de nennt unter anderem:
- Hämoglobin (Hb): wie viel roter Blutfarbstoff insgesamt im Blut ist
- MCV: wie groß die roten Blutkörperchen sind
- MCH: wie viel roten Blutfarbstoff sie enthalten
- Ferritin und Transferrin: wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind
Die Werte werden in ihrem Zusammenspiel beurteilt, nicht einzeln. Außerdem lassen sich Eisen, Vitamin B12 und Folsäure messen und Nierenerkrankungen oder Entzündungen erkennen, die eine Blutarmut begünstigen. Das Blutbild zeigt auch, ob Erkrankungen der roten Blutkörperchen vorliegen.
Warum wird nach Blutverlust gesucht?
Lässt sich ein Eisenmangel nicht durch zu wenig Eisen in der Nahrung erklären, prüfen Ärztinnen und Ärzte nach gesund.bund.de, ob eine chronische Darmentzündung oder kleine Wunden im Darm mit chronischem Blutverlust dahinterstecken. Solche Blutungen bleiben oft unbemerkt. Je nach Situation kann nach gesundheitsinformation.de eine Stuhlprobe, eine Magen- oder Darmspiegelung folgen; bei starker Regelblutung kann eine frauenärztliche Praxis sinnvoll sein. Bei Menschen über 65 Jahren mit unklarer Anämie wird auch untersucht, ob Erkrankungen des Knochenmarks bestehen.
Welche Untersuchungen nötig sind, hängt vom Einzelfall ab. Für das Gespräch hilft ein einfaches Protokoll, das drei Fragen trennt:
- Sichtbare Blutungen: starke oder verlängerte Regelblutungen, Blut im Stuhl, Verletzungen, Blutspenden – jeweils mit Datum
- Medikamente: alle regelmäßig oder häufig eingenommenen Mittel, besonders Schmerzmittel, Blutverdünner und Säureblocker, sowie Nahrungsergänzungen
- Tempo der Beschwerden: seit wann Müdigkeit, Blässe oder Kurzatmigkeit bestehen und ob sie langsam über Monate oder rasch innerhalb von Tagen zugenommen haben
Was macht man gegen eine Anämie?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Wird die Anämie durch chronische Entzündungen oder Blutverlust verursacht, gilt es nach gesund.bund.de zunächst, diese Erkrankungen zu behandeln – zum Beispiel Magen-Darm-Erkrankungen, die bluten, oder eine starke Regelblutung.
Bei Eisenmangel gilt nach gesundheitsinformation.de: Ein leichter Mangel (Stadium 1) wird in der Regel nicht mit Medikamenten behandelt; mehr Eisen über die Nahrung kann sinnvoll sein. Bei stärkerem Mangel oder einer Anämie kommen Eisenpräparate als Tabletten oder Tropfen infrage, manchmal auch Infusionen. Bei einer Anämie wird empfohlen, sie noch mindestens drei Monate nach Normalisierung der Blutwerte einzunehmen, um die Speicher aufzufüllen. Eisenpräparate können Bauchschmerzen, Verstopfung und Übelkeit verursachen und sollten nicht zusammen mit Schwarztee, Kaffee oder Milchprodukten eingenommen werden, da diese die Aufnahme hemmen.
Bei schwerer Anämie durch eine Krebserkrankung oder Nierenschwäche können Medikamente eingesetzt werden, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen. Bei starkem Blutverlust werden rote Blutkörperchen per Transfusion ersetzt. Wann das nötig ist, entscheidet das Behandlungsteam im Einzelfall.
Ernährung und Eisen: was sie leisten kann
Eine ausgewogene Ernährung deckt den Eisenbedarf normalerweise und kann einem Mangel an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure vorbeugen. Eisenreich sind nach gesundheitsinformation.de etwa Fleisch, Spinat, Linsen, Kichererbsen, Thunfisch, Haferflocken und Cashewkerne; Vitamin C fördert die Aufnahme. Wer sich vegan ernährt, sollte nach gesund.bund.de auf eisen- und folsäurereiche Lebensmittel wie Nüsse, Sprossen, Hülsenfrüchte und grünes Blattgemüse achten.
Ernährung allein behebt aber nicht jede Anämie – etwa nicht, wenn eine Blutung, eine Nierenerkrankung oder eine Störung im Knochenmark dahintersteckt.
Eisenpräparate vorbeugend einzunehmen hat nach gesundheitsinformation.de in der Regel keine Vorteile, zu viel Eisen kann sogar schaden; sehr hohe Dosen können Organe schädigen. Sprechen Sie deshalb vor der Einnahme ärztlich. Ist ein Eisenmangel ärztlich bestätigt, empfehlen Fachleute häufig eine Ernährungsberatung. In Bilbao kann unsere Ernährungsberatung Erwachsene dabei begleiten, eisenreicher zu essen (die Beratung findet auf Spanisch statt); die Behandlung der Ursache ersetzt sie nicht.
Wo sich die Quellen unterscheiden
- Häufigkeit: gesund.bund.de nennt für Deutschland etwa 10 % Menschen mit Anämie jeglicher Ursache. gesundheitsinformation.de schätzt für Europa 2 bis 5 % mit Eisenmangel-Anämie – beide Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Gruppen und widersprechen sich daher nicht direkt.
- Vorbeugende Eisentabletten: gesund.bund.de hält sie in manchen Situationen für sinnvoll, etwa bei starker Regelblutung, immer nach ärztlicher Rücksprache. gesundheitsinformation.de betont, dass eine vorbeugende Einnahme in der Regel keine Vorteile hat und schaden kann.
- Medikamente und Eisen: gesund.bund.de nennt entzündungshemmende Schmerzmittel und Blutverdünner als Verstärker von Magen-Darm-Blutungen. gesundheitsinformation.de nennt Säureblocker und bestimmte Schmerzmittel als Faktoren, die die Eisenaufnahme einschränken.
- Stand: Die Seite von gesund.bund.de hat den Stand 13.07.2021, die Seite von gesundheitsinformation.de wurde im April 2023 erstellt.
Zusammenfassung
- Bei einer Anämie ist zu wenig roter Blutfarbstoff oder es sind zu wenige rote Blutkörperchen im Blut.
- Typisch sind Blässe, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwäche; eine Anämie kann aber lange unbemerkt bleiben.
- Ursachen sind Blutverlust, zu geringe Bildung oder zu schneller Abbau roter Blutkörperchen; Eisenmangel ist am häufigsten.
- Hb, MCV, MCH und Ferritin werden gemeinsam beurteilt; bei unklarem Eisenmangel wird nach Blutungen gesucht.
- Behandelt wird die Ursache; Eisenpräparate nur nach ärztlicher Abklärung.
- Starker Blutverlust, Brustschmerzen, Ohnmacht oder Atemnot in Ruhe sind ein Notfall.
Häufige Fragen zur Anämie
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was passiert, wenn man Anämie hat?
Der Körper wird schlechter mit Sauerstoff versorgt. Das zeigt sich oft durch Blässe, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwäche, bei Anstrengung auch durch Kurzatmigkeit. Bleibt sie bestehen, sind Langzeitfolgen möglich, etwa für Herz und Kreislauf.
Welche drei Hauptursachen führen zu Anämie?
Vereinfacht: Blutverlust, eine zu geringe Bildung roter Blutkörperchen (zum Beispiel durch Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel oder Knochenmarkserkrankungen) und ein zu schneller Abbau, wie bei hämolytischen Anämien.
Welche Krebsart löst eine Anämie aus?
Blutkrebs und Erkrankungen des Knochenmarks können eine Anämie verursachen, ebenso blutende Tumoren im Magen-Darm-Trakt. Die meisten Anämien haben aber andere Ursachen, vor allem Eisenmangel. Klarheit bringt nur die ärztliche Abklärung.
Was macht man gegen eine Anämie?
Man behandelt die Ursache: zum Beispiel eine Blutung oder Entzündung, bei Eisenmangel Eisenpräparate nach ärztlicher Verordnung und eine eisenreiche Ernährung. In schweren Fällen kommen Medikamente zur Blutbildung oder eine Transfusion infrage.
Kann Anämie ohne Beschwerden bestehen?
Ja. Sie entwickelt sich meist langsam und bleibt oft lange unbemerkt, weil sich der Körper an das geringere Sauerstoffangebot gewöhnt. Auch ein leichter Eisenmangel verursacht meist keine Beschwerden.
Sollte man Eisen ohne Untersuchung nehmen?
Nein. Eine vorbeugende Einnahme hat in der Regel keine Vorteile, zu viel Eisen kann schaden, und eine Anämie muss nicht durch Eisenmangel bedingt sein. Lassen Sie die Ursache vorher ärztlich klären.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Blutarmut (Anämie): Ursachen und Therapie, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, Stand 13.07.2021
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie, erstellt 19.04.2023
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
