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Derealisation: Unwirklichkeitsgefühl verstehen

Plötzlich wirkt die vertraute Umgebung wie eine Filmkulisse, flach, fremd oder wie hinter einem Schleier. Dieses Erleben heißt Derealisation. Es ist beunruhigend, aber häufiger, als viele denken, und meist harmlos. Manchmal hält es jedoch über Monate an und schränkt das Leben stark ein. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und der BARMER, wie sich Derealisation äußert, wie sie sich von Depersonalisation unterscheidet, was sie auslösen kann, wann sie als Störung gilt und welche Hilfe es gibt.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Derealisation?

Derealisation bezeichnet ein Gefühl von Unwirklichkeit, das sich auf die Umgebung bezieht. Betroffene beschreiben nach der Universitätsmedizin Mainz, dass die Umgebung oder bestimmte Gegenstände fremd, verzerrt, stumpf, farblos oder leblos wirken, oder dass ihnen die Umwelt wie eine Bühne erscheint, auf der alle nur spielen. Die BARMER beschreibt das Erleben wie durch einen Nebel oder eine Kamera: Man nimmt alles wahr, aber irgendetwas scheint nicht zu passen.

Depersonalisation und Derealisation zählen nach der Universitätsmedizin Mainz, wie Angst und Depression, zu den normalen menschlichen Reaktionsmöglichkeiten. Wichtig ist: Die Einsicht, dass die Veränderung nicht von außen durch andere Personen oder Kräfte gemacht wird, bleibt erhalten. Das unterscheidet Derealisation von einem Wahnerleben.

Der Unterschied zwischen Derealisation und Depersonalisation

Bei Derealisation fühlt sich nach der BARMER die Welt um einen herum fremd an. Bei Depersonalisation ist man sich selbst fremd: Der eigene Körper, die Gefühle oder Gedanken wirken losgelöst, als stünde man neben sich oder schaue sich selbst beim Leben zu. Manche erkennen sich im Spiegel nicht richtig.

Beides kann gemeinsam auftreten. Die Universitätsmedizin Mainz fasst es deshalb unter dem Begriff Depersonalisation-Derealisation zusammen. Typische Beschreibungen von Betroffenen sind etwa, sich wie abgetrennt von der Umgebung zu fühlen, als ob ein Schleier zwischen einem selbst und der Welt läge, oder dass vertraute Stimmen, auch die eigene, entfernt oder unwirklich klingen. Nicht jede Person erlebt beides gleich stark.

Wie äußert sich eine Derealisation?

Die BARMER nennt typische Erfahrungen bei Derealisation:

  • Unwirklichkeit: Die eigene Wohnung oder der vertraute Supermarkt wirken plötzlich seltsam fremd.
  • Schleiergefühl: Alles scheint flach oder stumpf, wie in einem schlechten Traum.
  • Körperliche Begleiterscheinungen: etwa Schwindel oder ein Kribbeln im Körper.
  • Gefühlstaubheit: Gefühle kommen nicht richtig an.
  • Zeitverzerrung: Momente wirken verlangsamt oder wie im Zeitraffer.

Viele Betroffene haben nach der Universitätsmedizin Mainz Angst, „verrückt“ zu werden oder die Kontrolle zu verlieren. Weil sie oft auf Unverständnis stoßen, sprechen viele nicht über ihr Erleben.

Was kann Derealisation auslösen?

Warum und wie Derealisation entsteht, ist nach der BARMER noch nicht ganz klar. Bekannt sind aber Umstände, die sie in einem konkreten Moment auslösen oder verstärken können:

  • Schlafentzug und Übermüdung
  • starker Stress
  • Cannabis, Alkohol und andere psychoaktive Substanzen
  • akute Angst und Gefahrensituationen

Derealisation kann außerdem eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen sein. Die BARMER nennt psychische Erkrankungen wie eine Depression oder eine Angststörung, etwa mit Panikattacken. Die Universitätsmedizin Mainz nennt zusätzlich körperliche Beschwerden wie Schwindel, Migräne oder neurologische Erkrankungen. Deshalb sollte ein anhaltendes oder neues Unwirklichkeitsgefühl ärztlich eingeordnet werden.

Ist Derealisation gefährlich?

Eine kurze Phase von Derealisation geht nach der BARMER meist vorbei, ohne dass eine Krankheit dahintersteckt. Bei Stress oder Schlafmangel tritt sie häufiger auf und verschwindet von selbst, wenn sich die Lage beruhigt hat und man ausgeschlafen ist.

Derealisation ist auch kein Zeichen einer Psychose. Nach der BARMER können Gefühle von Derealisation zwar bei einer Schizophrenie auftreten, meist werden sie aber durch Stress, Schlafentzug oder andere relativ harmlose Umstände ausgelöst. Dennoch ersetzt diese Einordnung keine Untersuchung, vor allem wenn zusätzlich Verwirrtheit, körperliche Ausfälle oder eine Vergiftung durch Substanzen im Spiel sind.

Wann wird aus einem Gefühl eine Störung?

Die meisten Menschen erleben nach der Universitätsmedizin Mainz mindestens einmal kurze, leichte Episoden. Langanhaltende Beschwerden sind seltener. Bei einer Depersonalisations-Derealisationsstörung (ICD-10: F48.1) befinden sich Betroffene über viele Monate mehr als die Hälfte des Tages in diesem Zustand. Etwa 1 Prozent der Bevölkerung ist betroffen.

Die Diagnose wird nach der Universitätsmedizin Mainz nicht gestellt, wenn die Beschwerden auf eine körperliche Erkrankung zurückgehen, eine kurze direkte Wirkung einer Substanz sind oder Teil einer anderen psychischen Störung, etwa einer Panikattacke. Oft beginnt die Störung nach einem Angstanfall, einer körperlichen Erkrankung oder der Einnahme von Drogen wie Cannabis; manche Betroffene können keinen Auslöser benennen. Als Hintergrund beschreibt die Klinik meist ein Zusammenspiel aus Veranlagung und frühen belastenden Lebenserfahrungen. Das trifft aber nicht auf jeden einzelnen Menschen zu, und eine Zahl von Stunden zum Selbstdiagnostizieren gibt es nicht.

Wie komme ich aus der Derealisation?

Für den Moment kann nach der BARMER bewusstes, langsames Atmen helfen, zurück ins Hier und Jetzt zu finden. Auf berauschende Substanzen zu verzichten, ausreichend zu schlafen und regelmäßig Pausen einzulegen, kann das Risiko verringern, dass die Gefühle zurückkehren oder sich verstärken. Mit vertrauten Menschen oder Fachleuten darüber zu sprechen, kann entlasten. Diese Maßnahmen sind Hilfen, keine Heilung einer bestehenden Störung.

Ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung ist nach der BARMER sinnvoll, wenn die Fremdheitsgefühle über Wochen anhalten, wiederholt über Monate auftreten oder Beruf, Ausbildung, Beziehungen oder andere Lebensbereiche darunter leiden. Erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis sein. Bei einer Depersonalisations-Derealisationsstörung bieten spezialisierte Sprechstunden nach der Universitätsmedizin Mainz eine umfassende Diagnostik und gemeinsame Planung der Therapie an.

In unserer Praxis für Psychologie in Bilbao können Erwachsene ihr Erleben in einem Erstgespräch einordnen lassen und gemeinsam die nächsten Schritte besprechen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Ein Beschreibungsblatt für das erste Gespräch

Derealisation ist schwer in Worte zu fassen. Eine kurze Notiz vor dem Termin hilft, nichts zu vergessen. Sie ist kein Test und ersetzt keine Diagnose:

  • Umgebung oder ich selbst: Wirkt eher die Welt fremd, oder fühle ich mich selbst fremd, oder beides?
  • Dauer: Seit wann, wie oft, wie lange am Stück, wie viel vom Tag?
  • Auslöser: Schlafmangel, Stress, Angst, bestimmte Orte oder Situationen?
  • Substanzen und Medikamente: Alkohol, Cannabis, andere Drogen, neue oder geänderte Medikamente
  • Weitere Beschwerden: Schwindel, Migräne, Panik, gedrückte Stimmung, Schlafprobleme
  • Auswirkungen: Arbeit, Ausbildung, Beziehungen, Alltag

Wo sich die Quellen unterscheiden

Häufigkeit der Störung: Die Universitätsmedizin Mainz bezeichnet die Depersonalisations-Derealisationsstörung als relativ häufige, aber selten diagnostizierte seelische Erkrankung mit etwa 1 Prozent Betroffenen. Die BARMER betont, dass sie seltener vorkommt als andere psychische Erkrankungen wie Angststörungen.

Ursachen: Die BARMER schreibt, dass Warum und Wie noch nicht ganz klar sind, und konzentriert sich auf Auslöser. Die Universitätsmedizin Mainz unterscheidet Auslöser wie Cannabis, Psychedelika und kritische Lebensphasen von Ursachen und nennt als Hintergrund meist eine Veranlagung im Zusammenspiel mit frühen belastenden Erfahrungen.

Wann Hilfe holen: Die BARMER nennt Wochen anhaltender Beschwerden oder spürbare Einschränkungen als Grund für einen Termin. Die Universitätsmedizin Mainz beschreibt die Kriterien der Störung mit „viele Monate“ und „mehr als die Hälfte des Tages“. Das eine ist ein Rat zur Abklärung, das andere ein Diagnosekriterium.

Zusammenfassung

  • Bei Derealisation wirkt die Umwelt unwirklich, fremd oder wie durch einen Schleier; bei Depersonalisation fühlt man sich selbst fremd.
  • Kurze Episoden sind häufig und meist harmlos, oft nach Schlafmangel, Stress oder Substanzen.
  • Derealisation bedeutet nicht automatisch eine Psychose.
  • Hält das Erleben über Monate den Großteil des Tages an, kann eine Depersonalisations-Derealisationsstörung vorliegen.
  • Langsames Atmen, Schlaf, Pausen und Verzicht auf Rauschmittel können helfen, ersetzen aber keine Behandlung.
  • Bei anhaltenden Beschwerden oder Einschränkungen im Alltag ist eine Abklärung sinnvoll.

Häufige Fragen zur Derealisation

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie äußert sich eine Derealisierung?

Die Umgebung wirkt fremd, unwirklich, flach oder wie durch einen Schleier oder eine Kamera. Dazu können Gefühlstaubheit, ein verändertes Zeiterleben, Schwindel oder Kribbeln kommen. Viele haben Angst, die Kontrolle zu verlieren.

Wie komme ich aus der Derealisation?

Kurze Episoden vergehen meist von selbst, wenn Stress und Schlafmangel nachlassen. Langsames, bewusstes Atmen, Verzicht auf Rauschmittel, Schlaf und Pausen können helfen. Halten die Gefühle über Wochen an, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Depersonalisation und Derealisation?

Bei Derealisation wirkt die Welt um einen herum fremd. Bei Depersonalisation fühlt man sich selbst fremd, etwa als stünde man neben sich. Beides kann zusammen auftreten.

Ist Derealisation heilbar?

Kurze Episoden gehen meist von selbst vorbei. Für eine anhaltende Depersonalisations-Derealisationsstörung gibt es spezialisierte Diagnostik und psychotherapeutische Behandlung. Eine Heilungsgarantie oder feste Dauer nennen die genutzten Quellen nicht.

Welche Beobachtungen helfen beim ersten Gespräch?

Ob eher die Umgebung oder man selbst fremd wirkt, seit wann und wie lange, mögliche Auslöser, Substanzen und Medikamente, weitere Beschwerden sowie die Auswirkungen auf Arbeit, Beziehungen und Alltag.

Bedeutet ein kurzes Unwirklichkeitsgefühl schon eine Störung?

Nein. Nach der Universitätsmedizin Mainz erleben die meisten Menschen mindestens einmal kurze Episoden, die in der Regel keinen Krankheitswert haben. Eine Störung liegt erst vor, wenn die Beschwerden über viele Monate einen Großteil des Tages bestimmen und keine andere Ursache dahintersteckt.

Quellen

  1. Universitätsmedizin Mainz, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie · Schwerpunkt Depersonalisation und Derealisation
  2. BARMER · Derealisation: Wenn sich alles um dich herum fremd anfühlt

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.