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Psychose: Anzeichen, Ursachen und professionelle Hilfe

Stimmen hören, die andere nicht hören, sich verfolgt fühlen, Gedanken als fremd erleben: In einer Psychose verändert sich die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Für Betroffene fühlt sich das völlig real an, für Angehörige ist es oft erschreckend. Psychosen sind nicht selten, sie haben verschiedene Ursachen und sind behandelbar. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von Neurologen und Psychiater im Netz, dem Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) und gesund.bund.de, woran man eine Psychose erkennt, wodurch sie ausgelöst werden kann, wie sie behandelt wird und wo es Hilfe gibt.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Psychose?

Unter dem Begriff Psychose fasst man nach Neurologen und Psychiater im Netz eine Reihe psychischer Störungen zusammen, bei denen Betroffene die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. In vielen Fällen sind sie vorübergehend. Das DZPG beschreibt Psychosen als Störungen, die Denken, Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen.

Psychose ist also ein Oberbegriff und keine einzelne Krankheit. Dazu gehören die Schizophrenie und andere Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, bipolare Psychosen und psychotische Symptome im Zusammenhang mit Depressionen. Auch Erkrankungen des Gehirns können psychotische Symptome auslösen.

Psychosen sind relativ häufig und betreffen Männer und Frauen gleichermaßen. Weltweit erkranken etwa 3 bis 4 Prozent der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens daran. Viele Formen beginnen zwischen Pubertät und dem 35. Lebensjahr, grundsätzlich ist aber jedes Alter möglich. Im höheren Alter treten psychotische Zustände häufiger im Rahmen körperlicher Erkrankungen oder bei Hirnerkrankungen wie Demenz auf.

Wie äußert sich eine Psychose?

Das Krankheitsbild ist sehr vielfältig. Typische Anzeichen sind:

  • Halluzinationen: Wahrnehmungen, die andere nicht haben, typischerweise Stimmen, die das eigene Handeln kommentieren oder beschimpfen
  • Wahnvorstellungen: feste Überzeugungen, etwa verfolgt, beobachtet oder beeinflusst zu werden, die sich durch andere Erfahrungen nicht korrigieren lassen
  • Ich-Störungen: eigene Gedanken werden als fremd oder von außen gesteuert erlebt
  • Denkstörungen: zum Beispiel nicht mehr zusammenhängendes Sprechen
  • Starke Ängste als Begleiter von Wahn und Halluzinationen
  • Rückzug und wenig Antrieb: weniger Energie, eingeschränkte Freude, Gefühle werden kaum gezeigt

Ein Mensch mit Psychose-Erfahrung beschreibt beim DZPG, dass die veränderte Realität in psychotischen Phasen völlig real erscheint. Deshalb hilft es selten, mit Betroffenen über den Inhalt eines Wahns zu streiten.

Frühwarnzeichen: Wie sich eine Psychose ankündigt

Akute Psychosen kündigen sich nach gesund.bund.de häufig schon lange vorher an. Betroffene und nahestehende Menschen bemerken in den Wochen oder Monaten zuvor Veränderungen, zum Beispiel:

  • Anspannung, Ruhelosigkeit und schlechter Schlaf
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • depressive Verstimmungen, Launenhaftigkeit, Selbstzweifel oder Ängste
  • plötzliche Probleme in Schule, Studium oder Beruf
  • sozialer Rückzug oder sich äußerlich gehen lassen
  • erste leichte Halluzinationen oder das Gefühl, beobachtet zu werden

Solche Zeichen sind unspezifisch und können viele Gründe haben. Ein Hinweis auf eine Psychose sind sie erst im Zusammenhang. Das DZPG betont, dass erste Symptome wie eine Depression oder Gedächtnisstörungen so früh wie möglich erkannt und behandelt werden sollten. Mehr zu depressiven Beschwerden finden Sie im Ratgeber zu Depression-Symptomen.

Was löst eine Psychose aus?

Fachleute unterscheiden nach Neurologen und Psychiater im Netz primäre und sekundäre Psychosen:

  • Primäre Psychosen: Es ist keine Ursache feststellbar. Die häufigste Form ist die Schizophrenie.
  • Sekundäre Psychosen: Eine Ursache beeinträchtigt das Gehirn direkt oder indirekt, etwa organische Erkrankungen wie Epilepsie, Hirntumoren, Infektionen, Verletzungen oder schwere Stoffwechselstörungen, Nebenwirkungen von Medikamenten wie Kortikosteroiden oder der Konsum von Alkohol und Drogen wie Cannabis oder LSD.

Psychotische Störungen sind nach dem DZPG komplexe Erkrankungen, bei denen genetische und umweltbedingte Risikofaktoren zusammenkommen. Genetische Faktoren reichen in der Regel nicht aus; meist müssen ein oder mehrere Umweltfaktoren hinzukommen, etwa Traumata oder Drogenkonsum. Nach gesund.bund.de tritt eine Psychose oft im Zusammenhang mit größeren Veränderungen im Leben auf, zum Beispiel einer Trennung, einem Umzug oder dem Start ins Berufsleben.

Psychose und Schizophrenie: nicht dasselbe

Jede Schizophrenie geht mit Psychosen einher, aber nicht jede Psychose ist eine Schizophrenie. Menschen mit Schizophrenie erleben nach gesund.bund.de wiederkehrende Psychosen. Die Diagnose Schizophrenie wird erst gestellt, wenn typische Beschwerden mindestens einen Monat lang anhalten.

Psychotische Symptome können auch bei Depressionen, manischen und bipolaren Zuständen, unter Drogeneinfluss oder bei Erkrankungen des Nervensystems auftreten. Zudem gibt es akute vorübergehende psychotische Störungen, die in der ICD-10 eine eigene Gruppe (F23) bilden.

Ein verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung einer „gespaltenen Persönlichkeit“. Menschen mit Schizophrenie haben phasenweise eine stark veränderte Wahrnehmung, aber keine andersartige oder gespaltene Persönlichkeit.

Wie wird eine Psychose festgestellt?

Die Diagnose stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach gesund.bund.de werden dafür Gespräche geführt, auch mit Angehörigen, und das Verhalten wird beobachtet. Körperliche und neurologische Untersuchungen dienen dazu, andere Ursachen auszuschließen, denn ähnliche Symptome können durch Erkrankungen des Nervensystems oder durch Alkohol und Drogen entstehen.

Das DZPG betont, dass Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Hirnentzündungen immer ausgeschlossen werden müssen. Welche Untersuchungen im Einzelfall nötig sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Wichtig ist auch: Nicht jedes Anzeichen lässt sich klar von normalem Verhalten oder einer nachvollziehbaren Reaktion auf belastende Erfahrungen abgrenzen. Bei Jugendlichen kann die Abgrenzung von Entwicklungsproblemen schwierig sein.

Behandlung: mehrere Bausteine

Die Behandlung erfordert nach dem DZPG eine multidisziplinäre Betreuung durch Psychiaterinnen, Psychologen und weitere Fachkräfte. Sie umfasst mehrere Bausteine:

  • Psychotherapie: Psychoedukation für Betroffene und Angehörige, Training im Umgang mit Symptomen wie Stimmenhören und Hilfe bei der Verarbeitung belastender Erlebnisse
  • Medikamente: Sie können die Beschwerden in der akuten Phase verringern und Rückfällen vorbeugen. Erwünschte und unerwünschte Wirkungen einer längeren Behandlung werden sorgfältig gemeinsam besprochen.
  • Soziotherapie und psychosoziale Unterstützung: zentral für die Rückkehr in Alltag und Beruf

Je früher und besser die Erkrankung behandelt wird, desto größer sind nach gesund.bund.de die Chancen auf einen günstigen Verlauf. Die Behandlung sollte sich an den Bedürfnissen der betroffenen Person orientieren und wird, sobald die akute Phase abklingt, gemeinsam geplant.

Angehörige: ruhig unterstützen und vorbereiten

Das DZPG hebt hervor, dass auch Angehörige und Freunde beraten werden sollten, damit sie unterstützen können. Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige gibt es in fast jeder Region Deutschlands; eine Suche bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS).

Für das erste Gespräch in der Praxis hilft eine kurze, sachliche Notiz, ohne Wahninhalte zu bestätigen oder ein Risiko selbst einzuschätzen:

  • Was hat sich verändert? beobachtetes Verhalten, Wahrnehmungen, Rückzug
  • Seit wann? erste Anzeichen und Verlauf
  • Schlaf, Substanzen, Medikamente: Veränderungen beim Schlaf, Alkohol- oder Drogenkonsum, neue Medikamente
  • Auswirkungen: auf Arbeit, Ausbildung, Beziehungen und Selbstversorgung

In unserer Praxis für Psychologie in Bilbao bieten wir Erwachsenen und Angehörigen eine erste Orientierung und stimmen die weitere Behandlung mit der Psychiatrie ab (die Beratung findet auf Spanisch statt). In einer akuten Krise ist der Notdienst die richtige Anlaufstelle.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Häufigkeit: Neurologen und Psychiater im Netz nennen für Psychosen insgesamt 3 bis 4 Prozent Lebenszeitrisiko. Für die Schizophrenie allein nennt das DZPG 1 bis 2 von 100 Menschen, gesund.bund.de etwa 5 von 1.000. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Krankheitsbegriffe und Schätzungen.

Geschlecht: Nach DZPG und Neurologen und Psychiater im Netz sind Männer und Frauen gleich häufig betroffen. gesund.bund.de schreibt, Männer erkrankten etwas öfter an Schizophrenie und im Mittel einige Jahre früher.

Verlauf: Das DZPG beschreibt ein breites Spektrum von sehr guter Genesung, teils ohne Medikamente, bis zu bleibenden Einschränkungen bei guter Lebensqualität mit Unterstützung. Solche Gruppenangaben sagen nichts über den Verlauf einer einzelnen Person aus.

Zusammenfassung

  • Bei einer Psychose wird die Realität verändert wahrgenommen, mit Halluzinationen, Wahn oder Denkstörungen.
  • Psychose ist ein Oberbegriff; nicht jede Psychose ist eine Schizophrenie.
  • Ursachen reichen von Schizophrenie über Depression und Hirnerkrankungen bis zu Medikamenten und Drogen.
  • Frühwarnzeichen sind oft unspezifisch: Unruhe, Schlafprobleme, Rückzug, Konzentrationsprobleme.
  • Die Behandlung kombiniert Psychotherapie, Medikamente und psychosoziale Unterstützung.
  • In akuten Krisen: 116 117, bei unmittelbarer Gefahr 112.

Häufige Fragen zur Psychose

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie äußert sich eine Psychose?

Typisch sind Halluzinationen wie Stimmenhören, Wahnvorstellungen etwa verfolgt zu werden, Denkstörungen und das Erleben eigener Gedanken als fremd. Oft kommen starke Ängste, Rückzug und Antriebslosigkeit hinzu.

Was löst Psychose aus?

Meist wirken genetische Veranlagung und Umweltfaktoren wie Traumata, Drogenkonsum oder große Lebensveränderungen zusammen. Psychosen können auch Folge körperlicher Erkrankungen, von Medikamenten oder Drogen sein.

Wird man nach einer Psychose wieder normal?

Viele finden nach einer psychotischen Phase gut in den Alltag zurück, manche erleben nur eine einzige Episode. Andere brauchen länger Unterstützung. Frühe und gute Behandlung verbessert die Chancen.

Wie lange dauert eine Psychose an?

Bis eine akute Psychose abklingt, können Wochen oder Monate vergehen. Drogeninduzierte Psychosen bilden sich nach Ende des Konsums häufig zurück. Die Dauer hängt von Ursache und Behandlung ab.

Ist jede Psychose eine Schizophrenie?

Nein. Psychotische Symptome gibt es auch bei Depressionen, bipolaren Störungen, Hirnerkrankungen, unter Drogen oder als akute vorübergehende Störung. Die Diagnose Schizophrenie erfordert typische Beschwerden über mindestens einen Monat.

Wie kann ich als Angehöriger ruhig unterstützen?

Bleiben Sie ruhig, ohne über Wahninhalte zu streiten, notieren Sie Veränderungen sachlich und ermutigen Sie zur ärztlichen Abklärung. Holen Sie sich selbst Beratung, etwa in Angehörigengruppen. Bei akuter Gefahr rufen Sie 112.

Quellen

  1. Neurologen und Psychiater im Netz (DGPPN, SGPP) · Psychosen
  2. Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) · Psychosen und Schizophrenie
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schizophrenie
  4. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10 F23: Akute vorübergehende psychotische Störungen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.