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Schizophrenie: Symptome, Diagnose und Hilfe

Stimmen hören, die andere nicht hören, sich verfolgt fühlen, Gedanken, die sich fremd anfühlen: Eine Schizophrenie verändert phasenweise Wahrnehmung, Denken und Verhalten. Für Betroffene und Angehörige ist das oft beängstigend. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de und des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG), welche Anzeichen es gibt, wie die Diagnose gestellt wird, welche Behandlung hilft und wie man sich gemeinsam auf Krisen vorbereiten kann.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Schizophrenie?

Menschen mit einer Schizophrenie erleben wiederkehrende akute Psychosen: Phasen, in denen sie die Welt oft ganz anders wahrnehmen als sonst. Psychosen sind nach dem DZPG psychische Störungen, die Denken, Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen. Neben der Schizophrenie und anderen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis gehören dazu bipolare Psychosen und psychotische Symptome bei Depressionen. Auch Erkrankungen des Nervensystems wie Hirnentzündungen können psychotische Symptome auslösen und müssen ausgeschlossen werden.

Der Begriff Schizophrenie bedeutet gespaltener Geist. Die verbreitete Vorstellung einer gespaltenen Persönlichkeit ist nach dem IQWiG falsch und befördert Vorurteile: Wahrnehmung und Verhalten sind phasenweise stark verändert, eine andersartige Persönlichkeit haben Betroffene aber nicht. Die dissoziative Identitätsstörung ist eine ganz andere Erkrankung.

Wie äußert sich eine Schizophrenie?

Die wesentlichen Symptome sind nach dem IQWiG:

  • Wahnvorstellungen, etwa Verfolgungswahn oder das starke Gefühl, zu etwas Ungewöhnlichem berufen zu sein
  • das Gefühl, das eigene Erleben und Denken werde von anderen gesteuert (Ich-Störung)
  • Beeinträchtigungen von Sprache und Denken, etwa fahrige Gedanken oder wirre Sprache
  • Halluzinationen, typischerweise Stimmen, die das Handeln kommentieren oder beschimpfen

Hinzu können Bewegungsauffälligkeiten, depressive Verstimmungen, Konzentrationsstörungen und plötzliche Stimmungswechsel kommen. Nach dem DZPG sind Menschen mit einem Wahn in der Regel so überzeugt von dessen Inhalt, dass er durch andere Erfahrungen nicht korrigiert werden kann. Viele ziehen sich zurück.

Welche Anzeichen kündigen eine Psychose an?

Akute Psychosen deuten sich oft lange vorher an. In den Wochen oder Monaten davor spüren Betroffene und meist auch Angehörige, dass sich etwas verändert. Häufig sind:

  • Ruhelosigkeit und Anspannung
  • schlechter Schlaf
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • leichte Halluzinationen oder das Gefühl, beobachtet und beeinflusst zu werden

Die erste Erkrankungsphase kündigt sich nach dem IQWiG oft schon Jahre zuvor durch unklare Beschwerden an: depressive Verstimmung, Launenhaftigkeit, Selbstzweifel, Ängste, plötzliche Probleme in Schule oder Studium, Vernachlässigung des Äußeren und Rückzug von Freunden und Familie. Solche Zeichen sind unspezifisch; mehr zu depressiven Beschwerden im Ratgeber Depression: Symptome.

Was ist der Auslöser einer Schizophrenie?

Die genauen Ursachen sind ungeklärt. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen. Manche Menschen haben anlagebedingt ein höheres Risiko, vor allem wenn ein Eltern- oder Geschwisterteil erkrankt ist; etwa 12 Prozent der Kinder eines erkrankten Elternteils erkranken später ebenfalls. Nach dem DZPG reicht eine genetische Veranlagung allein in der Regel nicht aus; meist müssen Umweltfaktoren hinzukommen.

Zur Entwicklung einer Psychose beitragen können nach den Quellen Veränderungen im Gehirn, Schlafstörungen, Drogenkonsum wie Cannabis oder Amphetamine, traumatische Erfahrungen, psychischer Stress sowie Entwicklungsstörungen im Mutterleib oder in der Kindheit. Häufig tritt eine Psychose im Zusammenhang mit großen Lebensveränderungen auf, etwa einer Trennung, einem Umzug oder dem Start ins Berufsleben. Die erste akute Phase beginnt meist zwischen 15 und 35 Jahren, bei Männern im Durchschnitt einige Jahre früher als bei Frauen.

Gibt es feste Formen der Schizophrenie?

Im Netz ist oft von vier Formen der Schizophrenie die Rede. Die hier genutzten Quellen beschreiben keine solche feste Einteilung. Das DZPG spricht von einem schizophrenen Formenkreis, zu dem neben der Schizophrenie weitere Erkrankungen gehören. Das IQWiG betont, dass Beschwerden, Ursachen und Verlauf von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sind.

Einteilungen in Unterformen hängen vom jeweiligen Klassifikationssystem ab und haben sich im Lauf der Zeit verändert. Für Betroffene ist deshalb wichtiger, welche Beschwerden im Vordergrund stehen und welche Unterstützung gebraucht wird, als ein bestimmtes Etikett.

Wie wird eine Schizophrenie diagnostiziert?

Die Diagnose wird nach dem IQWiG erst gestellt, wenn typische Beschwerden mindestens einen Monat lang andauern. Wahnvorstellungen und anhaltendes Stimmenhören werden dabei stärker gewichtet als etwa wirres Reden. Zur Abklärung werden Gespräche geführt, auch mit Angehörigen, und das Verhalten wird beobachtet.

Körperliche und neurologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren dienen vor allem dazu, andere Ursachen auszuschließen, zum Beispiel Erkrankungen des Nervensystems oder Alkohol- und Drogenkonsum. Manche Symptome treten auch unter Drogeneinfluss oder bei Depressionen und Angststörungen auf, und bei Jugendlichen sind sie schwer von starken Entwicklungsproblemen zu unterscheiden. Eine sorgfältige Untersuchung bei Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie ist deshalb sehr wichtig.

Wie wird eine Schizophrenie behandelt?

Die Behandlung orientiert sich möglichst an den Bedürfnissen der Betroffenen und wird nach dem DZPG multidisziplinär und multimodal geplant. Je früher und besser Beschwerden behandelt werden, desto größer sind die Chancen auf einen günstigen Verlauf. Zu den Möglichkeiten gehören nach dem IQWiG:

  • Medikamente gegen psychotische Beschwerden, die akute Symptome abklingen lassen und vor Rückfällen schützen können, aber belastende Nebenwirkungen haben können
  • Psychotherapie, etwa kognitive Verhaltenstherapie oder Familientherapie, in allen Phasen der Erkrankung
  • Psychoedukation für Betroffene und Angehörige
  • Soziotherapie, um beruflich und sozial wieder Fuß zu fassen
  • ergänzend Ergotherapie, Bewegungstherapien oder achtsamkeitsbasierte Verfahren

In akuten Phasen wird häufig in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Über Medikamente, Dosis und Dauer entscheidet die behandelnde Fachärztin oder der Facharzt gemeinsam mit den Betroffenen.

Wie können Angehörige unterstützen?

Familie, Freundeskreis und Kollegen können emotional zur Seite stehen, im Alltag helfen und für ein stabiles Umfeld sorgen. Psychoedukation und Selbsthilfegruppen, die es nach dem DZPG in fast jeder Region Deutschlands gibt, helfen auch Angehörigen. Für Krisen kann man mit der Ärztin oder dem Arzt eine Behandlungsvereinbarung treffen und eine Patientenverfügung sowie eine Vorsorgevollmacht anfertigen. Ein gemeinsamer Gesprächsplan, ausgefüllt in einer ruhigen Phase, kann so aussehen:

  • eigene Frühzeichen, die bei früheren Phasen auftraten
  • was in der Ansprache hilft und was eher belastet
  • ob eine Behandlungsvereinbarung oder Patientenverfügung besteht und wo sie liegt
  • Kontakte: Praxis, Klinik, 116 117, 112 und eine Vertrauensperson
  • wer im Krisenfall welche Aufgabe übernimmt

In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine allgemeine Erstberatung an, die bei der Orientierung zur psychiatrischen Versorgung hilft. Unsere psychologische Beratung kann Erwachsene ergänzend begleiten, ersetzt aber keine psychiatrische Akutbehandlung (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei der Häufigkeit nennen die Quellen unterschiedliche Zahlen, die man nicht mitteln sollte. Das IQWiG schätzt, dass bei etwa 0,5 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens eine Schizophrenie festgestellt wird. Das DZPG schreibt, dass ein bis zwei von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Schizophrenie erkranken. Die Angaben beruhen auf unterschiedlichen Bezugsgrößen und Schätzungen.

Auch beim Verlauf setzen sie Akzente. Das IQWiG nennt, dass es bei etwa 20 von 100 Betroffenen bei einer Episode bleibt und etwa 60 von 100 innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall erleben. Das DZPG beschreibt verallgemeinernd drei etwa gleich große Gruppen mit unterschiedlich gutem Zurechtkommen. Beide Darstellungen sind Durchschnittswerte und sagen nichts darüber, wie die Erkrankung bei einem einzelnen Menschen verläuft.

Zusammenfassung

  • Schizophrenie bedeutet wiederkehrende Psychosen, keine gespaltene Persönlichkeit.
  • Typisch sind Wahn, Stimmenhören und das Gefühl fremdgesteuerter Gedanken.
  • Frühzeichen wie Unruhe, Schlafprobleme und Rückzug gehen oft voraus.
  • Die Diagnose stellen Fachleute erst nach Ausschluss anderer Ursachen.
  • Medikamente, Psychotherapie und soziale Hilfen wirken zusammen.
  • Bei akuter Gefährdung gilt immer der Notruf 112.

Häufige Fragen zur Schizophrenie

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie äußert sich eine Schizophrenie?

In psychotischen Phasen durch Wahnvorstellungen, Stimmenhören, das Gefühl fremdgesteuerter Gedanken und wirres Denken oder Sprechen. Oft gehen Unruhe, Schlafprobleme und Rückzug voraus.

Welche Anzeichen sind typisch für eine Schizophrenie?

Besonders typisch sind Wahnvorstellungen und anhaltendes Stimmenhören. Sie werden bei der Diagnose stärker gewichtet als etwa wirres Reden, weil sie für eine Schizophrenie charakteristischer sind.

Was ist der Auslöser einer Schizophrenie?

Die Ursachen sind ungeklärt. Eine erbliche Veranlagung erhöht das Risiko, reicht allein aber meist nicht aus. Drogen wie Cannabis, Traumata, Stress und große Lebensveränderungen können zum Ausbruch beitragen.

Welche Formen der Schizophrenie gibt es?

Die hier genutzten Quellen beschreiben keine feste Einteilung in vier Formen, sondern einen schizophrenen Formenkreis mit sehr unterschiedlichen Verläufen. Unterformen hängen vom Klassifikationssystem ab.

Ist Schizophrenie dasselbe wie eine gespaltene Persönlichkeit?

Nein. Diese Vorstellung ist falsch und fördert Vorurteile. Wahrnehmung und Verhalten sind phasenweise verändert, eine zweite Persönlichkeit haben Betroffene nicht.

Wie können Angehörige bei der Behandlung unterstützen?

Durch emotionale und praktische Hilfe, die Teilnahme an Psychoedukation, den Austausch in Selbsthilfegruppen und einen gemeinsam vorbereiteten Krisenplan mit Frühzeichen und Kontakten.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schizophrenie (IQWiG)
  2. Psychosen und Schizophrenie (Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.