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Parkinson: Symptome, Diagnose und Unterstützung

Die Parkinson-Krankheit ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin bilden. Typisch sind verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit, Zittern in Ruhe und Gleichgewichtsstörungen; erste Anzeichen können aber schon Jahre früher auftreten. Parkinson ist nicht heilbar, lässt sich aber oft über viele Jahre gut behandeln. Dieser Ratgeber erklärt nach der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG), dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und gesundheitsinformation.de (IQWiG) Anzeichen, Diagnose, Verlauf und Behandlung – mit Blick auf Bewegung, Sprechen und Schlucken.

Thema
Logopädie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie geht von der „schwarzen Substanz“ (Substantia nigra) aus, einem Bereich im Hirnstamm. Deren Nervenzellen bilden Dopamin, einen Botenstoff, der für die Feinabstimmung von Bewegungen und für das Starten von Bewegungen wichtig ist. Bei Parkinson sterben immer mehr dieser Zellen ab; es entsteht ein Dopaminmangel. Nach dem DZNE treten die typischen Bewegungsstörungen erst auf, wenn mehr als die Hälfte dieser Zellen abgestorben ist.

Parkinson tritt meist im höheren Lebensalter auf und schreitet in der Regel langsam voran. Nach der Diagnose führen viele Menschen nach gesundheitsinformation.de noch lange ein weitgehend selbstständiges Leben.

Die typischen Bewegungssymptome

Die Beschwerden entwickeln sich schleichend, beginnen meist einseitig und nehmen im Verlauf zu. Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Verlangsamung und Bewegungsarmut (Bradykinese, Akinesie): Der Gang wird langsam und kleinschrittig, Drehungen fallen schwer, die Mimik wirkt maskenhaft, die Handschrift wird kleiner.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Vor allem Nacken, Arme und Beine; die Haltung wird vornübergebeugt, Bewegungen fühlen sich an wie gegen einen Widerstand.
  • Ruhezittern (Ruhetremor): Unwillkürliches Zittern meist der Hände, das in Ruhe auftritt und bei Bewegung abnimmt; es tritt bei den meisten, aber nicht bei allen Betroffenen auf.
  • Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität): Unsicheres Gehen und Stehen mit Sturzgefahr.

Hinzu kommen kann das plötzliche „Einfrieren“ von Bewegungen (Freezing). Nicht jedes Zittern ist Parkinson: Parkinson-ähnliche Beschwerden können zum Beispiel auch durch Medikamente, Vergiftungen, Gehirnentzündungen oder andere Erkrankungen entstehen (sekundäres Parkinson-Syndrom).

Erste Anzeichen und nicht motorische Beschwerden

Erste Anzeichen können nach der DPG schon viele Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten. Oft fallen sie zuerst dem Umfeld auf. Genannt werden:

  • Verhaltensauffälligkeiten im REM-Schlaf, die die DPG als eines der wichtigsten Frühzeichen nennt, sowie andere Schlafstörungen
  • Riechstörungen bis zum Verlust des Geruchssinns
  • Verstopfung
  • eine leisere, monotone Stimme
  • vermindertes Mitschwingen eines Arms beim Gehen, eine veränderte Handschrift
  • Depressionen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Sehstörungen sowie Schmerzen in Muskeln und Gelenken

Im weiteren Verlauf können Blasen- und Verdauungsstörungen, Kreislauf- und Blutdruckprobleme, Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken, Konzentrationsstörungen und geistige Beeinträchtigungen bis hin zu einer Demenz hinzukommen. Zwischen den ersten Anzeichen und der Diagnose vergehen nicht selten mehrere Jahre.

Was löst Parkinson aus?

Warum die Dopamin bildenden Nervenzellen absterben, ist nicht vollständig geklärt. In den betroffenen Zellen finden sich Ablagerungen, die Lewy-Körperchen, die vor allem aus verklumptem Alpha-Synuklein bestehen; sie werden als Ursache des Krankheitsprozesses diskutiert. Wahrscheinlich spielen weitere Faktoren mit.

Man unterscheidet:

  • das idiopathische Parkinson-Syndrom ohne erkennbaren Auslöser, die häufigste Form
  • genetische (erbliche) Formen, die oft schon vor dem 50. Lebensjahr beginnen
  • das sekundäre Parkinson-Syndrom, ausgelöst etwa durch Medikamente, Vergiftungen oder andere Erkrankungen
  • atypische Parkinson-Syndrome als Folge anderer neurodegenerativer Erkrankungen

Geforscht wird unter anderem zur Rolle von Entzündungen, geschädigten Mitochondrien und der Darmflora. Meist wird Parkinson nach der DPG zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr diagnostiziert; Männer erkranken häufiger als Frauen.

Wie wird Parkinson festgestellt?

Nach gesundheitsinformation.de stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose meist nach einem ausführlichen Gespräch über Beschwerden und Krankengeschichte und nach körperlichen Untersuchungen. Dabei werden Reflexe, Empfindlichkeit und Beweglichkeit geprüft, etwa ob die Muskeln Widerstand leisten. Angehörige im Gespräch können helfen, weil ihnen manche Veränderungen eher auffallen.

Manchmal wird ein Test mit einem Parkinson-Medikament gemacht: Bessern sich die Beschwerden rasch, spricht das für Parkinson. Gerade im Frühstadium ist die Erkrankung nicht immer sicher von anderen zu unterscheiden; dann wird der Verlauf eine Weile beobachtet. Eine CT oder MRT dient vor allem dazu, andere Erkrankungen auszuschließen.

Die Behandlung wird von Fachleuten für neurologische Bewegungsstörungen individuell angepasst. Nach biologischen Merkmalen im Blut oder Nervenwasser für eine Früherkennung wird nach dem DZNE noch geforscht.

Verlauf und medikamentöse Behandlung

Am Anfang, solange die Beschwerden nicht belasten, ist unter Umständen noch keine Behandlung nötig. Nehmen sie zu, helfen Medikamente, die den Dopaminmangel ausgleichen. Die DPG und das DZNE nennen als Gruppen Dopaminvorstufen, die im Körper zu Dopamin werden, sowie Mittel, die den Abbau von Dopamin hemmen (MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer). Art und Dosis werden immer wieder angepasst.

Im Frühstadium bessern Medikamente die Beschwerden meist deutlich. Nach etwa 5 bis 10 Jahren verstärken sich die Symptome nach gesundheitsinformation.de oft wieder; die Wirkung schwankt dann, und es wechseln Phasen starker Bewegungsarmut mit normaler Beweglichkeit („Off“ und „On“). Auch unwillkürliche Bewegungen, Sprachstörungen, Gedächtnisprobleme, Halluzinationen oder Depressionen können auftreten.

Damit Medikamente gleichmäßig wirken, kann eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden. Reicht die medikamentöse Behandlung nicht mehr aus, kommt die Tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) infrage, bei der Elektroden bestimmte Hirnbereiche beeinflussen. Alle diese Verfahren lindern Beschwerden, halten das Fortschreiten aber nicht auf. Eine Behandlung, die an der Ursache ansetzt oder heilt, gibt es bisher nicht; sie wird erforscht.

Bewegung, Physiotherapie und Ergotherapie

Mit der Zeit werden Bewegungen langsamer, das Ingangkommen kann schwerfallen, Gleichgewicht und Koordination lassen nach, die Muskelkraft nimmt ab. Bewegungsübungen und Sport können nach gesundheitsinformation.de helfen, diesen Prozess etwas aufzuhalten. Entscheidend ist weniger die Sportart als die langfristige Regelmäßigkeit. Möglich sind zum Beispiel:

  • Dehnübungen, Kraft- und Ausdauertraining
  • Gleichgewichtstraining sowie Geh- und Lauftraining
  • Tanzen, Tai Chi, Qigong oder Yoga

Die Wirkung regelmäßiger Bewegungs- und Koordinationsübungen ist besser untersucht als die anderer nicht medikamentöser Behandlungen. In der Ergotherapie geht es darum, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Nach der DPG sorgen Medikamente zusammen mit Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie dafür, dass viele Betroffene über viele Jahre eine gute Lebensqualität haben.

Sprechen, Stimme und Schlucken: Was Logopädie leisten kann

Schwierigkeiten beim Sprechen sind für viele Betroffene besonders belastend. Weil die Muskeln in Kehlkopf, Zunge und Gesicht unbeweglicher werden, wird die Stimme nach gesundheitsinformation.de mit der Zeit verwaschener, monotoner und leiser. Hinzu können Wortfindungsstörungen kommen; im Spätstadium haben manche Menschen Schluckstörungen.

In der Sprachtherapie (Logopädie) wird geübt, wieder klarer, lauter und deutlicher zu sprechen. Lockerungs- und Sprechübungen oder Singen trainieren außerdem Gesichtsmuskulatur, Mimik und Atmung. Auch Schluckstörungen können behandelt werden. Welche Form passt, hängt von den Beschwerden ab. gesundheitsinformation.de weist darauf hin, dass es zur Wirkung von Sprach- und Ergotherapie bei Parkinson bisher nur wenige verlässliche Studien gibt, viele Menschen sie aber als sehr hilfreich empfinden.

Mehr dazu in den Ratgebern zu Schluckstörungen, zur Wortfindungsstörung und zur Heiserkeit.

In unserer Praxis in Bilbao bieten wir Logopädie bei Sprech-, Stimm- und Schluckproblemen und, je nach ärztlicher Indikation, Physiotherapie an. Wir stellen keine Parkinson-Diagnose und versprechen keine Heilung (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wo sich die Quellen unterscheiden

Die DPG (ohne sichtbares Datum), das DZNE (22.11.2021) und gesundheitsinformation.de (aktualisiert am 22.02.2023) stimmen in den Grundzügen überein, nennen aber unterschiedliche Zahlen:

  • Zahl der Betroffenen in Deutschland: Die DPG nennt bis zu 400.000 auf Basis von Krankenkassendaten, das DZNE mindestens 200.000. Die Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Grundlagen und Zeitpunkten und lassen sich nicht zu einer aktuellen Zahl zusammenführen.
  • Frühe Erkrankung: Nach der DPG wird jede zehnte Diagnose vor dem 40. Lebensjahr gestellt, nach dem DZNE erkranken zehn Prozent vor dem 50. Lebensjahr. Das sind verschiedene Altersgrenzen.
  • Ruhezittern: Das DZNE schreibt, das Zittern trete nur in Ruhe auf und verschwinde bei Bewegung; gesundheitsinformation.de formuliert vorsichtiger, es nehme bei Bewegung ab und betreffe die meisten, nicht alle Betroffenen.
  • Männer und Frauen: Die DPG gibt ein Lebenszeitrisiko von 2,0 % für Männer und 1,3 % für Frauen an; das DZNE spricht von etwa 50 % mehr männlichen Betroffenen.
  • Wirksamkeit nicht medikamentöser Therapien: Die DPG betont den Beitrag von Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie zur Lebensqualität; gesundheitsinformation.de weist darauf hin, dass die Studienlage zu Sprach- und Ergotherapie dünn ist.

Zusammenfassung

Parkinson entsteht durch das Absterben Dopamin bildender Nervenzellen. Hauptsymptome sind Verlangsamung, Steifheit, Ruhezittern und Gleichgewichtsstörungen; Frühzeichen wie Riech- und Schlafstörungen, Verstopfung oder eine leisere Stimme können Jahre vorausgehen. Nicht jedes Zittern bedeutet Parkinson. Die Diagnose stellen Fachleute vor allem anhand von Gespräch und Untersuchung.

Medikamente gleichen den Dopaminmangel aus und lindern die Beschwerden, halten die Erkrankung aber nicht auf; später kommen Pumpen oder Tiefe Hirnstimulation infrage. Nach der DPG ist die Lebenserwartung heute weitgehend normal, eine Garantie für den Einzelfall ist das nicht. Regelmäßige Bewegung, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie für Sprechen und Schlucken helfen, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.

Häufige Fragen zu Parkinson

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie sind die ersten Anzeichen für Parkinson?

Oft unspezifisch und Jahre vor den Hauptsymptomen: Verhaltensauffälligkeiten im REM-Schlaf, Riechstörungen, Verstopfung, eine leisere Stimme, weniger Mitschwingen eines Arms, eine kleinere Handschrift oder Depressionen.

Wie lange ist die Lebenserwartung mit Parkinson?

Nach der DPG ist sie heute weitgehend normal. Das Fortschreiten lässt sich aber nicht aufhalten, und der Verlauf ist individuell; eine Einschätzung im Einzelfall gibt das neurologische Behandlungsteam.

Was ist Auslöser von Parkinson?

Das Absterben Dopamin bildender Nervenzellen in der Substantia nigra. Warum das geschieht, ist nicht vollständig geklärt; Ablagerungen von Alpha-Synuklein und weitere Faktoren werden diskutiert. Etwa zehn Prozent der Fälle sind erblich.

Was ist die Vorstufe von Parkinson?

Den Begriff verwenden die Quellen nicht. Sie beschreiben Frühzeichen, die Jahre vor den Bewegungsstörungen auftreten können, etwa REM-Schlaf-Verhaltensstörungen und Riechstörungen. Sie sind kein sicherer Beweis für Parkinson.

Ist jeder Tremor ein Zeichen von Parkinson?

Nein. Parkinson-ähnliche Beschwerden können auch durch Medikamente, Vergiftungen oder andere Erkrankungen entstehen, und nicht alle Menschen mit Parkinson zittern. Neue Bewegungsstörungen gehören neurologisch abgeklärt.

Wann können Logopädie und Physiotherapie helfen?

Logopädie, wenn Sprechen, Stimme oder Schlucken schwerer fallen; Bewegungsübungen und Physiotherapie, um Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht möglichst lange zu erhalten – jeweils ergänzend zur ärztlichen Behandlung.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG): Die Parkinson-Krankheit
  2. Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Parkinson, 22.11.2021
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Parkinson, aktualisiert am 22.02.2023
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Nicht medikamentöse Behandlung bei Parkinson-Krankheit, aktualisiert am 22.02.2023

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.