Was ist eine Magen-Darm-Grippe? Ist es die echte Grippe?
„Magen-Darm-Grippe“ ist ein umgangssprachlicher Begriff. Gemeint ist eine Magen-Darm-Infektion, fachlich Gastroenteritis. Als häufigste Auslöser nennen IQWiG und gesund.bund.de die sehr ansteckenden Noroviren und Rotaviren, also nicht die Grippeviren der echten Grippe.
Können Bakterien beteiligt sein? Ja. Bakterielle Magen-Darm-Infektionen werden in Deutschland meist durch Campylobacter oder Salmonellen ausgelöst. Auf Reisen können je nach Reiseziel und Hygiene auch Shigellen, bestimmte Kolibakterien oder Parasiten Durchfall verursachen.
Durchfall hat aber auch andere Ursachen als Infektionen, etwa ungewohntes Essen auf Reisen, Unverträglichkeiten wie Gluten- oder Laktoseintoleranz, ein Reizdarmsyndrom, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten, vor allem von Antibiotika.
Woher weiß ich, ob ich eine Magen-Darm-Grippe habe?
Oft beginnt die Infektion plötzlich mit schwallartigem Erbrechen oder starkem Durchfall. Von Durchfall spricht man, wenn jemand innerhalb von 24 Stunden mindestens dreimal sehr weichen oder flüssigen Stuhlgang hat. Typisch sind außerdem:
- Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe und Blähungen
- Übelkeit
- manchmal Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen
Ob tatsächlich eine Infektion dahintersteckt und welcher Erreger, lässt sich an den Beschwerden allein nicht sicher erkennen. Bei blutigem, anhaltendem oder schleimigem Durchfall kann eine Stuhl- oder Blutprobe nötig sein. Wer häufiger Durchfall nach bestimmten Mahlzeiten hat, findet mehr im Ratgeber Durchfall nach dem Essen.
Wie steckt man sich an?
Viren und Bakterien werden über Stuhl, Erbrochenes, verunreinigte Gegenstände, Wasser oder Lebensmittel übertragen. Über eine Schmierinfektion gelangen sie etwa auf Toiletten, Türgriffe oder Kleidung; wer diese anfasst und die Hand zum Mund führt, kann sich indirekt anstecken.
- regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen; auch Händedesinfektion kann helfen
- wenn möglich ein eigenes WC für die erkrankte Person
- Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen
- in der Küche besonders auf Hygiene achten und mit akutem Durchfall möglichst nicht für andere kochen
Personen in Lebensmittelberufen ist das Zubereiten von Speisen bei akutem Durchfall verboten; für sie gelten nach dem Infektionsschutzgesetz besondere Regeln, die die Ärztin oder der Arzt bzw. das Gesundheitsamt erläutert.
Wie lange dauert eine Magen-Darm-Grippe?
Akute Durchfallerkrankungen sind meist nach wenigen Tagen bis einer Woche überstanden. Hält der Durchfall länger als zwei Wochen an, spricht man von anhaltendem Durchfall.
Meistens ist akuter Durchfall harmlos. Starker oder länger anhaltender Durchfall muss aber behandelt werden, weil er zu einem gefährlichen Verlust von Flüssigkeit und Salzen führen kann. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und ältere Menschen; bei ihnen lässt oft das Durstgefühl nach, sodass die Gefahr einer Austrocknung besonders groß ist.
Wie bekommt man eine Magen-Darm-Grippe weg?
Das Wichtigste ist, den Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten auszugleichen. Nach beiden Quellen reicht bei akutem Durchfall zum Beispiel gezuckerter Tee zusammen mit Salzgebäck. Häufig empfohlen wird magenschonende Kost wie Reis, Bananen oder Zwieback; Kaffee, Fruchtsäfte, Limonaden, Alkohol und fettige Speisen können den Darm zusätzlich reizen.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen muss akuter Durchfall nicht besonders behandelt werden. Bei starkem Durchfall sowie bei kleinen Kindern und älteren Menschen ist eine Rehydratationslösung aus Apotheke oder Drogerie sinnvoll, ein Pulver mit Salzen, Mineralstoffen und Traubenzucker zum Auflösen in Wasser. Mehr zur Kost danach im Ratgeber Ernährung bei Magen-Darm-Infekt.
Brauche ich Antibiotika oder andere Mittel?
- Antibiotika kommen nur bei einer bakteriellen Darminfektion infrage; gegen Viren helfen sie nicht. Ob sie nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
- Darmberuhigende Mittel können die Zahl der Toilettengänge verringern. Bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Hefepräparate und Kohletabletten werden manchmal empfohlen; für eine ausreichende Bewertung von Nutzen und Schaden fehlen aussagekräftige Studien. Schwer Kranke und Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sollten keine Hefepräparate einnehmen.
- Probiotika verkürzen den Durchfall nach Studien wahrscheinlich nicht.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Dauer und Schwere der Beschwerden ab. Lassen Sie sich in der Apotheke oder ärztlich beraten, bevor Sie Medikamente einnehmen.
Wann ist Trinken allein nicht genug?
Bei starkem, wässrigem Durchfall oder häufigem Erbrechen mit hohem Flüssigkeitsverlust ist es wichtig, rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen, um ein Kreislaufversagen zu vermeiden. Hinweise auf einen starken Flüssigkeitsverlust sind nach dem IQWiG:
- der Allgemeinzustand verschlechtert sich
- eingefallene Augen, Wangen oder Gesichtszüge
- schnellere Atmung oder schnellerer Herzschlag
- die Haut bleibt nach leichtem Zusammendrücken als Falte stehen
- starker Durst, Benommenheit, dunkler Urin oder fehlender Harndrang, trockene Augen, Lippen oder Zunge
- bei älteren Menschen manchmal Brustschmerzen oder Muskelkrämpfe
Abwarten oder sofort Hilfe holen?
Die folgende Übersicht fasst die Angaben beider Quellen zusammen. Sie ersetzt keine ärztliche Einschätzung.
- Abwarten und viel trinken kann reichen, wenn Sie Flüssigkeit bei sich behalten, sich der Zustand nicht verschlechtert und keine der unten genannten Zeichen auftreten.
- Rasch ärztliche Hilfe, ohne 48 Stunden abzuwarten, bei Schwindel oder Kreislaufproblemen, Zeichen von Flüssigkeitsverlust, häufigem Erbrechen, bei dem Getränke nicht drinbleiben, hohem Fieber, Blut im Stuhl (rot oder schwarz), Schleim auf dem Stuhl oder starken Schmerzen.
- Ärztlichen Rat einholen, wenn sich die Beschwerden nach 48 Stunden nicht bessern oder der Durchfall länger anhält.
- Früher handeln bei Säuglingen und Kleinkindern, älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Bei der Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach Beginn, Dauer und Häufigkeit, dem Aussehen des Stuhls, Begleitbeschwerden, dem Essen vor Beginn, Medikamenten, Auslandsreisen und Vorerkrankungen wie Diabetes. Einige Infektionen, etwa mit Noro- oder Rotaviren, Salmonellen oder Campylobacter, sind meldepflichtig.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Gleiche Herkunft: Der Text auf gesund.bund.de entstand in Zusammenarbeit mit dem IQWiG; die Inhalte sind daher weitgehend gleich und keine unabhängige Bestätigung.
Warnzeichen: Das IQWiG nennt zusätzlich hohes Fieber und starke Schmerzen als Gründe für ärztliche Hilfe und beschreibt ausführlich die Anzeichen eines starken Flüssigkeitsverlusts. gesund.bund.de nennt Auslandsreisen ausdrücklich als wichtige Frage bei der Diagnose.
Aktualität: Der IQWiG-Text wurde am 08.02.2023 aktualisiert, gesund.bund.de hat den Stand 08.03.2024.
Aktuelle Lage: Keine der beiden Seiten enthält Angaben dazu, wie viele Infektionen gerade im Umlauf sind.
Zusammenfassung
- Die „Magen-Darm-Grippe“ ist meist eine Infektion mit Noro- oder Rotaviren, keine echte Grippe.
- Typisch: plötzliches Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, manchmal Fieber.
- Meist nach wenigen Tagen bis einer Woche vorbei.
- Das Wichtigste: Flüssigkeit und Salze ersetzen.
- Händewaschen schützt andere.
- Bei Zeichen von Flüssigkeitsverlust, Blut im Stuhl, hohem Fieber oder starken Schmerzen rasch ärztliche Hilfe.
Erste Anlaufstelle bei einer Magen-Darm-Infektion ist die hausärztliche Praxis. Wenn nach überstandener Infektion eine Ernährungsberatung ärztlich empfohlen wird, unterstützt unsere Ernährungsberatung in Bilbao Erwachsene dabei (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Häufige Fragen zur Magen-Darm-Grippe
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange dauert eine Magen-Darm-Grippe?
Akute Durchfallerkrankungen sind meist nach wenigen Tagen bis einer Woche überstanden. Dauert der Durchfall länger als zwei Wochen, spricht man von anhaltendem Durchfall.
Ist momentan Magen-Darm-Grippe im Umlauf?
Die hier genutzten Quellen enthalten keine aktuellen Zahlen. Noro- und Rotaviren sind aber sehr ansteckend; gründliches Händewaschen schützt.
Woher weiß ich, ob ich Magen-Darm-Grippe habe?
Typisch ist ein plötzlicher Beginn mit Erbrechen oder Durchfall, oft mit Bauchkrämpfen, manchmal mit Fieber. Den Erreger kann nur eine Untersuchung feststellen.
Wie bekommt man Magen-Darm-Grippe weg?
Bei Erwachsenen muss akuter Durchfall meist nicht besonders behandelt werden; Antibiotika helfen gegen Viren nicht. Wichtig ist, Flüssigkeit und Salze zu ersetzen und abzuwarten; bei starkem Durchfall hilft eine Rehydratationslösung.
Brauche ich Antibiotika?
Meist nicht. Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen, nicht gegen Viren. Ob sie nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wann ist sofortige Abklärung nötig?
Bei Schwindel, Kreislaufproblemen oder anderen Zeichen eines starken Flüssigkeitsverlusts, wenn Getränke nicht drinbleiben, bei hohem Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl oder starken Schmerzen.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · IQWiG, gesundheitsinformation.de: Durchfall
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de: Durchfallerkrankungen – Ursachen und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
