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Hämorrhoiden: Beschwerden erkennen und behandeln

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden: Es sind gut durchblutete Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms. Beschwerden machen sie erst, wenn sie sich vergrößern – dann können Blutungen, Juckreiz, Nässen oder Brennen am After auftreten. Schätzungen zufolge bekommt mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Lauf des Lebens solche Beschwerden. Dieser Ratgeber erklärt nach gesund.bund.de und gesundheitsinformation.de (IQWiG), woran man vergrößerte Hämorrhoiden erkennt, warum Blut im Stuhl immer ärztlich abgeklärt werden sollte, was man selbst tun kann und wann ein Eingriff infrage kommt.

Thema
Ernährung
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind ringförmig angeordnete, gut durchblutete Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms, kurz oberhalb des Afters. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgen sie dafür, dass der Darm nach außen richtig schließt – zum Beispiel, dass bei Blähungen nur Luft entweicht und kein Stuhl.

Wenn im Alltag von „Hämorrhoiden“ die Rede ist, sind meist vergrößerte Hämorrhoiden gemeint. Verursachen sie Beschwerden, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einem Hämorrhoidalleiden. Es ist sehr häufig: Nach gesund.bund.de bekommt schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Lauf des Lebens Beschwerden, und in Deutschland lassen sich jährlich etwa 4 von 100 Erwachsenen deswegen ärztlich behandeln.

Vielen Menschen ist das Thema peinlich, manche fürchten die Untersuchung oder eine ernste Erkrankung. Meistens stecken harmlose Ursachen hinter den Beschwerden – um sie richtig behandeln zu können, müssen sie aber zuerst ärztlich abgeklärt werden.

Welche Beschwerden verursachen vergrößerte Hämorrhoiden?

Das Hauptsymptom sind schmerzlose Blutungen während oder kurz nach dem Stuhlgang. Sie entstehen, wenn fester Stuhl oder starkes Pressen die dünnen Gefäßwände beschädigt, und zeigen sich meist als hellrotes bis rotes Blut auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl. Weitere typische Beschwerden sind:

  • Juckreiz, Nässen und Brennen am After
  • ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Analbereich, das Sitzen unangenehm machen kann
  • das Gefühl, dass sich der Darm trotz Stuhlgang nur unvollständig entleert
  • unabsichtlicher Abgang von etwas Schleim oder Stuhl, besonders bei Blähungen
  • weiche Knoten, die aus dem After heraustreten (Hämorrhoiden-Vorfall oder Prolaps)

Je größer die Hämorrhoiden, desto stärker sind gewöhnlich die Beschwerden. Schmerzen treten meist erst bei einem sehr weit fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden auf. Nässen vergrößerte Hämorrhoiden, kann die Haut am After gereizt werden; manchmal entsteht ein Analekzem, bei dem die Haut rot und entzündet ist, nässt und juckt.

Die vier Schweregrade

Nach gesundheitsinformation.de unterscheidet man je nach Ausprägung vier Grade:

  • Grad 1: Die Hämorrhoiden sind nur leicht vergrößert und von außen nicht sichtbar.
  • Grad 2: Sie können beim Stuhlgang, seltener bei anderen körperlichen Aktivitäten, aus dem After heraustreten, ziehen sich aber von selbst wieder zurück.
  • Grad 3: Sie treten heraus und ziehen sich nicht mehr von selbst zurück, lassen sich aber mit der Hand zurückschieben.
  • Grad 4: Sie sind dauerhaft ausgetreten und lassen sich nicht mehr zurückschieben; meist ragt auch ein kleines Stück Analschleimhaut heraus.

Der Schweregrad bestimmt wesentlich, welche Behandlung infrage kommt. Ihn festzustellen ist Aufgabe der ärztlichen Untersuchung, nicht der Selbstbeobachtung.

Wie entstehen vergrößerte Hämorrhoiden?

Die Ursachen sind nach gesund.bund.de nicht gut erforscht; bisherige Studien zeigen keine eindeutigen Ergebnisse. Vermutlich wird das Gewebe, das die Hämorrhoiden stützt, mit zunehmendem Alter schwächer. Möglicherweise gibt es auch eine familiäre Veranlagung. Als weitere mögliche Faktoren gelten:

  • harter Stuhl und starkes Pressen beim Stuhlgang
  • chronische Verstopfung
  • häufiger Durchfall
  • Schwangerschaft und Geburt
  • Übergewicht

Wie sich ein Hämorrhoidalleiden entwickelt, lässt sich nicht vorhersagen. Leichte Beschwerden nehmen manchmal nicht weiter zu oder klingen von selbst ab; sie können aber auch stärker werden. Bereits vergrößerte Hämorrhoiden werden meist nicht von selbst wieder kleiner.

Woher weiß ich, ob es Hämorrhoiden sind?

Sicher lässt sich das nur durch eine ärztliche Untersuchung sagen. Ähnliche Beschwerden können andere Ursachen haben:

  • Marisken sind harmlose Hautläppchen am After, die in der Regel keine Beschwerden machen und manchmal mit Hämorrhoiden verwechselt werden.
  • Einrisse und andere Hautverletzungen im Afterbereich sind häufig die eigentliche Ursache von Schmerzen.
  • Ein Analekzem kann Juckreiz, Rötung und Nässen verursachen.

Wann ärztlich abklären lassen? Wer Blut im Stuhl entdeckt, sollte das nach gesund.bund.de auf jeden Fall ärztlich abklären lassen. Blut darf nicht automatisch auf Hämorrhoiden zurückgeführt werden, auch wenn sie bekannt sind. Ebenso sollten starke Schmerzen, anhaltende oder belastende Beschwerden untersucht werden. Anlaufstellen sind die hausärztliche Praxis oder eine Fachpraxis für Proktologie, die auf Erkrankungen des Enddarms spezialisiert ist.

Wie werden Hämorrhoiden untersucht?

Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei, auch wenn manche sie als unangenehm oder peinlich empfinden. Für das medizinische Personal sind sie Routine. Üblich ist folgender Ablauf:

  • ein Gespräch über die Beschwerden und die Krankengeschichte
  • eine Untersuchung des Afters: Ist er entzündet, treten Hämorrhoiden beim Pressen heraus oder sind sie bereits ausgetreten?
  • die Tastuntersuchung des Enddarms mit einem behandschuhten Finger, um Schließmuskel und Analschleimhaut zu beurteilen
  • bei Verdacht auf vergrößerte Hämorrhoiden meist eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie), die einige Minuten dauert; dafür muss der Enddarm vorher entleert werden

Je nach Beschwerden kommen weitere Untersuchungen infrage. Wenn sich Blut auf dem Stuhl befindet, raten Ärztinnen und Ärzte möglicherweise zu einer Darmspiegelung (Koloskopie).

Was man selbst tun kann: Toilettengang und Verdauung

Bei leicht vergrößerten Hämorrhoiden kann es ausreichen, Verstopfungen zu vermeiden und das Verhalten beim Stuhlgang zu ändern. Starkes Pressen kann die Beschwerden verstärken und Schmerzen verursachen. Nach gesundheitsinformation.de lässt es sich vermeiden, wenn man:

  • Verstopfungen vorbeugt, denn bei hartem Stuhl presst man automatisch stärker
  • auf Stuhldrang achtet und den Gang zur Toilette nicht zu lange aufschiebt
  • entspannt und ohne Zeitdruck auf die Toilette geht

Gegen Verstopfung werden häufig eine Ernährungsumstellung, ausreichendes Trinken (1,5 bis 2 Liter pro Tag) und regelmäßige Bewegung empfohlen, oft mit ballaststoffreichem Essen aus Obst, Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchten. Wer wegen einer Erkrankung weniger trinken darf oder Ernährungsvorgaben hat, klärt die Mengen ärztlich ab. Welche Lebensmittel viele Ballaststoffe liefern, zeigt der Ratgeber zu ballaststoffreichen Lebensmitteln. Für pflanzliche Ballaststoffpräparate gibt es Hinweise, dass sie Blutungen seltener machen können; dabei muss man besonders auf ausreichendes Trinken achten.

Hygiene: Feuchte Reste am After reizen zusätzlich. Hilfreich ist es, Toilettenpapier leicht mit Wasser anzufeuchten und danach trocken abzutupfen, statt fest zu reiben. Übertriebene Hygiene kann aber schaden: Feuchtes Toilettenpapier und Waschlotionen können hautreizende Stoffe enthalten und allergische Reaktionen auslösen.

In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine Ernährungsberatung bei Verstopfung an, nachdem die Beschwerden ärztlich abgeklärt wurden. Eine proktologische Behandlung bieten wir nicht an (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Salben, Sitzbäder und Eingriffe

Salben, Zäpfchen, Analtampons: Häufig werden Salben und Pasten mit hautpflegenden oder pflanzlichen Wirkstoffen empfohlen. Auf Rezept gibt es örtlich betäubende Salben und kortisonhaltige Salben, die die Entzündung hemmen sollen; letztere sollten nur begrenzte Zeit angewendet werden. Alle diese Mittel sollen akute Beschwerden wie Juckreiz und Hautreizung kurzfristig lindern. Ob Zäpfchen oder Analtampons helfen, ist nicht gut untersucht.

Sitzbäder: Meist wird klares Wasser verwendet. Ob pflanzliche Zusätze helfen, ist nicht ausreichend untersucht; manche können die Haut reizen oder verfärben. Seife und Badelotion lässt man besser weg.

Solche Maßnahmen können Beschwerden lindern, beseitigen die Vergrößerung aber nicht. Reichen sie nicht aus, kommen nach gesundheitsinformation.de Eingriffe infrage:

  • Verödungstherapie (Grad 1 und 2): Ein Wirkstoff wird unter die Hämorrhoiden gespritzt, sie schrumpfen. Ambulant, ohne Narkose, meist nach einigen Wochen wiederholt.
  • Gummibandligatur: Ein Gummiring schnürt die Hämorrhoiden ab, das Gewebe fällt ab. Ebenfalls ambulant und ohne Narkose; möglich sind leichte Schmerzen oder Blutungen.
  • Operation (vor allem Grad 3 und 4 oder wenn andere Verfahren nicht ausreichen): Die vergrößerten Gefäßpolster werden entfernt; es gibt verschiedene Verfahren. Mögliche Komplikationen sind Schmerzen, Blutungen, Thrombosen oder Abszesse.

Auch nach einem Eingriff können sich Hämorrhoiden wieder vergrößern, sodass eine erneute Behandlung nötig wird. Welches Verfahren passt, bespricht man in der proktologischen Sprechstunde.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Die Seiten von gesund.bund.de (Stand 05.03.2026) und gesundheitsinformation.de (aktualisiert am 19.02.2025) entstehen in Zusammenarbeit mit dem IQWiG und sind daher keine voneinander unabhängigen Quellen. Unterschiede gibt es vor allem im Detail:

  • Gummibandligatur: gesund.bund.de nennt sie für Hämorrhoiden 2. Grades; die Vergleichstabelle von gesundheitsinformation.de gibt sie für Grad 1 bis 3 an.
  • Verödung und Ligatur kombiniert: Nur gesundheitsinformation.de erwähnt, dass beide Verfahren kombiniert werden können und es neben der herkömmlichen Operation eine spezielle Stapler-Technik gibt.
  • Hausmittel: gesund.bund.de nennt Ernährungsumstellung, Salben und Sitzbäder als mögliche Selbstbehandlung; gesundheitsinformation.de betont stärker, dass Sitzbad-Zusätze, Zäpfchen und Analtampons nicht ausreichend untersucht sind und manche Zusätze die Haut reizen.
  • Weitere Untersuchungen: Nur gesund.bund.de erwähnt, dass bei Blut auf dem Stuhl möglicherweise eine Darmspiegelung empfohlen wird.

Einig sind sich beide darin, dass Linderung der Beschwerden nicht bedeutet, dass vergrößerte Hämorrhoiden verschwinden.

Zusammenfassung

Hämorrhoiden hat jeder Mensch; Beschwerden machen sie erst, wenn sie sich vergrößern. Typisch sind schmerzlose hellrote Blutungen, Juckreiz, Nässen und ein Fremdkörpergefühl. Blut im Stuhl sollte immer ärztlich abgeklärt werden, weil auch andere Ursachen infrage kommen; starke Schmerzen gehen häufig auf Einrisse zurück.

Bei leichten Beschwerden helfen weicher Stuhl, wenig Pressen, ein entspannter Toilettengang und schonende Hygiene. Salben und Sitzbäder lindern höchstens kurzfristig. Bereits vergrößerte Hämorrhoiden bilden sich meist nicht von selbst zurück; je nach Schweregrad kommen Verödung, Gummibandligatur oder eine Operation infrage.

Häufige Fragen zu Hämorrhoiden

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie bekomme ich Hämorrhoiden schnell weg?

Eine schnelle Lösung nennen die Quellen nicht. Salben und Sitzbäder können Beschwerden kurzfristig lindern; vergrößerte Hämorrhoiden selbst lassen sich nur durch Eingriffe wie Verödung, Ligatur oder Operation beseitigen.

Was passiert, wenn man nichts gegen Hämorrhoiden macht?

Der Verlauf ist nicht vorhersagbar: Beschwerden können gleich bleiben, abklingen oder zunehmen. Nässende Hämorrhoiden können die Haut reizen und ein Analekzem begünstigen.

Woher weiß ich, ob es Hämorrhoiden sind?

Nur durch eine ärztliche Untersuchung. Ähnliche Beschwerden können Marisken, Einrisse oder ein Analekzem verursachen; Blut kann auch andere Ursachen haben.

Können Hämorrhoiden von alleine wieder weggehen?

Leichte Beschwerden klingen manchmal von selbst ab. Bereits vergrößerte Hämorrhoiden werden aber meist nicht von selbst wieder kleiner.

Muss Blut im Stuhl immer untersucht werden?

Ja. Nach gesund.bund.de sollte man Blut im Stuhl auf jeden Fall ärztlich abklären lassen, auch wenn man Hämorrhoiden als Ursache vermutet.

Welche Hausmittel können die Haut reizen?

Feuchtes Toilettenpapier und Waschlotionen, Seife oder Badelotion im Sitzbad sowie manche pflanzlichen Sitzbad-Zusätze. Für Sitzbäder genügt meist klares Wasser.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Hämorrhoiden, Stand 05.03.2026
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Was kann man selbst gegen Hämorrhoiden tun?, aktualisiert am 19.02.2025
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden), aktualisiert am 19.02.2025
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Welche Eingriffe kommen bei Hämorrhoiden infrage?, aktualisiert am 19.02.2025

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.