Was ist PCOS?
PCOS ist nach der IKK Südwest eine häufige hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Das Zusammenspiel der weiblichen Hormone gerät aus dem Gleichgewicht, häufig ist der Spiegel männlicher Hormone (Androgene) erhöht. Schätzungen zufolge ist etwa jede zehnte Frau betroffen; die DDG nennt für Deutschland bis zu 15 Prozent der Frauen und schätzt, dass bis zu 70 Prozent der Fälle nicht erkannt sind.
Der Name polyzystisch bezieht sich auf viele kleine, unreife Eibläschen in den Eierstöcken. Diese sind aber nicht bei allen Betroffenen vorhanden, und nach der DDG handelt es sich im Ultraschall nicht um Zysten, sondern um Follikel. Die Erkrankung betrifft außerdem nicht nur den Zyklus, sondern auch Stoffwechsel, körperliches Wohlbefinden und psychische Gesundheit.
Warum heißt PCOS jetzt PMOS?
Die Erkrankung heißt künftig Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßen die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, die Deutsche Adipositas-Gesellschaft, die DDG, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie die Umbenennung.
Der alte Name rückte nach der DDG die Eierstöcke und vermeintliche Zysten in den Mittelpunkt. Der neue Begriff benennt den Kern genauer: eine hormonelle und stoffwechselbezogene Störung mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Patientinnenleitlinie von 2026 verwendet bereits die Bezeichnung PMOS. Da viele Menschen weiterhin nach PCOS suchen, nutzen wir in diesem Ratgeber beide Begriffe.
Wie merkt man, dass man PCOS hat?
PCOS äußert sich sehr unterschiedlich. Zu den häufigsten Anzeichen gehören nach der IKK Südwest:
- ein unregelmäßiger oder ausbleibender Menstruationszyklus
- Akne, fettige Haut oder vermehrter Haarwuchs im Gesicht oder am Körper
- Haarausfall am Kopf
- Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten beim Abnehmen
- ein unerfüllter Kinderwunsch
- Stimmungsschwankungen oder psychische Belastungen
Nicht jede Frau hat alle Anzeichen, und die Ausprägung kann sich im Lauf des Lebens verändern. Am Aussehen lässt sich PCOS nicht erkennen: Betroffene können schlank, normalgewichtig oder übergewichtig sein. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter; bei Jugendlichen gelten für die Diagnose eigene Maßstäbe, die in die Hände der Kinder- und Jugendmedizin oder Gynäkologie gehören.
Was ist der Auslöser für PCOS?
Bei PMOS geraten nach der DDG Hormone, Eierstockfunktion und Stoffwechsel gemeinsam aus dem Takt. Eine wichtige Rolle spielt die Insulinresistenz: Die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin, der Körper schüttet daraufhin mehr Insulin aus. Dieser Überschuss kann in den Eierstöcken die Bildung männlicher Hormone ankurbeln und so Eisprung und Zyklus stören.
Umgekehrt können Diabetes, Gewicht und Insulinresistenz den Zyklus verändern. Stoffwechsel und Zyklus beeinflussen sich also gegenseitig. Warum genau die Erkrankung bei einer Frau entsteht und bei einer anderen nicht, erklären die beiden Quellen nicht im Einzelnen.
Wie wird PCOS festgestellt?
Die Diagnose erfolgt nach der IKK Südwest in der Regel in der gynäkologischen Praxis und stützt sich auf mehrere Faktoren:
- Zyklusstörungen
- hormonelle Blutwerte
- eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
Oft braucht es mehrere Termine bis zur sicheren Diagnose. Andere Ursachen für Zyklusstörungen müssen nach der DDG ausgeschlossen werden. Sichtbare Follikel im Ultraschall allein sind deshalb keine Diagnose, ebenso wenig ein einzelnes Anzeichen wie Akne.
Welche Stoffwechseluntersuchungen sollte ich besprechen?
Bei Frauen mit PMOS sollte nach der DDG der Glukosestoffwechsel überprüft werden. Umgekehrt sollten Frauen vor den Wechseljahren mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes bei Zyklusstörungen, Akne, Haarausfall oder vermehrter Körperbehaarung gezielt auf PMOS untersucht werden.
Die IKK Südwest nennt als mögliche langfristige Folgen eine Insulinresistenz mit höherem Risiko für Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Übergewicht als Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein höheres Risiko für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut bei dauerhaft unregelmäßigem Zyklus und psychische Belastungen. Nicht jede Frau entwickelt diese Folgen; frühe Diagnose, regelmäßige Kontrollen und ein gesunder Lebensstil senken das Risiko.
Wie wird PCOS behandelt?
PCOS ist nach der IKK Südwest nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die Therapie richtet sich nach den Beschwerden und Lebensumständen. Mögliche Bausteine sind:
- eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung
- hormonelle Behandlungen, etwa zur Regulation des Zyklus
- gezielte Behandlungen bei Hautproblemen oder Kinderwunsch
- Unterstützung bei psychischen Belastungen
Die DDG betont, dass PMOS nicht allein gynäkologisch betrachtet werden sollte; wichtig sei eine Betreuung, die Hormonmedizin, Diabetologie und Gynäkologie zusammenführt. Eine Schwangerschaft kann durch seltene Eisprünge erschwert sein, viele Frauen werden mit der richtigen Unterstützung aber schwanger. Fragen zu Kinderwunsch und Schwangerschaft gehören in die gynäkologische Praxis.
Ein Blatt für Hormon- und Stoffwechseltermine
Weil oft mehrere Praxen beteiligt sind, hilft eine gemeinsame Übersicht für jeden Termin:
- Zyklus: Datum der letzten Blutungen und Abstände zwischen ihnen über einige Monate
- Beschwerden: Haut, Haarwuchs oder Haarausfall, Gewicht, Stimmung, jeweils seit wann
- Medikamente und hormonelle Verhütung, mit Beginn und Änderungen
- vorhandene Befunde: Hormonwerte, Ultraschall, Blutzucker- oder Blutfettwerte
- Fragen an die Gynäkologie, an die Hormon- oder Diabetespraxis und an die Ernährungsberatung
In unserer Praxis für Ernährungsberatung in Bilbao können erwachsene Frauen Unterstützung bei Ernährung und Lebensstil erhalten; gynäkologische Diagnostik, Kinderwunschbehandlung oder Betreuung in der Schwangerschaft bieten wir nicht an (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
Die IKK Südwest verwendet noch den alten Namen PCOS und schätzt, dass etwa jede zehnte Frau betroffen ist. Die DDG nennt in ihrer Mitteilung vom Juni 2026 den neuen Namen PMOS und bis zu 15 Prozent der Frauen in Deutschland, von denen bis zu 70 Prozent nicht diagnostiziert seien. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Schätzungen und sind nicht direkt vergleichbar.
Auch der Schwerpunkt unterscheidet sich: Die IKK Südwest stellt die gynäkologische Diagnose mit Zyklus, Hormonwerten und Ultraschall in den Mittelpunkt. Die DDG betont den Stoffwechsel, die Insulinresistenz und die Überprüfung des Glukosestoffwechsels. Die DDG-Mitteilung ist eine Stellungnahme von Fachgesellschaften und keine vollständige Behandlungsleitlinie; Einzelheiten zur Therapie regelt die neue Leitlinie.
Zusammenfassung
- PCOS heißt seit 2026 nach Fachgesellschaften PMOS.
- Typisch sind Zyklusstörungen, Zeichen männlicher Hormone und oft eine Insulinresistenz.
- Am Aussehen lässt sich die Erkrankung nicht erkennen.
- Die Diagnose stützt sich auf Zyklus, Hormonwerte und Ultraschall nach Ausschluss anderer Ursachen.
- Der Glukosestoffwechsel sollte überprüft werden.
- Ernährung, Bewegung und eine fachübergreifende Betreuung sind zentrale Bausteine.
Häufige Fragen zu PCOS und PMOS
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merkt man, dass man PCOS hat?
Häufige Anzeichen sind ein unregelmäßiger oder ausbleibender Zyklus, Akne, vermehrter Haarwuchs, Haarausfall, Schwierigkeiten beim Abnehmen oder ein unerfüllter Kinderwunsch. Sicher klären lässt sich das nur ärztlich.
Wie sehen Frauen mit PCOS aus?
Es gibt kein typisches Aussehen. Betroffene können schlank oder übergewichtig sein; manche haben Akne oder vermehrten Haarwuchs, andere nicht. Am Aussehen lässt sich die Erkrankung nicht erkennen.
In welchem Alter tritt PCO auf?
Die Erkrankung betrifft Frauen im gebärfähigen Alter und wird meist im jungen Erwachsenenalter bemerkt. Bei Jugendlichen gelten für die Diagnose eigene Maßstäbe.
Was ist der Auslöser für PCOS?
Hormone, Eierstockfunktion und Stoffwechsel geraten gemeinsam aus dem Takt. Eine wichtige Rolle spielt die Insulinresistenz: Zu viel Insulin kann die Bildung männlicher Hormone in den Eierstöcken anregen.
Sind sichtbare Follikel allein eine Diagnose?
Nein. Die Diagnose stützt sich auf mehrere Faktoren wie Zyklusstörungen und Hormonwerte, und andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden. Die sichtbaren Strukturen sind zudem keine Zysten, sondern Follikel.
Welche Stoffwechseluntersuchungen sollte ich besprechen?
Nach den Fachgesellschaften sollte bei PMOS der Glukosestoffwechsel überprüft werden. Sprechen Sie außerdem Blutfette und Blutdruck an, weil das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sein kann.
Quellen
- IKK Südwest · PCOS bei Frauen: Symptome, Ursachen und Behandlung
- Deutsche Diabetes Gesellschaft · Aus PCOS wird PMOS (Pressemitteilung 2026)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
