Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Die Schilddrüse bildet Hormone, die sehr viele Vorgänge im Körper steuern und die Stoffwechselprozesse im Gleichgewicht halten. Stellt sie zu wenige Hormone her, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion, fachsprachlich Hypothyreose. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bildet sie dagegen zu viele Hormone.
In Ländern wie Deutschland haben nach IQWiG und gesund.bund.de etwa 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion. Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen; meist tritt sie bei Erwachsenen auf. Bei etwa 1 von 3.400 Neugeborenen ist sie angeboren.
Die gute Nachricht: Die Unterfunktion lässt sich durch Tabletten mit Schilddrüsenhormonen ausgleichen, die man täglich einnimmt. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel.
Welche Symptome hat man bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
Fehlen Schilddrüsenhormone, verlangsamt sich der Stoffwechsel. Das kann viele Körperfunktionen betreffen. IQWiG und gesund.bund.de nennen unter anderem:
- Allgemein: Schwäche und Müdigkeit, niedriger Puls, Kurzatmigkeit
- Psyche: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Teilnahmslosigkeit, Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten
- Haut und Haare: trockene, vor allem im Gesicht teigig verdickte Haut, trockenes Haar, Haarausfall
- Körper: leichte bis mäßige Gewichtszunahme, vergrößerte Schilddrüse (Kropf), tiefe, heisere Stimme, vergrößerte Zunge, Verstopfung, Schwerhörigkeit
- Hormone und Sexualität: starke oder unregelmäßige Regelblutungen, eingeschränkte Fruchtbarkeit, Erektionsstörungen
- Ganzer Körper: Frieren und Kälteempfindlichkeit, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, verlangsamte Reflexe
Viele dieser Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Besonders bei älteren Menschen wird eine Unterfunktion nach gesund.bund.de manchmal mit altersbedingten Veränderungen verwechselt, etwa mit einer beginnenden Demenz. Allein an den Symptomen lässt sich eine Unterfunktion deshalb nicht sicher erkennen.
Hashimoto und andere Ursachen
Es gibt verschiedene Gründe, warum die Schilddrüse nicht mehr genug Hormone bildet:
- Entzündung der Schilddrüse: Bei der Hashimoto-Thyreoiditis entzündet sich das Organ chronisch durch eine Autoimmunreaktion. Sie ist in Deutschland die häufigste Ursache. Auch eine Infektion kann eine Entzündung auslösen; manchmal bleibt die Ursache unklar.
- Operation oder Radiojodtherapie: Bei bestimmten Erkrankungen wie einer Überfunktion oder Schilddrüsenkrebs wird die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt oder bestrahlt.
- Ausgeprägter Jodmangel: Der Körper braucht Jod, um Schilddrüsenhormone zu bilden. In Industrieländern ist ein Mangel als Ursache heute nur sehr selten.
- Medikamente: Bestimmte Wirkstoffe, etwa einzelne Mittel gegen psychische Erkrankungen, können die Hormonbildung hemmen; ebenso zu hoch dosierte Medikamente gegen eine Überfunktion.
- Angeborene Unterfunktion: selten genetisch bedingt oder durch Jodmangel oder Schilddrüsen-Antikörper in der Schwangerschaft ausgelöst.
In all diesen Fällen ist die Schilddrüse selbst gestört; Fachleute sprechen von einer primären Unterfunktion. Selten führt eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse oder des Hypothalamus dazu, dass die eigentlich gesunde Schilddrüse zu wenige Hormone bildet. Das nennt man zentrale Schilddrüsenunterfunktion.
Was passiert, wenn eine Unterfunktion nicht behandelt wird?
Wie eine Unterfunktion verläuft, hängt von der Ursache ab. Weil sie meist durch eine Entzündung entsteht, entwickelt sie sich oft schleichend: Das Schilddrüsengewebe wird langsam abgebaut, und das restliche Gewebe gleicht den Verlust lange aus, indem es mehr Hormone herstellt. Erst wenn das nicht mehr gelingt, treten Beschwerden auf. Manchmal erholt sich die Schilddrüse auch von selbst, etwa wenn die Entzündung abklingt.
Bleibt eine Unterfunktion unbehandelt, kann es zum Beispiel zu Kreislaufproblemen kommen. Bei Erwachsenen sind nach dem IQWiG auch Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma möglich; diese Folgen sind aber sehr selten.
Bei Kindern können die Folgen schwerwiegend und teils nicht rückgängig zu machen sein, etwa Kleinwuchs, Hörstörungen oder Störungen der geistigen Entwicklung. Dazu kommt es in Deutschland nur sehr selten, weil eine angeborene Unterfunktion meist im Neugeborenen-Screening erkannt und früh behandelt wird.
TSH und Schilddrüsenhormone: Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Beschwerden und tastet die Schilddrüse ab. Weil viele Symptome auch andere Ursachen haben können, folgt ein Bluttest. Gemessen werden die Schilddrüsenhormone selbst und das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon).
TSH wird nicht in der Schilddrüse, sondern in der Hirnanhangdrüse gebildet und regt die Schilddrüse zur Hormonproduktion an. Wird die Schilddrüse schwächer, erhöht die Hirnanhangdrüse die TSH-Produktion, um sie stärker anzutreiben. Ein erhöhter TSH-Wert kann daher ein erstes Anzeichen sein. Bei einer ausgeprägten Unterfunktion reicht das nicht mehr aus, und die Schilddrüse gibt zu wenige Hormone ins Blut ab; auch das zeigt die Blutuntersuchung.
Wichtig: TSH-Werte allein sind nach gesund.bund.de wenig aussagekräftig. Relativ viele Menschen haben leicht erhöhte TSH-Werte, ohne dass die Schilddrüse zu wenige Hormone bildet, und die Werte normalisieren sich häufig von selbst. Deshalb wird Erwachsenen kein routinemäßiges Screening empfohlen.
Was ist eine latente Hypothyreose?
Ist der TSH-Wert erhöht, bildet die Schilddrüse aber noch ausreichend Hormone und bestehen keine Beschwerden, spricht man von einer latenten Schilddrüsenunterfunktion. Pro Jahr entwickeln nach dem IQWiG 2 bis 5 von 100 Menschen mit einer latenten Form eine Unterfunktion mit Symptomen.
Ob sich diese Entwicklung durch eine frühe Behandlung verhindern ließe, ist unklar. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, ob eine latente Unterfunktion behandelt werden soll. Leicht erhöhte TSH-Werte bilden sich zudem recht oft zurück, manchmal auch erst nach längerer Zeit.
Ein auffälliger Einzelwert ist deshalb kein Grund zur Panik und auch nicht automatisch ein Grund für Tabletten. Ob kontrolliert oder behandelt wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt?
Ziel ist, den Hormonmangel auszugleichen. Das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin wird durch ein Medikament ersetzt, das im Körper in das Hormon umgewandelt wird. Es bringt die Hormonwerte in den normalen Bereich, und die Beschwerden klingen in der Regel vollständig ab. Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, dauert es nach dem IQWiG etwa 2 bis 3 Monate. Je nach Ursache wird vorübergehend oder lebenslang behandelt.
Die Tablette wird einmal täglich eingenommen, oft morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser. Bei richtiger Dosierung treten praktisch keine Nebenwirkungen auf. Eine zu hohe Dosis kann jedoch Beschwerden verursachen. Deshalb wird die Dosis in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst; später reicht meist eine Kontrolle pro Jahr.
Die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt individuell fest. Schilddrüsenhormone sind keine Abnehmhilfe, und eine Ernährungsumstellung kann fehlende Hormone nicht ersetzen.
Jod, Ernährung und die Vorbereitung auf den Arzttermin
Einer Unterfunktion kann man nicht vorbeugen, mit einer Ausnahme: Ausreichend Jod verhindert eine jodmangelbedingte Unterfunktion. Dafür reicht es nach IQWiG und gesund.bund.de, täglich Milch, Milchprodukte oder Eier zu essen, öfter Meeresfisch auf den Speiseplan zu setzen und jodiertes Speisesalz zu verwenden. Zu viel Jod ist allerdings auf Dauer nicht gut, denn es erhöht das Risiko für eine Überfunktion. Problematisch können Nahrungsergänzungsmittel mit mehr als 100 Mikrogramm Jod pro Tag sein, ebenso getrocknete Algen, insbesondere Seetang. Mehr zu einer ausgewogenen Ernährung finden Sie in unserem Bereich Ernährung.
Für das Gespräch in der Praxis hilft eine kurze Notiz. Sie ersetzt keine Auswertung der Laborwerte, erleichtert aber das Gespräch:
- Welche Beschwerden haben Sie, seit wann, und haben sie zugenommen?
- Welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel nehmen Sie, besonders jodhaltige Präparate, und was hat sich zuletzt geändert?
- Gab es Operationen oder Bestrahlungen an der Schilddrüse oder Schilddrüsenerkrankungen in der Familie?
- Fragen zum Befund: Wurden TSH und Schilddrüsenhormone gemessen? Was bedeuten die Werte in meinem Fall? Wann ist eine Kontrolle sinnvoll?
Wo sich die Quellen unterscheiden
Die Texte von IQWiG und gesund.bund.de sind keine unabhängigen Prüfungen, denn der Beitrag auf gesund.bund.de entstand in Zusammenarbeit mit dem IQWiG. Sie stimmen in Symptomen, Ursachen, Häufigkeit und Behandlung weitgehend überein.
Ein Unterschied betrifft die Folgen einer zu hohen Dosis: Das IQWiG nennt Nervosität, gesund.bund.de Herzprobleme. Zudem beschreibt das IQWiG schwere, aber sehr seltene Komplikationen einer unbehandelten Unterfunktion bis zum Koma und gibt eine Einstellzeit von 2 bis 3 Monaten an. Gesund.bund.de warnt dagegen ausdrücklich vor der Verwechslung mit altersbedingten Veränderungen wie einer beginnenden Demenz, nennt eine empfohlene maximale Jodmenge von 500 Mikrogramm pro Tag und hält fest, dass Fachleute uneins sind, ob eine latente Unterfunktion behandelt werden soll.
Für Betroffene heißt das: Dosisänderungen und die Frage nach einer Behandlung gehören in die ärztliche Abstimmung.
Zusammenfassung
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenige Hormone, der Stoffwechsel verlangsamt sich. Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Gewichtszunahme, Verstopfung oder gedrückte Stimmung sind möglich, aber unspezifisch. Häufigste Ursache ist die Hashimoto-Thyreoiditis.
Die Diagnose stützt sich auf TSH und Schilddrüsenhormone; ein leicht erhöhter TSH-Wert allein bedeutet noch keine behandlungsbedürftige Unterfunktion. Hormontabletten gleichen den Mangel aus, die Dosis wird anfangs regelmäßig überprüft. Ausreichend, aber nicht übermäßig Jod schützt vor der jodmangelbedingten Form.
Häufige Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merkt man, dass mit der Schilddrüse etwas nicht stimmt?
Hinweise können Müdigkeit, Frieren, trockene Haut, Gewichtszunahme, Verstopfung, Konzentrationsprobleme oder ein Kropf sein. Diese Beschwerden haben aber oft andere Ursachen; Klarheit bringt erst ein Bluttest.
Was sollte man bei einer Schilddrüsenunterfunktion nicht tun?
Die Hormontabletten nicht eigenmächtig absetzen oder die Dosis ändern, keine hoch dosierten Jodpräparate ohne Rücksprache einnehmen und Schilddrüsenhormone nicht zum Abnehmen verwenden.
Bedeutet ein erhöhter TSH-Wert immer eine Unterfunktion?
Nein. Leicht erhöhte TSH-Werte sind relativ häufig und normalisieren sich oft von selbst. Bilden sich genug Hormone und gibt es keine Beschwerden, spricht man von einer latenten Unterfunktion.
Ist Jod bei jeder Unterfunktion sinnvoll?
Nein. Jod beugt nur der jodmangelbedingten Form vor, die heute sehr selten ist. Zu viel Jod erhöht das Risiko für eine Überfunktion; Präparate mit mehr als 100 Mikrogramm täglich können problematisch sein.
Kann Ernährung die Hormone ersetzen?
Nein. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod ist sinnvoll, kann aber fehlende Schilddrüsenhormone nicht ersetzen. Dafür sind Hormontabletten nötig.
Warum werden Verlaufskontrollen vereinbart?
Zu Beginn der Behandlung wird die Dosis regelmäßig überprüft und angepasst, später meist einmal im Jahr. Leicht erhöhte TSH-Werte normalisieren sich zudem häufig von selbst.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
