Was ist Prädiabetes?
Prädiabetes ist nach diabetesDE eine Stoffwechselstörung, die als Vorstufe des Typ-2-Diabetes gilt. Die Zuckerwerte sind im Vergleich zu Stoffwechselgesunden leicht erhöht, die Kriterien für einen Typ-2-Diabetes sind aber noch nicht erreicht. Dabei liegt eine abnorme Nüchternglukose und/oder eine gestörte Glukosetoleranz vor.
Nach der DDG und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie lässt sich im Durchschnitt schon zwölf Jahre vor der Diabetesdiagnose eine verminderte Insulinwirkung (Insulinresistenz) feststellen. Kommt eine nachlassende Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse hinzu, steigen auch die Blutzuckerwerte. Schätzungsweise 20 von 100 Erwachsenen in Deutschland leben mit Prädiabetes.
Prädiabetes ist nach diabetesDE kein einheitliches Krankheitsbild. In der Forschung wird eine Einteilung in sechs Untergruppen diskutiert, die sich im Risiko für Diabetes und Folgeerkrankungen unterscheiden.
Wie macht sich Prädiabetes bemerkbar?
Meist gar nicht. Typ-2-Diabetes entwickelt sich nach der DDG in der Regel über viele Jahre, ohne dass Betroffene Symptome verspüren. Auch diabetesDE spricht von oft nicht bemerkbaren Symptomen. Deshalb fällt Prädiabetes häufig zufällig bei einer Blutuntersuchung auf.
Das macht ihn nicht harmlos: Schon die leicht erhöhten Blutzuckerwerte können nach beiden Quellen Schäden an Gefäßen, Herz, Nieren und Nerven verursachen. Unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit erlauben keine Selbstdiagnose. Wer ein erhöhtes Risiko hat, sollte die Werte gezielt ärztlich bestimmen lassen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Prädiabetes entsteht nach diabetesDE schleichend über viele Jahre. Genetische Faktoren lassen sich nicht beeinflussen, der Lebensstil schon. Als Risikofaktoren nennen die Quellen:
- ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und Rauchen
- Typ-2-Diabetes bei Verwandten ersten Grades
- Übergewicht, viel Bauchfett und Leberverfettung
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- höheres Lebensalter
- bei Frauen ein früherer Schwangerschaftsdiabetes oder eine deutliche Gewichtszunahme in den Wechseljahren
Unabhängig von einem Arztbesuch kann man das eigene Risiko nach der DDG zunächst mit etablierten Diabetes-Risikotests auf Fragebogenbasis einschätzen, etwa dem Deutschen Diabetes-Risiko-Test. Ein solcher Test ersetzt keine Laboruntersuchung.
Welche Laborwerte zählen: Nüchternglukose, oGTT und HbA1c
Ist das Diabetesrisiko erhöht, sollten nach der DDG die Nüchternglukose, der 2-Stunden-Wert im oralen Glukosetoleranztest (oGTT) und der HbA1c bestimmt werden. Der HbA1c spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Monate wider. Nach diabetesDE kann bei folgenden im Labor gemessenen Werten von einem Prädiabetes ausgegangen werden:
- Nüchternblutzucker: 100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l)
- oGTT, 2-Stunden-Wert: 140 bis 199 mg/dl (7,8 bis 11,0 mmol/l)
- HbA1c: 5,7 bis 6,4 Prozent
Achten Sie auf die Einheit: mg/dl und mmol/l sind unterschiedliche Maßstäbe für denselben Wert. Die Einordnung eines einzelnen Ergebnisses nimmt die Ärztin oder der Arzt vor, auch weil verschiedene Fachgesellschaften Risiko und Grenzwerte nicht überall gleich definieren.
Warum ein Wert vom Heimgerät nicht genügt
Mit Teststreifen gemessene Werte sind nach diabetesDE für die Diagnosestellung nicht geeignet und nicht zulässig. Das gilt sowohl für den Nüchternwert als auch für den Belastungstest. Messgeräte für zu Hause sind für die Verlaufskontrolle bei bekanntem Diabetes gedacht, nicht für den Nachweis eines Prädiabetes.
Ein einzelner auffälliger Wert, egal ob vom Heimgerät oder aus dem Labor, ist zudem nur ein Hinweis. Ob tatsächlich ein Prädiabetes vorliegt, ergibt sich aus geeigneten Labortests und ihrer ärztlichen Bewertung.
Insulinresistenz und HOMA-Index
Eine Insulinresistenz kann nach der DDG schon viele Jahre vor einem Anstieg des Blutzuckers bestehen. Sie lässt sich über Insulin und Glukose aus einer Nüchternblutprobe abschätzen, aus denen der sogenannte HOMA-Index berechnet wird. Bei einem Wert über 2,5 ist nach der Pressemitteilung eine Insulinresistenz wahrscheinlich. Regelhaft bestimmt wird der Index etwa beim Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS).
Der HOMA-Index ist keine Pflichtuntersuchung für alle. Ob er sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Praxis im Einzelfall.
Wie bekomme ich Prädiabetes wieder weg?
Prädiabetes muss nach diabetesDE nicht zwingend zu Typ-2-Diabetes führen, er kann sich auch zurückentwickeln. Mit einer gesünderen Lebensweise können sich die Blutzuckerwerte in wenigen Monaten wieder normalisieren. Die DDG beschreibt die Strategie als Abnehmen, deutlich mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Wichtige Bausteine nach diabetesDE:
- eine moderate, langfristige Gewichtsabnahme, die den Körper wieder insulinempfindlicher macht
- eine dauerhafte Ernährungsumstellung, die starke Blutzuckeranstiege vermeidet
- regelmäßige Bewegung, nach der Weltgesundheitsorganisation mindestens 150 Minuten pro Woche
- mit dem aktiven und passiven Rauchen aufhören
Bewegung senkt nicht nur kurzfristig den Blutzucker, sondern macht die Körperzellen langfristig empfindlicher für Insulin und hilft, Blutdruck und Blutfette zu senken. Sehr strenge Diäten sind dafür nicht nötig; es geht um Veränderungen, die man dauerhaft durchhalten kann. Mehr zu Lebensmitteln mit vielen Ballaststoffen finden Sie in unserem Ratgeber zu ballaststoffreichen Lebensmitteln.
In unserer Praxis für Ernährungsberatung in Bilbao begleiten wir Erwachsene mit Prädiabetes bei einer alltagstauglichen Ernährungsumstellung, abgestimmt auf die ärztliche Diagnose und Kontrolle (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Medikamente und die nächste Kontrolle vorbereiten
Medikamente gegen hohe Blutzuckerwerte kommen nach diabetesDE in der Regel erst bei festgestelltem Typ-2-Diabetes zum Einsatz. In Deutschland gilt Prädiabetes nach dem Sozialgesetzbuch derzeit als Risikofaktor und nicht als eigenständige Krankheit. Je nach Risikoprofil verordnen Ärztinnen und Ärzte manchmal dennoch Medikamente, etwa um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Das ist eine individuelle ärztliche Entscheidung.
Für die Kontrolltermine hilft ein kurzes Blatt:
- Datum und Test: Nüchternglukose, oGTT oder HbA1c, mit Einheit
- Ergebnis: Wert und Einordnung durch die Praxis
- Fragen: zum Beispiel „Welcher Wert ist für mich das Ziel?“
- Ein kleiner vereinbarter Schritt: etwa täglicher Spaziergang oder süße Getränke ersetzen
- Nächste Kontrolle: wann und mit welchem Test
Wo sich die Quellen unterscheiden
Abkürzung DGE: Die Aussage, eine Lebensstiländerung senke das Diabetesrisiko um 40 bis 70 Prozent, stammt aus einer gemeinsamen Mitteilung der DDG und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). diabetesDE schreibt sie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu, die ebenfalls DGE abgekürzt wird. Gemeint ist die Endokrinologie-Gesellschaft.
Diagnostik: diabetesDE nennt konkrete Grenzwerte für Nüchternglukose, oGTT und HbA1c. Die DDG-Mitteilung nennt dieselben Tests ohne Zahlen, ergänzt aber den HOMA-Index zur Insulinresistenz, den diabetesDE nicht erwähnt.
Einteilung und Therapie: diabetesDE beschreibt sechs diskutierte Untergruppen mit unterschiedlichem Risiko und erwähnt, dass manchmal schon Medikamente verordnet werden. Die DDG-Mitteilung stellt die Lebensstiländerung und breite Risikotests in den Vordergrund.
Zusammenfassung
- Prädiabetes bedeutet erhöhte Blutzuckerwerte unterhalb der Diabetesgrenze.
- Etwa jeder fünfte Erwachsene ist betroffen, meist ohne Beschwerden.
- Die Diagnose stützt sich auf Laborwerte, nicht auf Heimgeräte oder Symptome.
- Jährlich entwickeln 5 bis 10 Prozent einen Typ-2-Diabetes, aber das ist nicht zwangsläufig.
- Bewegung, Gewichtsabnahme, ausgewogene Ernährung und Rauchstopp senken das Risiko deutlich.
- Medikamente sind eine individuelle ärztliche Entscheidung.
Häufige Fragen zu Prädiabetes
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie bekomme ich Prädiabetes wieder weg?
Vor allem mit einer langfristig gesünderen Lebensweise: moderate Gewichtsabnahme, mehr Bewegung, ausgewogene Ernährung und Rauchstopp. Die Werte können sich dadurch in wenigen Monaten normalisieren.
Was darf man nicht essen bei Prädiabetes?
Verbote gibt es nicht. Empfohlen wird, starke Blutzuckeranstiege zu vermeiden und damit Lebensmittel, die den Blutzucker besonders schnell steigen lassen. Wichtig ist eine dauerhaft durchhaltbare Umstellung statt einer Crashdiät.
Wie macht sich Prädiabetes bemerkbar?
Meist gar nicht. Prädiabetes verursacht in der Regel keine spürbaren Beschwerden und fällt oft erst bei einer Blutuntersuchung auf.
Kann Prädiabetes wieder verschwinden?
Ja, er kann sich zurückentwickeln. Mit einer Lebensstiländerung lässt sich das Diabetesrisiko nach den Fachgesellschaften um 40 bis 70 Prozent senken.
Reicht ein einzelner Wert vom Heimgerät?
Nein. Mit Teststreifen gemessene Werte sind für die Diagnose nicht geeignet. Entscheidend sind Labortests wie Nüchternglukose, oGTT oder HbA1c und ihre ärztliche Bewertung.
Bedeutet Prädiabetes zwangsläufig später Diabetes?
Nein. Das Risiko ist erhöht, jedes Jahr entwickeln 5 bis 10 Prozent einen Typ-2-Diabetes. Prädiabetes kann sich aber auch zurückbilden, vor allem mit Bewegung und Ernährungsumstellung.
Quellen
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie · Pressemitteilung: Prädiabetes – Typ-2-Diabetes beginnt Jahre vor Ausbruch schleichend (2024)
- diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe · Was ist Prädiabetes?
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
