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Gehirnerschütterung: Symptome und richtig handeln

Ein Sturz mit dem Fahrrad, ein Zusammenprall beim Fußball oder ein Ausrutscher auf der Treppe: Danach brummt der Kopf, einem ist übel, und an die Sekunden vor dem Aufprall fehlt die Erinnerung. Das können Zeichen einer Gehirnerschütterung sein. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de und der Deutschen Hirnstiftung, woran man eine Gehirnerschütterung erkennt, wann sofort Hilfe nötig ist und wie die Erholung gelingt.

Thema
Neurophysiologie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Bei einem Sturz oder Unfall kann sich der Kopf ruckartig bewegen oder aufschlagen. Das Gehirn, das im Schädel von Gehirnwasser umgeben ist, wird dabei durchgeschüttelt und kann gegen die Schädelwand stoßen. Nach dem IQWiG funktioniert es dann vorübergehend nicht mehr richtig. Fachleute sprechen von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma; Gehirnerschütterung ist der umgangssprachliche Begriff.

Häufige Ursachen sind Stürze, Sportverletzungen, Verkehrs-, Arbeits- oder Haushaltsunfälle und manchmal körperliche Gewalt. Ein höheres Risiko haben Menschen, die Kontaktsportarten wie Fußball oder Eishockey betreiben, sowie Kinder und ältere Menschen, weil sie häufiger stürzen. In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 200.000 Menschen wegen einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus behandelt.

Wie merkt man, ob man eine Gehirnerschütterung hat?

Die Beschwerden betreffen nach dem IQWiG mehrere Bereiche:

  • den Körper: Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichtsprobleme, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen
  • Wahrnehmung und Denken: Benommenheit, Verwirrtheit, verlangsamtes Handeln und Denken, Konzentrations- und Orientierungsprobleme
  • das Gedächtnis: Erinnerungslücken für die Zeit kurz vor, während oder nach dem Unfall, meist weniger als 24 Stunden lang
  • das Befinden: Gereiztheit, Ängstlichkeit und Schlafprobleme

Nicht alle Beschwerden müssen auftreten, und manche zeigen sich erst Stunden oder Tage später, zum Beispiel Schlafstörungen. Eine Bewusstlosigkeit ist keine Voraussetzung: Auch ohne Bewusstseinsverlust kann eine Gehirnerschütterung vorliegen.

Wann zum Arzt nach einem Stoß am Kopf?

Bei jedem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ist eine ärztliche Untersuchung wichtig. Schnelle Hilfe über den Notruf 112 ist nötig, wenn jemand bewusstlos war, auch nur kurz, sowie bei diesen Anzeichen:

  • Gedächtnisstörungen oder Orientierungslosigkeit, Unruhe, ungewöhnliches Verhalten
  • anhaltende, stärker werdende Kopfschmerzen
  • wiederholtes Erbrechen
  • starke Müdigkeit oder Benommenheit
  • unklares Sprechen oder Sehen, unterschiedlich große Pupillen
  • Krampfanfälle
  • Blutungen oder Flüssigkeit aus Ohr oder Nase, stark blutende Kopfwunden

Es muss dann geklärt werden, ob eine schwere Verletzung wie eine Hirnblutung vorliegt. Bei Kindern gelten zusätzliche Warnzeichen; Eltern sollten bei Auffälligkeiten nach einem Kopfstoß die Kinderarztpraxis oder die Notaufnahme aufsuchen.

Warum ältere Menschen besonders aufmerksam sein sollten

Die Deutsche Hirnstiftung weist darauf hin, dass ältere Menschen eine Risikogruppe für unfallbedingte Blutungen im Kopf sind. Sie haben durch Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes oft empfindlichere Blutgefäße, stürzen leichter und nehmen manchmal Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. Dann können schon kleinere Stöße am Kopf eine Hirnblutung auslösen.

Symptome können sich auch verzögert nach Stunden entwickeln, etwa wenn sich ein Bluterguss unter der Schädeldecke langsam vergrößert. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt und sich den Kopf stößt, sollte das deshalb ärztlich abklären lassen und dabei die Medikamente nennen.

Wie wird eine Gehirnerschütterung festgestellt?

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach dem Unfallhergang, nach den Beschwerden und ihrer Entwicklung und nach früheren Gehirnerschütterungen. War jemand bewusstlos oder fehlt die Erinnerung, können Augenzeugen wichtige Angaben machen. Anschließend werden unter anderem Gleichgewicht und Gang, Pupillen, Reflexe, Orientierung, Koordination und Sprache geprüft.

Eine Computertomografie kann eine Gehirnerschütterung nicht nachweisen. Sie wird nach dem IQWiG nur eingesetzt, wenn eine schwere Verletzung wie eine Hirnblutung ausgeschlossen werden soll, etwa bei besonders starken Beschwerden oder erhöhtem Risiko. Ein unauffälliges CT bedeutet also nicht, dass keine Gehirnerschütterung vorliegt. Oft wird man sicherheitshalber 24 Stunden im Krankenhaus beobachtet.

Was darf man bei einer Gehirnerschütterung nicht machen?

Das Gehirn braucht Zeit zur Erholung. In den ersten zwei Tagen empfiehlt das IQWiG viel Ruhe:

  • ausreichend schlafen
  • wenig körperliche und geistige Anstrengung
  • kaum äußere Reize: nicht lange aufs Smartphone sehen, keine Serien oder Filme, keine lauten Veranstaltungen
  • nicht allein zu Hause bleiben
  • Training oder Spiel bei Verdacht sofort beenden und nicht weiterspielen

Lassen die Beschwerden nicht nach oder verschlechtern sie sich, sollte man sich wieder ins Krankenhaus fahren lassen. Ruhe heißt aber nicht, tagelang im abgedunkelten Raum im Bett zu liegen: Nach der kurzen Erholungsphase geht es schrittweise zurück in den Alltag.

Wie kehre ich schrittweise zum Alltag zurück?

Nach ein bis zwei Tagen Erholung kann man nach dem IQWiG alltägliche Aktivitäten wie Hausarbeit und leichte Bewegung nach und nach wieder aufnehmen und steigern; auch Arbeit oder Schule sind dann wieder möglich. Entscheidend ist, auf den Körper zu hören: Kehren die Beschwerden zurück, braucht er wieder Pausen. Akute Kopfschmerzen oder Übelkeit lassen sich mit Medikamenten lindern.

Die Rückkehr zum Sport, besonders zu Kontaktsport, sollte ärztlich abgestimmt werden. Halten die Beschwerden länger an, können Rehabilitationsprogramme, Ausdauertraining oder eine kognitive Verhaltenstherapie helfen, ebenso Entspannungstechniken und das Meiden von Auslösern wie lauter Musik. Bei anhaltendem Schwindel kann auch eine andere Ursache dahinterstecken; mehr dazu im Ratgeber Lagerungsschwindel.

Ein Begleitblatt für Angehörige

Wer eine Person nach einem Kopfstoß begleitet, kann mit wenigen Notizen viel helfen. Das Blatt ersetzt keine ärztliche Untersuchung; bei Warnzeichen gilt immer der Notruf 112:

  • Uhrzeit und Hergang des Unfalls, war die Person bewusstlos und wie lange?
  • welche Beschwerden wann auftraten und ob sie zu- oder abnahmen
  • Erbrechen: wie oft und wann
  • alle Medikamente, besonders blutverdünnende, und was davon dem Rettungsdienst oder der Klinik mitgeteilt wurde
  • Anweisungen der Klinik für die nächsten Tage und wer erreichbar ist

Nach einer Kopfverletzung gehören Diagnose und Verlaufskontrolle in ärztliche Hände; eine Terminbuchung ersetzt bei Warnzeichen niemals den Notruf.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Die beiden Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, die sich nicht addieren lassen. Das IQWiG gibt an, dass jährlich mehr als 200.000 Menschen mit einer Gehirnerschütterung stationär behandelt werden. Die Deutsche Hirnstiftung spricht von über 270.000 Menschen pro Jahr mit leichten bis schweren Schädel-Hirn-Traumata, davon über 71.000 Kinder unter 15 Jahren; diese Zahl umfasst also auch schwerere Verletzungen.

Auch der Schwerpunkt ist verschieden: Das IQWiG beschreibt Verlauf, Ruhe und Rückkehr bei Erwachsenen, die Hirnstiftung konzentriert sich auf Kinder und ältere Menschen und auf verzögerte Blutungen. Zu Langzeitfolgen schreibt das IQWiG, eine Gehirnerschütterung hinterlasse normalerweise keine bleibenden Schäden; ob wiederholte Gehirnerschütterungen bei Sportlern etwa zu einer Demenz führen, sei unklar.

Zusammenfassung

  • Eine Gehirnerschütterung ist ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma nach einem Stoß oder Aufprall.
  • Typisch sind Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Übelkeit und Erinnerungslücken.
  • Bewusstlosigkeit und weitere Warnzeichen erfordern sofort den Notruf 112.
  • Ein CT kann eine Gehirnerschütterung nicht nachweisen, nur schwere Verletzungen ausschließen.
  • Nach ein bis zwei Tagen Ruhe wird der Alltag schrittweise wieder aufgenommen.
  • Nach 1 bis 3 Monaten sind etwa 85 Prozent wieder beschwerdefrei.

Häufige Fragen zur Gehirnerschütterung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie merkt man, ob man eine Gehirnerschütterung hat?

Typisch sind nach einem Stoß am Kopf Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Konzentrationsprobleme und Erinnerungslücken. Manche Beschwerden zeigen sich erst Stunden oder Tage später.

Was darf man bei einer Gehirnerschütterung nicht machen?

In den ersten zwei Tagen sollte man sich körperlich und geistig schonen, Bildschirme und laute Veranstaltungen meiden und nicht allein bleiben. Sport sollte man bei Verdacht sofort beenden.

Wie lange dauert eine Gehirnerschütterung, bis sie weg ist?

Meist gehen die Beschwerden über wenige Tage bis Wochen zurück. Nach 1 bis 3 Monaten sind etwa 85 Prozent der Betroffenen beschwerdefrei; manchmal halten Beschwerden länger an.

Wann zum Arzt nach Stoß am Kopf?

Bei jedem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Sofort den Notruf 112 wählen bei Bewusstlosigkeit, stärker werdenden Kopfschmerzen, wiederholtem Erbrechen, Verwirrtheit, Krampfanfällen oder Blut aus Ohr oder Nase.

Kann eine Gehirnerschütterung ohne Bewusstlosigkeit auftreten?

Ja. Viele Betroffene sind nicht bewusstlos, haben aber Kopfschmerzen, Benommenheit oder Erinnerungslücken. Auch dann ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

Wie kehre ich schrittweise zum Alltag zurück?

Nach ein bis zwei Tagen Ruhe Aktivitäten wie Hausarbeit, leichte Bewegung, Arbeit oder Schule langsam steigern. Kehren Beschwerden zurück, wieder Pausen einlegen; die Rückkehr zum Sport ärztlich abstimmen.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Gehirnerschütterung (IQWiG)
  2. Deutsche Hirnstiftung · Gehirnerschütterung: Kinder und ältere Menschen im Auge behalten

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.