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Spastik: Ursachen, Symptome und Behandlung

Nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose oder nach einer Rückenmarksverletzung werden Arme oder Beine bei vielen Betroffenen steif, die Bewegungen stocken, und manchmal schießen ungewollte Zuckungen ein. Das ist eine Spastik. Dieser Ratgeber erklärt nach der Deutschen Hirnstiftung und dem Universitätsklinikum Ulm, was eine Spastik ist und wodurch sie entsteht, woran man sie erkennt, welche Faktoren sie verstärken, welche Behandlungen es gibt, von Bewegungstherapie über Schienen bis zu Medikamenten und Injektionen, und wie man sich auf einen Termin vorbereitet. Eine Heilung versprechen die Quellen nicht; Ziel ist, Funktion, Schmerzen und Pflege zu verbessern.

Thema
Neurophysiologie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Spastik, einfach erklärt?

Bei einer Spastik sind Gelenke oder Körperabschnitte nach der Deutschen Hirnstiftung an den Muskeln steifer als normal. Die Bewegungen sind dadurch gestört. Typisch ist: Je schneller ein Gelenk bewegt wird, desto steifer wird es. Fachleute sprechen von einer spastischen Tonuserhöhung, also einer erhöhten Muskelspannung.

Spastische Lähmungen sind nach dem Universitätsklinikum Ulm die Folge einer Schädigung der Nervenbahnen im zentralen Nervensystem, die für die Kraftentwicklung zuständig sind, insbesondere der sogenannten Pyramidenbahn in Gehirn und Rückenmark. Die Ursache liegt also nicht im Muskel selbst, sondern in der Steuerung durch das Nervensystem.

Nach einer solchen Schädigung verändern sich nach der Hirnstiftung auch Nerven, Muskeln und Weichteile, wodurch sich etwa die elastischen Eigenschaften der Muskeln ändern. Eine Spastik hat deshalb immer mehrere Ursachen gleichzeitig.

Woran man eine Spastik erkennt

Neben der Steifigkeit gehören nach der Deutschen Hirnstiftung ungewollte Muskelbewegungen zum Bild einer Spastik:

  • rasche, unrhythmische Bewegungen (Spasmen)
  • rhythmische Zuckungen (Klonus)
  • ungewollte verkrampfte Haltungen (spastische Dystonie)
  • ungewollte langsame Mitbewegungen (spastische Synergien)

Oft kommen Schmerzen an betroffenen Muskeln oder Gelenken hinzu, außerdem Lähmungen und eine vorzeitige Erschöpfbarkeit der Muskeln. Typische Komplikationen sind zunehmende Verkürzungen von Muskeln und Weichteilen bis hin zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen der Gelenke (Kontrakturen) sowie erhebliche Hautschäden.

Nicht jede Steifigkeit und nicht jeder Muskelkrampf ist eine Spastik. Ob eine Spastik vorliegt, klärt die neurologische Untersuchung.

Ursachen: Schlaganfall, MS und andere Schädigungen

Spastik tritt nach der Deutschen Hirnstiftung häufig verzögert auf, wenn Regionen von Gehirn oder Rückenmark geschädigt wurden, zum Beispiel durch:

  • Schlaganfall
  • Multiple Sklerose
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Hirnschädigung nach Sauerstoffmangel
  • degenerative Erkrankungen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Rückenmarksschädigungen und Querschnittlähmung

Das Universitätsklinikum Ulm nennt zusätzlich Hirnblutungen und frühkindliche Hirnschäden (infantile Zerebralparese). Nach einem Schlaganfall haben nach der Hirnstiftung in den ersten drei Monaten 27 % der Betroffenen eine Spastik, später 43 %. Häufiger tritt sie auf, wenn die Lähmungen und Gefühlsstörungen stärker sind und die Betroffenen im Alltag deutlich eingeschränkt sind. Selten liegt einer Spastik eine erbliche Erkrankung zugrunde, etwa die hereditäre spastische Paraparese.

Beine, Arm und Hand: Formen nach Verteilung

Für die Behandlung ist nach der Deutschen Hirnstiftung wichtig, wie sich die Spastik über den Körper verteilt:

  • fokal: ein oder zwei eng benachbarte Bewegungsabschnitte, zum Beispiel Handgelenk, Fuß oder Zehen
  • segmental: mehrere Abschnitte einer Gliedmaße, zum Beispiel ein Spitzfuß mit gebeugtem Knie und gebeugter Hüfte
  • Paraspastik: beide Beine (oder beide Arme)
  • Tetraspastik: beide Arme und beide Beine

Bei einer Querschnittlähmung hängen Behandlungsschwerpunkte und erreichbare Ziele nach der Hirnstiftung von der Höhe der Rückenmarksschädigung und dem Ausmaß der Lähmung ab. Eine erhöhte Muskelspannung in den Beinen kann bei Lähmung beider Beine sogar dazu beitragen, dass Betroffene noch laufen können, wenn auch unsicher. Problematisch sind dagegen starke Spasmen, Muskelzuckungen und ungewollte Mitbewegungen.

Untersuchung und verstärkende Faktoren

Neben der körperlichen Untersuchung nennt die Deutsche Hirnstiftung spezielle Verfahren, etwa die Messung der Nervenleitfähigkeit, Computertomografie, Kernspintomografie, Blutwerte und gegebenenfalls eine Nervenwasseruntersuchung. Bei selteneren Ursachen können im Einzelfall genetische Untersuchungen helfen.

Wichtig ist auch der Blick auf Faktoren, die eine bestehende Spastik verstärken. Die Hirnstiftung nennt:

  • Bewegungseinschränkung und Schmerzen
  • emotionale Anspannung
  • Entzündungen und Infekte
  • Stuhl- oder Harndrang
  • Hautschäden
  • Thrombosen und Knochenbrüche

Solche Faktoren sollten nach der Hirnstiftung beseitigt oder behandelt werden, bevor eine spezielle medikamentöse Behandlung beginnt. Eine plötzliche Verschlechterung ist deshalb ein Grund für eine ärztliche Untersuchung.

Behandlung ohne Medikamente

Zu den nicht medikamentösen Behandlungen gehören nach der Deutschen Hirnstiftung:

  • Bewegungsübungen und Dehnungen betroffener Muskeln und Gelenke; besonders wichtig ist die passive Muskelstreckung zusätzlich zur Standardtherapie
  • gerätegestützte Therapie mit Lauf- und Bewegungsrobotern sowie Laufbandtherapie
  • Schienen, Verbände, Splints und Orthesen, die Muskelspannung und Muskellänge günstig beeinflussen und Kontrakturen vermeiden sollen
  • physikalische Maßnahmen wie Kälte, Wärme, Massagen und Elektrostimulation

Günstige Effekte haben nach der Hirnstiftung systematisches Arm-Basis-Training, häufige Wiederholungen und die Kombination mit Elektrostimulation. Für die Beine ist das Aufrichten die beste Mobilisationsform. Für Magnetstimulation und Stoßwellentherapie erlaubt die begrenzte Datenlage noch keine eindeutige Empfehlung für den Routineeinsatz.

Für Erwachsene, bei denen eine Reha ärztlich verordnet ist, bieten wir in unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao Bewegungstherapie nach diesen Vorgaben an (die Beratung findet auf Spanisch statt). Die neurologische Diagnose, Medikamente und Injektionen gehören in die Hand des neurologischen Behandlungsteams.

Medikamente und Injektionen

Für die Wahl eines Medikaments ist nach der Deutschen Hirnstiftung entscheidend, wo die Spastik auftritt und ob die Schädigung im Gehirn oder im Rückenmark liegt. Tabletten oder ein Spray mit muskelentspannender Wirkung sollten nur eingesetzt werden, wenn eine alltagsrelevante Spastik trotz passender nicht medikamentöser Maßnahmen nicht ausreichend kontrolliert ist. Von Tabletten profitieren nach der Hirnstiftung in der Regel Menschen mit Spastik beider Beine und nicht mobile Menschen mit ausgedehnter Spastik. Bei deutlichen Lähmungen ist die Wirkung begrenzt oder sogar ungünstig, weil diese Mittel die Lähmung verstärken können.

Medikamente, die im zentralen Nervensystem wirken, führen dosisabhängig relativ häufig zu Müdigkeit, Antriebsminderung oder Kraftverlust. Die Dosis wird deshalb vorsichtig und nur ärztlich angepasst. Die Verbesserungen sind messbar, werden im Alltag aber nicht immer wahrgenommen.

Bei fokaler Spastik hat eine Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin nach der Hirnstiftung ein besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis und sollte vor Tabletten eingesetzt werden. Das Medikament lässt Muskeln für einige Wochen bis Monate erschlaffen, indem es die Übertragung vom Nerv auf den Muskel blockiert. Je nach Ausmaß der Spastik kann damit nach dem Universitätsklinikum Ulm die Funktion der betroffenen Muskeln verbessert, Schmerz gelindert oder die Pflege erleichtert werden. Begleitende Physiotherapie, Schienen und Elektrostimulation können den Effekt verstärken.

Ziele festlegen: ein Blatt für den Termin

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von den Zielen ab: bessere Funktion, weniger Schmerzen oder leichtere Pflege. Ein kurzes Blatt für den neurologischen oder therapeutischen Termin kann helfen, diese Ziele konkret zu machen. Es ersetzt keine Messung der Muskelspannung, die gehört in die Untersuchung:

  • Alltag: Welche Tätigkeiten fallen schwer, etwa Anziehen, Greifen, Gehen oder Treppensteigen?
  • Schmerz: Wo, wann und wie stark?
  • Pflege: Was ist bei Lagerung, Körperpflege oder Transfers schwierig?
  • Veränderungen: Hat die Spastik in letzter Zeit zugenommen? Gab es Infekte, Verstopfung, Blasenprobleme, Hautstellen oder Stürze?
  • Bisherige Behandlung: welche Übungen, Schienen, Medikamente oder Injektionen, mit welchem Ergebnis

Die Einschätzung, ob eine Spastik vorliegt und welche Behandlung passt, trifft eine Neurologin oder ein Neurologe; das Blatt hilft, die eigenen Prioritäten in dieses Gespräch einzubringen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Ursachen: Die Deutsche Hirnstiftung nennt neben Schlaganfall, MS und Schädel-Hirn-Trauma auch degenerative Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Parkinson als Ursachen. Das Universitätsklinikum Ulm beschränkt sich auf Schädigungen der Pyramidenbahn, etwa nach Schlaganfall, Hirnblutung, Querschnittlähmung, frühkindlichen Hirnschäden, MS oder ALS.

Ziele der Injektionsbehandlung: Die Hirnstiftung betont, dass Injektionen bei fokaler Spastik Tabletten bei Wirksamkeit und Nebenwirkungen überlegen sind und spastikbedingte Schmerzen mindern. Das Universitätsklinikum Ulm formuliert die Ziele je nach Ausmaß der Spastik differenzierter: bessere Funktion bei den einen, Schmerzlinderung und leichtere Pflege bei den anderen.

Neuere Verfahren: Die Hirnstiftung beschreibt vielversprechende Ergebnisse mit Robotern und positive Effekte der Elektrostimulation, hält aber für Magnetstimulation und Stoßwellentherapie fest, dass die Datenlage noch keine Empfehlung für die Routine erlaubt.

Zusammenfassung

  • Spastik ist eine geschwindigkeitsabhängig erhöhte Muskelsteifigkeit nach Schädigung von Gehirn oder Rückenmark.
  • Dazu gehören oft Spasmen, Klonus, verkrampfte Haltungen, Schmerzen und Lähmungen; Komplikationen sind Kontrakturen und Hautschäden.
  • Häufige Ursachen sind Schlaganfall, Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma und Rückenmarksverletzungen.
  • Infekte, Schmerzen, Blasen- oder Darmprobleme und Hautschäden können eine Spastik verstärken und sollten zuerst behandelt werden.
  • Basis der Behandlung sind Übungen, Dehnung, Schienen und physikalische Maßnahmen; Medikamente und Injektionen kommen je nach Verteilung hinzu.
  • Ziele sind bessere Funktion, weniger Schmerz und leichtere Pflege; eine Heilung versprechen die Quellen nicht.

Häufige Fragen zur Spastik

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was ist Spastik einfach erklärt?

Bei einer Spastik sind Muskeln und Gelenke steifer als normal, weil die Steuerung durch Gehirn oder Rückenmark gestört ist. Je schneller man das Gelenk bewegt, desto steifer wird es. Oft kommen ungewollte Zuckungen, verkrampfte Haltungen und Schmerzen hinzu.

Ist Spastik eine Behinderung?

Eine Spastik kann Bewegungen und Alltag erheblich einschränken und bis zu dauerhaften Gelenkeinschränkungen führen; wie stark, ist sehr unterschiedlich. Sie betrifft die Nervenbahnen, die die Muskelkraft steuern, und ist nicht mit einer geistigen Behinderung gleichzusetzen. Ob und in welchem Grad eine Behinderung anerkannt wird, ist eine eigene, behördliche Frage.

Ist eine Spastik heilbar?

Die Quellen versprechen keine Heilung. Ziel der Behandlung ist nach dem Universitätsklinikum Ulm, je nach Ausmaß die Funktion der Muskeln zu verbessern, Schmerzen zu lindern oder die Pflege zu erleichtern. Übungen, Schienen, Medikamente und Injektionen können die Spastik verringern.

Was ist der Unterschied zwischen Muskelkrampf und Spastik?

Eine Spastik entsteht nach einer Schädigung von Gehirn oder Rückenmark und zeigt sich als dauerhaft erhöhte, geschwindigkeitsabhängige Muskelsteifigkeit, oft mit Spasmen und Lähmungen. Nicht jeder Krampf oder jede Steifigkeit ist deshalb eine Spastik; die Unterscheidung trifft die neurologische Untersuchung.

Welche Ziele kann eine Behandlung haben?

Bessere Funktion im Alltag, weniger Schmerzen, leichtere Pflege und das Vermeiden von Gelenkverkürzungen. Welche Ziele im Vordergrund stehen, hängt nach dem Universitätsklinikum Ulm vom Ausmaß der Spastik ab und wird gemeinsam mit dem Behandlungsteam festgelegt.

Wann sollte eine Verschlechterung untersucht werden?

Immer, wenn eine bekannte Spastik zunimmt. Nach der Deutschen Hirnstiftung können Schmerzen, Infekte, Stuhl- oder Harndrang, Hautschäden, Thrombosen oder Knochenbrüche eine Spastik verstärken. Diese Auslöser sollten erkannt und behandelt werden, bevor Medikamente angepasst werden.

Quellen

  1. Deutsche Hirnstiftung · Spastik richtig behandeln
  2. Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Neurologie · Botulinumtoxin-Therapie (Spastische Lähmungen)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.