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Aspirationspneumonie: Symptome, Risiken und Hilfe

Wenn Speisereste, Speichel oder Mageninhalt in die Atemwege gelangen, kann sich die Lunge entzünden. Fachleute sprechen dann von einer Aspirationspneumonie. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) und der Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Akuttherapie des Schlaganfalls, wer besonders gefährdet ist, woran man eine Lungenentzündung erkennt, wann sofort Hilfe nötig ist, wie die Schluckfunktion untersucht wird und was vorbeugen kann.

Thema
Logopädie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Aspirationspneumonie?

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine Entzündung der Lungenbläschen und des umgebenden Gewebes. Bei einer Aspirationspneumonie entsteht sie, weil Stoffe in die Atemwege gelangen, die dort nicht hingehören: Keime aus Mund und Rachen, Speisereste oder Mageninhalt. Die Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) definiert sie als Lungenentzündung, die durch das Verschlucken von Sekreten aus dem Mund und/oder von Mageninhalten verursacht wird.

Im Diagnoseschlüssel ICD-10 heißt sie „Pneumonie durch Nahrung oder Erbrochenes“ (J69.0). gesund.bund.de erklärt dazu: Die Atemwege oder das Lungengewebe können geschädigt werden, wenn Stoffe in die Lunge gelangen, und die Lunge entzündet sich.

Die Entzündung kann also durch die eingeatmeten Stoffe selbst und durch mitgerissene Keime entstehen. Welche Rolle beides im Einzelfall spielt, beurteilen Ärztinnen und Ärzte; davon hängt auch die Behandlung ab.

Wer ist besonders gefährdet?

Nach gesund.bund.de sind vor allem Menschen gefährdet,

  • die bettlägerig sind,
  • die zum Beispiel durch eine Demenz oder einen Schlaganfall Bewusstseinsstörungen haben,
  • die Probleme beim Schlucken haben.

Nach einem Schlaganfall haben sehr viele Betroffene eine Schluckstörung (Dysphagie). Sie kann nach der DGN zur Gefahr des Verschluckens und einer dadurch bedingten Lungenentzündung führen und verschlechtert nachweislich die Prognose. Mehr über Ursachen und Anzeichen von Schluckproblemen lesen Sie in unserem Ratgeber Schluckstörung.

Für Lungenentzündungen allgemein ist das Risiko bei Säuglingen und Menschen über 65 Jahren erhöht, ebenso bei geschwächtem Immunsystem, Lungen- oder Herzerkrankungen und bei Rauchern.

Wie äußert sich eine Aspirationspneumonie?

Durch die Entzündung in der Lunge können Atemnot, Husten und Fieber auftreten. Typische Anzeichen einer Lungenentzündung sind nach gesund.bund.de:

  • hohes Fieber und Schüttelfrost
  • Schwäche und starkes Krankheitsgefühl
  • Husten mit Auswurf
  • Atemnot und schnelle Atmung
  • schneller Puls

Es können aber auch nur einzelne oder untypische Beschwerden auftreten, etwa Durchfall, Bauchschmerzen oder Bewusstseinsstörungen. Das ist vor allem bei Kindern und älteren Menschen der Fall. Bei älteren Menschen kann eine Lungenentzündung zudem langsam und schleichend mit wenigen oder leichten Beschwerden beginnen. Gerade bei Angehörigen mit Schluckproblemen lohnt es sich daher, auf neue Verwirrtheit, Schwäche oder eine veränderte Atmung zu achten.

Wie schnell tritt eine Lungenentzündung nach dem Verschlucken auf?

Eine feste Zeitspanne nennen die genutzten Quellen nicht. Entscheidend ist deshalb nicht der Kalender, sondern wie sich die Person nach einem Verschlucken entwickelt.

Ist jedes Verschlucken eine Lungenentzündung? Nein. Husten ist ein natürlicher Schutzreflex, mit dem der Körper unter anderem Flüssigkeiten und Fremdkörper aus den Atemwegen befördert. Wer sich verschluckt, kräftig hustet und danach beschwerdefrei ist, hat nicht automatisch eine Lungenentzündung.

Kommt es nach einem Verschlucken oder Erbrechen jedoch zu Fieber, Atemnot, schneller Atmung, Husten mit Auswurf, starkem Krankheitsgefühl oder neuer Verwirrtheit, sollte rasch ärztlich untersucht werden. Teilen Sie dabei mit, wann und womit sich die Person verschluckt hat, ob sie erbrochen hat und ob bereits eine Schluckstörung, ein Schlaganfall oder eine Demenz bekannt ist.

Wie wird eine Lungenentzündung festgestellt?

Die Ärztin oder der Arzt hört die Lunge mit dem Stethoskop ab und misst Puls und Blutdruck. Häufig wird die Lunge geröntgt, um zu sehen, wo und wie ausgedehnt das Gewebe entzündet ist; manchmal folgt eine Computertomografie. Mit Ultraschall lassen sich Veränderungen im Randbereich der Lunge erkennen.

Blutuntersuchungen zeigen Entzündungswerte. Weil eine entzündete Lunge schlechter arbeitet, wird oft der Sauerstoffgehalt im Blut kontrolliert, auch ohne Blutentnahme mit einem Clip am Finger (Pulsoxymetrie). Blut, Urin und abgehusteter Schleim können im Labor auf Erreger untersucht werden.

Welche Untersuchungen nötig sind, hängt vom Einzelfall ab; nicht jede Person braucht jede Untersuchung.

Warum wird die Schluckfunktion untersucht?

Um eine erneute Aspiration zu verhindern, muss man wissen, ob und wie das Schlucken gestört ist. Nach einem Schlaganfall empfiehlt die Leitlinie ein frühes, formalisiertes Screening auf eine Schluckstörung bei allen Patientinnen und Patienten, möglichst innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme und in jedem Fall, bevor sie erstmals essen und trinken.

Für die Beurteilung gibt es standardisierte klinische Tests. Genauer lässt sich das Schlucken mit einer Videoendoskopie (FEES) oder einer Röntgen-Videountersuchung (Videofluoroskopie, VFSS) beurteilen; bei Aspirationsverdacht werden sie empfohlen. Daran sind mehrere Berufsgruppen beteiligt, darunter Sprach- und Schlucktherapeutinnen und -therapeuten.

Je nach Befund sollen Betroffene in den ersten Tagen nichts oder nur bestimmte Kostformen essen und trinken. Nahrung und Flüssigkeit werden in einer Form gegeben, die nach fachlicher Beurteilung sicher geschluckt werden kann; dafür kann vorübergehend auch eine Magensonde nötig sein. Besucher sollten deshalb keine eigenen Speisen oder Getränke mitbringen, ohne nachzufragen.

Wie wird eine Aspirationspneumonie behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der ärztlichen Beurteilung. Lungenentzündungen durch Bakterien werden in den meisten Fällen mit Antibiotika behandelt, abgestimmt auf die Art der Bakterien. Ob nach einer Aspiration Antibiotika nötig sind, entscheiden Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall.

Bei Sauerstoffmangel wird meist Sauerstoff über eine Nasenmaske gegeben, eine Beatmung ist seltener nötig. Bei schwerer Lungenentzündung wird zum Teil zusätzlich entzündungshemmendes Kortison gegeben. Hustenmittel aus der Apotheke, spezielle Atemgymnastik oder Physiotherapie werden bei einer Lungenentzündung nach gesund.bund.de nicht empfohlen.

Nach überstandener Lungenentzündung kann es Monate dauern, bis der Körper wieder belastbar ist; zu frühe Belastung kann Rückfälle oder Komplikationen begünstigen. Ist eine Schluckstörung die Ursache, wird sie gezielt weiterbehandelt. In unserer Praxis in Bilbao begleitet die Logopädie Erwachsene mit Schluckstörungen nach ärztlicher Abklärung; die Lungenentzündung selbst behandelt sie nicht (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wie gefährlich ist sie, und wie lässt sich vorbeugen?

Eine allgemeingültige Überlebenschance lässt sich nicht nennen. Lungenentzündungen können lebensbedrohliche Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Kreislaufversagen oder eine Sepsis verursachen. Das Risiko für Komplikationen ist unter anderem bei Menschen über 65 Jahren, bei geschwächtem Immunsystem, bei Vorerkrankungen von Herz oder Nieren, bei künstlicher Beatmung und bei Ansteckung im Krankenhaus erhöht. In Deutschland sterben jährlich über 20.000 Menschen an einer Lungenentzündung, meist ältere oder durch andere Erkrankungen geschwächte Personen.

Erneuter Aspiration wird individuell vorgebeugt, abhängig vom Ergebnis der Schluckuntersuchung. Allgemein gilt:

  • Schluckprobleme nach einem Schlaganfall oder bei Demenz ernst nehmen und fachlich abklären lassen
  • Essen und Trinken nur in der Form anbieten, die nach der Beurteilung sicher geschluckt werden kann; keine Kostformen auf eigene Faust einführen
  • bei erhöhtem Risiko die empfohlenen Schutzimpfungen gegen Pneumokokken, Grippe und COVID-19 ärztlich besprechen

Wo sich die Quellen unterscheiden

Blickwinkel: gesund.bund.de beschreibt die Aspirationspneumonie im Rahmen der Lungenentzündung allgemein und in einer kurzen Erklärung zum Diagnoseschlüssel J69.0. Die DGN-Patientenleitlinie behandelt sie nur am Rande, als Gefahr bei Schluckstörungen nach einem Schlaganfall.

Übertragbarkeit: Die Empfehlungen der DGN zum Schluckscreening und zur Kostform gelten für Menschen nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle anderen Situationen übertragen. Die Patientenleitlinie stammt von 2021 und war bis Mai 2024 gültig.

Behandlung: gesund.bund.de beschreibt die Behandlung der Lungenentzündung allgemein, vor allem mit Antibiotika bei bakterieller Ursache. Eigene Behandlungsempfehlungen speziell für die Aspirationspneumonie enthalten die genutzten Quellen nicht; diese Entscheidung bleibt ärztlich.

Zusammenfassung

  • Eine Aspirationspneumonie entsteht, wenn Sekrete aus Mund und Rachen, Speisereste oder Mageninhalt in die Lunge gelangen.
  • Besonders gefährdet sind bettlägerige Menschen und Menschen mit Bewusstseins- oder Schluckstörungen, etwa nach Schlaganfall oder bei Demenz.
  • Anzeichen sind Fieber, Husten, Atemnot und starkes Krankheitsgefühl; bei Älteren oft schleichend oder untypisch.
  • Nicht jedes Verschlucken führt zu einer Lungenentzündung, doch neue Beschwerden danach gehören rasch in ärztliche Hände.
  • Die Schluckfunktion wird untersucht, um erneute Aspiration zu vermeiden; Kostformen werden individuell festgelegt.
  • Die Behandlung bestimmen Ärztinnen und Ärzte; Logopädie hilft bei der Schluckstörung, nicht bei der Lungenentzündung selbst.

Häufige Fragen zur Aspirationspneumonie

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie äußert sich eine Aspirationspneumonie?

Wie andere Lungenentzündungen mit Atemnot, Husten und Fieber, oft mit Schüttelfrost, schneller Atmung und starkem Krankheitsgefühl. Bei älteren Menschen kann sie schleichend beginnen oder sich durch Verwirrtheit oder Schwäche zeigen.

Wie schnell tritt eine Lungenentzündung nach einer Aspiration auf?

Eine feste Zeitspanne nennen die genutzten Quellen nicht. Achten Sie nach einem Verschlucken oder Erbrechen auf Fieber, Atemnot, Husten oder ein starkes Krankheitsgefühl und lassen Sie solche Beschwerden rasch ärztlich untersuchen.

Wie hoch ist die Überlebenschance bei Aspirationspneumonie?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Das Risiko hängt stark von Alter, Vorerkrankungen und Schweregrad ab. Lungenentzündungen können lebensbedrohlich werden, besonders bei älteren oder geschwächten Menschen; deshalb ist eine frühe Behandlung wichtig.

Ist jedes Verschlucken eine Lungenentzündung?

Nein. Husten ist ein Schutzreflex, der Flüssigkeiten und Fremdkörper aus den Atemwegen befördert. Erst wenn danach Beschwerden wie Fieber oder Atemnot auftreten oder jemand wiederholt Schluckprobleme hat, ist eine Abklärung nötig.

Muss jede Aspiration mit Antibiotika behandelt werden?

Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Bakterielle Lungenentzündungen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. Nehmen Sie keine Antibiotika auf eigene Faust.

Wie lässt sich einer erneuten Aspiration vorbeugen?

Indem die Schluckfunktion fachlich untersucht wird und Essen und Trinken in der Form angeboten werden, die sicher geschluckt werden kann. Welche Kostform oder Hilfen geeignet sind, wird individuell festgelegt. Bei erhöhtem Risiko können Schutzimpfungen sinnvoll sein.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · ICD-10-Code J69.0: Pneumonie durch Nahrung oder Erbrochenes
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Lungenentzündung (Pneumonie)
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurologie · Patientenleitlinie Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls (PDF, 2021)
  4. Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich) · Husten: Arten, Ursachen und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.