Was ist eine Aphasie?
Eine Aphasie ist nach dem dbl eine erworbene zentrale Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns entsteht. Erworben bedeutet: Die Betroffenen konnten vorher sprechen und Sprache verstehen. Nach gesund.bund.de können sich etwa das Sprechtempo, die Wortbildung oder der Wortschatz verändern, und auch das Verständnis gesprochener oder geschriebener Sprache kann eingeschränkt sein.
Alle Ebenen der Sprache können betroffen sein: die Laute, der Wortschatz, die Bedeutung und der Satzbau. Beeinträchtigt sein können sowohl das Verstehen als auch das Sprechen, das Lesen und das Schreiben, je nach Schweregrad so stark, dass sie kaum noch möglich sind. Nach dem Bundesverband Aphasie beruht der Sprachverlust meist auf einer Schädigung der linken Großhirnhälfte.
Wie entsteht eine Aphasie?
Bei Erwachsenen ist nach dem dbl eine Durchblutungsstörung des Gehirns, also ein Schlaganfall, in mehr als 80 Prozent der Fälle die Ursache. Weitere Ursachen sind:
- Schädel-Hirn-Verletzungen, etwa nach Unfällen
- Hirntumoren
- Entzündungen des Gehirns
- Sauerstoffmangel
- Epilepsie in seltenen Sonderformen
- Abbauprozesse des Gehirns
Nach Schätzungen des dbl erleiden in Deutschland jedes Jahr etwa 80.000 Menschen nach einem Schlaganfall eine Aphasie. Die Sprachstörung tritt meist plötzlich auf und hat häufig weitreichende Folgen für Familie, Freundeskreis und Beruf. Auch Kinder und Jugendliche können eine Aphasie erwerben; für ihre Eltern nennt der dbl eigene Beratungsangebote, etwa den Schlaganfall-Kinderlotsen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.
Was sind die Symptome einer Aphasie?
Der dbl und der Bundesverband Aphasie beschreiben unter anderem:
- Wortfindungsstörungen, Satzabbrüche und Umschreibungen
- vertauschte, ausgelassene oder hinzugefügte Laute, etwa Tefelon statt Telefon
- verwechselte Wörter mit ähnlicher Bedeutung, etwa Stuhl statt Tisch
- einen verkürzten Satzbau im Telegrammstil oder flüssige, aber ineinander verschachtelte Sätze
- Schwierigkeiten, Gesagtes oder Geschriebenes zu verstehen, obwohl das Hören intakt ist
- Fehler beim Lesen und Schreiben, die denen beim Sprechen ähneln
- Sprachautomatismen, feste Floskeln oder ungewolltes Wiederholen von Wörtern
Oft fällt es schwer, im Gespräch abzuwechseln oder rechtzeitig etwas beizutragen, bevor das Thema wechselt. Das Wissen darüber, wie man Gespräche führt, bleibt nach dem dbl aber in der Regel selbst bei schweren Aphasien erhalten. Viele Betroffene bemerken ihre Fehler anfangs nicht: Sie denken geordnet, sprechen aber durcheinander.
Welche Arten von Aphasie gibt es?
Der Bundesverband Aphasie unterscheidet vier klassische Formen:
- Globale Aphasie: die schwerste Form; Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben sind stark beeinträchtigt, eine sprachliche Verständigung ist kaum möglich
- Broca-Aphasie: mühsames, stockendes Sprechen im Telegrammstil, das Verstehen ist häufig weniger gestört
- Wernicke-Aphasie: das Verstehen ist deutlich gestört, die Sprache fließt überschießend, mit verwechselten Lauten und Wörtern und schwer verständlichem Inhalt
- Amnestische Aphasie: vor allem Wortfindungsstörungen bei gut erhaltenem Verstehen, Lesen und Schreiben
Diese Einteilung hilft bei der Orientierung, doch nicht jede Aphasie passt genau in eine der vier Gruppen. Welche Bereiche betroffen sind, hängt nach gesund.bund.de unter anderem davon ab, welche Hirnregionen geschädigt sind. Logopädinnen und Logopäden beschreiben deshalb das individuelle Störungsbild auf allen sprachlichen Ebenen.
Aphasie, Dysarthrie, Demenz: was ist der Unterschied?
Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst gestört. Bei einer Dysarthrie ist nach gesund.bund.de dagegen das Sprechvermögen wegen einer Nervenschädigung gestört: Lippen, Zunge, Kehlkopf und Atmung arbeiten nicht richtig zusammen, die Sprechweise kann verlangsamt, undeutlich oder in der Lautstärke verändert sein. Beides kann nach derselben Hirnschädigung gemeinsam vorkommen.
Eine Aphasie ist keine Demenz. Der Bundesverband Aphasie betont, dass sie eine Sprach- und keine Denkstörung ist; inneres Denken und allgemeines Wissen bleiben meist erhalten. Allerdings kann die Hirnschädigung zusätzliche Einschränkungen verursachen, etwa bei Aufmerksamkeit, räumlicher Orientierung, Rechnen oder beim Planen von Handlungen. Wenn sich die Sprache langsam über Monate verschlechtert, gehört das ärztlich abgeklärt, denn auch Abbauprozesse des Gehirns können eine Aphasie verursachen. Mehr zu anderen Stimm- und Sprechproblemen lesen Sie im Ratgeber Stimmverlust, zu Schluckproblemen nach einem Schlaganfall unter Schluckstörung.
Ist Aphasie heilbar?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Nach dem dbl bildet sich eine Aphasie nach einem Schlaganfall bei mehr als einem Drittel der Betroffenen nicht vollständig zurück. Bei den übrigen bildet sie sich demnach vollständig zurück. Der Bundesverband Aphasie beschreibt, dass viele Betroffene über Jahre daran arbeiten, ihre Sprachfähigkeiten zurückzugewinnen.
Ansprechpartner sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, Neurologinnen und Neurologen sowie Logopädinnen und Logopäden. Nach einem Schlaganfall geht es nach gesund.bund.de in der Rehabilitation in der Regel darum, Muskelkraft, Beweglichkeit und Sprachvermögen zu stärken und emotional wieder stabiler zu werden. Wie schnell und wie weit sich die Sprache erholt, ist individuell verschieden.
Wie kann ich ein Gespräch unterstützen?
Menschen mit Aphasie haben nach dem dbl weiterhin Gedanken, Wünsche, Erfahrungen und Wissen, die sie mitteilen möchten. Gesprächspartner können dabei helfen:
- eine ruhige Umgebung ohne Zeitdruck schaffen
- offen sein für Gesten, Bilder, Zeichnungen und Geschriebenes
- bei Bedarf kurze, einfache Sätze verwenden und schwierige Wörter meiden
- bei Unklarheit nachfragen, etwa mit Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können
- nicht in Babysprache verfallen
- in Gesprächen mit anderen nur unterstützen, wenn das gewünscht ist
Der Verlust der eigenen Sprache ist seelisch schwer zu verarbeiten. Nach dem Bundesverband Aphasie werden viele Betroffene niedergeschlagen oder verzweifelt, und soziale Einsamkeit ist eine häufige Folge. Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen und Angehörigen Rat und Austausch.
Eine Kommunikationskarte für Arzt- und Therapietermine
Eine kleine Karte kann helfen, die eigenen Wünsche bei Terminen sichtbar zu machen. Wichtig: Die Person mit Aphasie entscheidet, was darauf steht, und Angehörige füllen sie nur mit ihrer Zustimmung aus. Mögliche Felder:
- So verstehe ich am besten: langsam sprechen, aufschreiben, Bilder zeigen
- So kann ich mich am besten ausdrücken: zeigen, schreiben, Ja-Nein-Fragen, Gesten
- Bitte nicht: für mich antworten, Sätze ungefragt beenden, laut werden
- Das ist mir gerade am wichtigsten: zum Beispiel telefonieren, einkaufen, mit Enkeln sprechen, wieder lesen
- Diese Person darf mich im Gespräch unterstützen
Die Karte ersetzt keine logopädische Diagnostik, gibt aber dem Gegenüber in kurzer Zeit wichtige Hinweise und stärkt die Selbstbestimmung.
In unserer Praxis für Logopädie in Bilbao können Erwachsene nach ärztlicher Abklärung eine Orientierung zu ihren sprachlichen Schwierigkeiten und zu möglichen Übungen erhalten (die Beratung findet auf Spanisch statt). Plötzliche Sprachstörungen sind dagegen immer ein Notfall für den Notruf 112, kein Fall für einen Praxistermin.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Beim Anteil des Schlaganfalls an den Ursachen nennen die Quellen leicht unterschiedliche Werte: der dbl mehr als 80 Prozent bei Erwachsenen, der Bundesverband Aphasie etwa 85 Prozent. Beide bezeichnen den Schlaganfall als Hauptursache.
Unterschiedlich ist auch der Zugang zu den Formen. Der Bundesverband Aphasie beschreibt vier klassische Syndrome. Der dbl ordnet die Symptome dagegen nach sprachlichen Ebenen wie Lauten, Wortschatz, Grammatik und Schriftsprache, ohne feste Gruppen. gesund.bund.de beschränkt sich auf den Hinweis, dass es verschiedene Arten gibt. Für Betroffene bedeutet das: Die Formbezeichnung ist eine grobe Orientierung, die genaue Beschreibung der eigenen Schwierigkeiten ist für die Therapie wichtiger. Der Bundesverband betont zudem, Aphasie sei keine Denkstörung, nennt aber zugleich mögliche Begleiteinschränkungen etwa bei Orientierung und Rechnen, die auf die Hirnschädigung zurückgehen.
Zusammenfassung
- Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung nach einer Hirnschädigung, meist einem Schlaganfall.
- Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben können unterschiedlich stark betroffen sein.
- Klassisch unterscheidet man globale, Broca-, Wernicke- und amnestische Aphasie.
- Aphasie ist keine Denkstörung und keine Demenz; die Dysarthrie betrifft die Sprechmotorik.
- Nach einem Schlaganfall bleibt bei mehr als einem Drittel eine Aphasie bestehen.
- Plötzliche Sprachstörungen sind ein Notfall: sofort 112 wählen.
Häufige Fragen zur Aphasie
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was sind die Symptome von Aphasie?
Typisch sind Wortfindungsstörungen, vertauschte Laute oder Wörter, ein veränderter Satzbau und Probleme, Gesagtes oder Geschriebenes zu verstehen. Auch Lesen und Schreiben können ähnlich gestört sein wie das Sprechen.
Welche 4 Arten von Aphasie gibt es?
Klassisch unterscheidet man die globale Aphasie, die Broca-Aphasie, die Wernicke-Aphasie und die amnestische Aphasie. Nicht jede Aphasie passt genau in eine dieser Gruppen.
Ist Aphasie heilbar?
Nach einem Schlaganfall bildet sich eine Aphasie bei einem Teil der Betroffenen vollständig zurück, bei mehr als einem Drittel aber nicht. Viele arbeiten über Jahre daran, ihre Sprache zurückzugewinnen. Der Verlauf ist individuell.
Ist Aphasie eine Form von Demenz?
Nein. Aphasie ist eine Sprachstörung, keine Denkstörung; Denken und Wissen bleiben meist erhalten. Allerdings können auch Abbauprozesse des Gehirns eine Aphasie auslösen, daher sollte eine langsam zunehmende Sprachstörung ärztlich abgeklärt werden.
Bedeutet Aphasie einen Verlust der Intelligenz?
Nein. Menschen mit Aphasie haben weiterhin Gedanken, Wünsche, Erfahrungen und Wissen. Ihnen fehlt der sprachliche Zugang, um sie auszudrücken oder Gesagtes zu verstehen.
Wie kann ich ein Gespräch unterstützen, ohne die Person zu bevormunden?
Sprechen Sie in Ruhe, nutzen Sie Gesten, Bilder und Geschriebenes und fragen Sie bei Unklarheit nach. Vermeiden Sie Babysprache, und antworten Sie nicht ungefragt für die Person. Was hilft, bespricht man am besten mit ihr selbst.
Quellen
- Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl) · Aphasie
- Bundesverband Aphasie · Aphasie
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Aphasie
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Dysarthrie
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schlaganfall: Symptome und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
