Was ist eine Zerrung?
Bei einer Muskelzerrung entstehen nach dem IQWiG kleinste Verletzungen innerhalb der Muskelfasern. Diese Mikroverletzungen sind weder im Ultraschall noch in der MRT sichtbar, führen aber dazu, dass der Muskel schlechter funktioniert. Nach der Techniker wurde beim gezerrten Muskel die Elastizitätsgrenze überschritten.
Muskelverletzungen machen grob geschätzt ein Drittel aller Sportverletzungen aus; meist handelt es sich um leichtere Verletzungen wie eine Zerrung. Besonders gefährdet sind die Muskeln vorne und hinten am Oberschenkel sowie an der Wade. Die Oberschenkelmuskeln führen beim Laufen über Hüfte und Knie gleichzeitig gegensätzliche Bewegungen aus: Die Hüfte wird gestreckt, während das Knie gebeugt wird, und umgekehrt.
Wie finde ich heraus, ob ich eine Zerrung habe?
Eine Zerrung macht sich direkt bei der Bewegung bemerkbar, meist beim Sport. Typisch sind nach beiden Quellen:
- krampfartige, ziehende Schmerzen
- eine zunehmende schmerzhafte Verhärtung des Muskels, vor allem bei weiterer Belastung
- Spannungsgefühl und Druckempfindlichkeit
- Schmerzen bei Dehnung und fehlende Muskelkraft
- der Impuls, das Bein auszuschütteln oder zu dehnen
Im Unterschied dazu tritt ein Muskelkater erst ein bis zwei Tage nach der Anstrengung auf. Die Techniker weist darauf hin, dass manche eine Zerrung zunächst für einen Muskelkater halten, der einfach nicht nachlassen will.
Zerrung oder Muskelfaserriss?
Der Übergang ist fließend. Bei einem Muskelfaserriss reißen viele Muskelzellen und ein oder mehrere Muskelfaserbündel, häufig am Übergang von Muskel zu Sehne. Hinweise auf einen Riss sind nach dem IQWiG:
- ein plötzlicher stechender Schmerz wie Nadel- oder Messerstiche
- das unwillkürliche Abbrechen der Aktivität, weil der Muskel nicht mehr belastbar ist
- oft ein hörbares Reißgeräusch
- Schmerzen, die bei Druck oder Dehnung zunehmen; manchmal ein sichtbarer Bluterguss
- bei tiefen oder vollständigen Rissen kann das Bein nachgeben
Bei besonders tiefen Rissen spricht man von einem Muskelbündelriss, bei vollständiger Durchtrennung von einem Muskelriss. Oft sind auch Blutgefäße verletzt.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Zerrung entsteht, wenn ein Muskel überlastet oder überdehnt wird, etwa bei einer schnellen, plötzlichen oder unkontrollierten Bewegung. Bei raschem Beschleunigen, abruptem Abbremsen und schnellen Richtungswechseln wirken besonders starke Kräfte; Sportarten wie Fußball oder Tennis sind daher besonders riskant. Risikofaktoren sind nach dem IQWiG:
- nicht ausreichend trainierte Muskulatur, etwa bei neuen Bewegungsmustern
- ermüdete Muskulatur, zum Beispiel am Ende des Trainings oder einer Saison
- eine frühere Muskelverletzung, besonders aus den letzten vier Wochen
- höheres Alter
Nach der Techniker ist ein zu wenig aufgewärmter oder erschöpfter Muskel die Hauptursache für Zerrungen.
Wie bekomme ich schnell eine Zerrung weg? Die PECH-Regel
Einen Trick, der eine Zerrung schnell verschwinden lässt, gibt es nicht. Um Schmerzen zu lindern und größere Blutungen im Muskel zu verhindern, haben sich vier Sofortmaßnahmen bewährt:
- P wie Pause: das Bein ein bis zwei Tage nicht belasten.
- E wie Eis: die Stelle wiederholt kühlen, etwa mit Kühlkompresse oder Gel-Pack; gefrorene Packs in ein Tuch wickeln.
- C wie Compression: einen Druckverband oder eine elastische Bandage anlegen.
- H wie Hochlagern: das Bein über Herzhöhe lagern.
Gegen Schmerzen können für wenige Tage frei verkäufliche Schmerzmittel helfen; wer sie länger braucht oder unsicher ist, lässt sich in Arztpraxis oder Apotheke beraten. Vorsicht: Schmerzmittel unterdrücken das Warnsignal Schmerz, deshalb dann besonders behutsam bewegen.
Ist Bewegung bei Zerrung gut? Soll man sie massieren?
Ja, nach der kurzen Ruhepause. Zerrungen heilen normalerweise von allein. Das IQWiG rät, das Bein nicht zu lange ruhigzustellen und je nach Schwere nach etwa zwei bis fünf Tagen mit mobilisierenden Übungen zu beginnen. Wichtig ist, dass die Bewegungen nahezu schmerzfrei sind; ein leichtes Ziehen ist kein Problem. Hören Sie auf, wenn Schmerzen auftreten, die darüber hinausgehen, und überdehnen Sie den Muskel nicht.
Soll man eine Zerrung massieren? Die Quellen empfehlen keine Massage. Dehnen und kräftiges Bearbeiten des frisch verletzten Muskels sollten Sie meiden, denn zu frühe, zu starke Belastung kann gerade verheilte Strukturen erneut reißen lassen. Für Salben, Bandagen, Kinesio-Tape, Laser, Ultraschall oder Elektrostimulation gibt es nach dem IQWiG nicht genug gute Studien, um einen Nutzen zu belegen; ob Spritzen mit Blutbestandteilen den Wiedereinstieg beschleunigen, ist unklar, und Kortisonspritzen in den Muskel werden nicht empfohlen.
Wann muss eine Zerrung ärztlich untersucht werden?
Bessern sich die Schmerzen nach einigen Tagen nicht oder besteht der Verdacht auf eine schwerere Verletzung, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach dem Unfallhergang, tastet den Muskel ab, achtet auf Bluterguss, Schwellung, Verhärtung oder eine Delle und vergleicht Kraft und Beweglichkeit mit der gesunden Seite. Manchmal folgen Ultraschall oder MRT, um einen Riss oder Verletzungen von Sehnen oder Knochen auszuschließen.
Eine seltene, ernste Komplikation ist das Kompartmentsyndrom: Blut sammelt sich in einer Muskelloge, der Druck steigt und schädigt Muskel, Gefäße und Nerven. Der Muskel ist geschwollen, hart und sehr schmerzhaft, manchmal mit Kribbeln oder Taubheit. Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente nehmen, haben ein erhöhtes Risiko. Ein Kompartmentsyndrom muss operiert werden. Sonst ist eine Operation nur selten nötig, etwa bei sehr tiefen oder vollständigen Rissen.
Wann darf ich wieder Sport treiben?
Wie lange die Heilung dauert, hängt vor allem vom Ausmaß der Verletzung ab. Das IQWiG nennt als Richtwerte:
- Zerrung: heilt bei guter Versorgung gewöhnlich innerhalb einer Woche; nach ein bis zwei Tagen sind oft leichte Übungen oder lockeres Joggen schmerzfrei möglich.
- kleinerer Muskelfaserriss: meist etwa zwei Wochen; leichtes Bewegungstraining nach etwa einer Woche.
- Muskelbündelriss oder Verletzung von Sehne oder Bindegewebshülle: meist vier bis sechs Wochen bis zur vollen Belastbarkeit, manchmal länger.
Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern die Funktion: Größere Belastungen und Sport sind wieder möglich, wenn sich der verletzte Muskel schmerzfrei genauso dehnen und bewegen lässt wie der gesunde. Die Belastung wird schrittweise gesteigert, mit Übungen für Kraft, Beweglichkeit, Rumpfstabilität und Körpergefühl. Nach der Techniker kann ein gezerrter Muskel, der weiter belastet wird, ernsthafter verletzt werden, bis hin zum Muskelfaserriss.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Pausendauer: Die Techniker (Stand 05.05.2023) nennt je nach Schwere drei bis sechs Wochen ohne Sport und beim Muskelfaserriss auch einmal zehn Wochen. Das IQWiG (erstellt am 31.05.2023) gibt deutlich kürzere Richtwerte für die Zerrung an und betont die frühe, behutsame Mobilisation. Hier wurden die IQWiG-Richtwerte übernommen; beide Quellen sind sich einig, dass der Muskel bei Alltagsbelastung schmerzfrei sein muss, bevor man wieder mehr belastet.
Diagnostik: Die Techniker schreibt, ein Ultraschall könne genau zeigen, ob der Muskel nur gezerrt oder stärker verletzt ist; laut IQWiG sind die Mikroverletzungen einer Zerrung im Ultraschall nicht sichtbar, Ultraschall dient eher dem Ausschluss eines Risses.
Perspektive: Die Techniker schreibt aus Sicht des Fußballs, das IQWiG allgemein.
Zusammenfassung
- Eine Zerrung entsteht durch Überlastung oder Überdehnung, meist an Oberschenkel oder Wade.
- Sofort: Pause, Eis, Kompression, Hochlagern.
- Nach zwei bis fünf Tagen behutsam und nahezu schmerzfrei bewegen; nicht dehnen oder kräftig massieren.
- Sport erst, wenn der Muskel schmerzfrei wie der gesunde funktioniert.
- Reißgeräusch, nachgebendes Bein, großer Bluterguss oder fehlende Besserung: ärztlich abklären.
- Vorbeugen: gut aufwärmen, neue Bewegungen langsam einüben, bei Ermüdung rechtzeitig pausieren.
Wenn eine schwere Verletzung ausgeschlossen ist, begleitet die Physiotherapie unserer Praxis in Bilbao Erwachsene beim schrittweisen Belastungsaufbau nach einer Zerrung (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Häufige Fragen zur Zerrung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie bekomme ich schnell eine Zerrung weg?
Einen Schnellweg gibt es nicht. Sofort helfen Pause, Kühlen, Kompression und Hochlagern; danach fördern behutsame, nahezu schmerzfreie Bewegungen die Heilung.
Ist Bewegung bei Zerrung gut?
Ja, nach ein bis zwei Tagen Pause. Je nach Schwere beginnt man nach zwei bis fünf Tagen mit mobilisierenden Übungen, die nahezu schmerzfrei sein sollten.
Wie finde ich heraus, ob ich eine Zerrung habe?
Typisch sind krampfartige Schmerzen und eine zunehmende Verhärtung direkt bei der Bewegung. Ein stechender Schmerz, ein Reißgeräusch oder ein Bluterguss sprechen eher für einen Riss.
Soll man eine Zerrung massieren?
Die Quellen empfehlen keine Massage. Den frisch verletzten Muskel nicht dehnen oder kräftig bearbeiten, damit er nicht erneut verletzt wird.
Wann muss eine Zerrung ärztlich untersucht werden?
Wenn die Schmerzen nach einigen Tagen nicht besser werden oder Zeichen eines Risses bestehen. Starke Schmerzen mit praller Schwellung und Kribbeln sind ein Notfall.
Wann darf ich wieder Sport treiben?
Wenn sich der Muskel schmerzfrei genauso dehnen und bewegen lässt wie der gesunde. Bei einer Zerrung ist das oft nach etwa einer Woche der Fall.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · IQWiG, gesundheitsinformation.de: Muskelzerrung und Muskelfaserriss
- Techniker Krankenkasse: Muskelzerrung – die Zeit heilt überspannte Muskeln
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
