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Muskelfaserriss: Symptome, Behandlung und Heilung

Ein Sprint, ein abrupter Stopp, und plötzlich sticht es im Oberschenkel oder in der Wade: Muskelfaserrisse gehören zu den häufigsten Sportverletzungen. Meist heilen sie folgenlos aus, brauchen aber Zeit und die richtige Belastung. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de und des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité, woran man einen Muskelfaserriss erkennt, wie er sich von Zerrung und Muskelriss unterscheidet, was als Erste Hilfe sinnvoll ist und wie lange die Heilung dauert.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist ein Muskelfaserriss?

Muskeln bestehen aus einzelnen Muskelfasern, die sich zu Faserbündeln und schließlich zum ganzen Muskel zusammensetzen. Wird ein Muskel überlastet, können Fasern überdehnen und reißen. Bei einem Muskelfaserriss reißen eine oder mehrere Fasern; nach der Charité ist häufig sogar ein ganzes Faserbündel betroffen.

Muskelfaserrisse gehören zu den häufigsten Sportverletzungen; grob geschätzt machen Muskelverletzungen ein Drittel aller Sportverletzungen aus, meist allerdings leichtere wie eine Zerrung. Typisch betroffen sind Skelettmuskeln, etwa der Beinbeuger an der Rückseite des Oberschenkels.

Zerrung, Faserriss oder Muskelriss?

Die Charité unterscheidet drei Schweregrade, wobei die Begriffe je nach Quelle etwas unterschiedlich verwendet werden:

  • Muskelzerrung: Die kleinsten Funktionseinheiten des Muskels werden überdehnt; der Muskel verhärtet sich, anfangs ohne deutliche Bewegungseinschränkung.
  • Muskelfaserriss: Eine oder mehrere Fasern oder ein Faserbündel reißen; plötzlicher starker Schmerz und eingeschränkte Beweglichkeit.
  • Muskelriss: Ein ganzes Muskelbündel oder der Muskel reißt; abrupter starker Schmerz und ausgeprägter Verlust der Beweglichkeit, manchmal mit sichtbarer Furche.

Bei der Zerrung nehmen die Schmerzen eher im Verlauf zu, vom Ziehen bis zu krampfartigen Schmerzen. Der Faserriss beginnt dagegen typischerweise schlagartig. Wie stark der erste Schmerz ist, sagt allein noch nicht sicher, wie schwer die Verletzung ist.

Wie weiß ich, ob ich einen Muskelfaserriss habe?

Typische Zeichen sind nach gesund.bund.de:

  • ein plötzlicher, stechender Schmerz, der anhält
  • die Muskelpartie lässt sich kaum noch belasten
  • oft ein hörbares Reißgeräusch
  • stärkere Schmerzen bei Druck auf die Stelle oder beim Dehnen
  • eine Delle oder Schwellung und manchmal ein sichtbarer Bluterguss
  • eine Schonhaltung, etwa Humpeln

Bei tiefen Rissen oder wenn der Muskel ganz durchtrennt ist, kann das Bein nachgeben, und es kommt zum Sturz.

Wie entsteht ein Muskelfaserriss?

Ursache ist eine Überforderung des Muskels. Nach der Charité entstehen Faser- und Muskelrisse meist durch eine plötzliche Anspannung bei starker Belastung, etwa durch häufiges Beschleunigen und Abbremsen oder schnelle Richtungswechsel. Gefährdet sind deshalb Sportarten wie Fußball, Tennis oder Rugby. Seltener sind Schläge oder Unfälle die Ursache.

Das Risiko erhöhen nach gesund.bund.de zu intensives Training, ermüdete Muskeln, fehlendes oder mangelhaftes Aufwärmen, geringe Dehnbarkeit, frühere Muskelverletzungen und ein höheres Alter. Die Charité nennt außerdem eine geringe Fitness.

Was ist direkt nach der Verletzung sinnvoll?

Als Erste Hilfe empfehlen Ärztinnen und Ärzte die PECH-Regel:

  • Pause: die sportliche Aktivität sofort beenden
  • Eis: mit einem kalten Umschlag kühlen, nicht mit Eis direkt auf der Haut
  • Compression: einen Druckverband anlegen
  • Hochlagern: das verletzte Körperteil hochlegen

Diese Maßnahmen sollen Blutungen im Gewebe und Schwellungen verringern. Gegen Schmerzen können für wenige Tage frei verkäufliche Schmerzmittel eingenommen werden. Massagen an einer frisch verletzten, geschwollenen Stelle sind ohne ärztliche Einschätzung nicht ratsam.

Was macht der Arzt bei einem Muskelfaserriss?

Bei Verdacht ist eine hausärztliche oder sportmedizinische Praxis die erste Anlaufstelle. Gefragt wird, wann der Schmerz auftrat und ob das Bein noch belastbar ist. Meist lässt sich ein Muskelfaserriss an den typischen Beschwerden erkennen. Bei der körperlichen Untersuchung wird geprüft, ob eine Schwellung oder eine Gewebelücke vorliegt, die auf einen kompletten Muskelriss hindeuten kann.

Manchmal wird ein Ultraschall oder ein MRT gemacht, um die Diagnose abzusichern oder Verletzungen von Sehnen oder Knochen auszuschließen. An der Charité gehört ein Ultraschall zur Bestimmung von Lage und Ausmaß zur Routine, ein MRT nur in manchen Fällen. Nicht jeder Muskelfaserriss braucht also ein MRT.

Wie wird ein Muskelfaserriss behandelt?

Zerrungen und Faserrisse werden in der Regel konservativ behandelt und heilen normalerweise von selbst. Nach der Ruhepause ist es sinnvoll, mit angepassten Bewegungen zu beginnen und den Muskel nicht zu lange ruhigzustellen. Die Bewegungen sollten nahezu schmerzfrei möglich sein; ein leichtes Ziehen ist kein Problem. Manchmal wird an eine Physiotherapie überwiesen, die bei der Regeneration und der Vorbeugung erneuter Verletzungen unterstützen kann.

Salben, Bandagen, Tapes oder Therapien mit eigenem Blut und Gewebe werden oft angeboten. Ob sie die Heilung beschleunigen oder Schmerzen lindern, lässt sich nach gesund.bund.de mangels guter Studien nicht sagen. Mehr zum Tapen lesen Sie im Ratgeber Knie tapen. Eine Operation ist nur selten nötig, etwa bei einem sehr tiefen oder vollständigen Muskelriss oder einem drohenden Kompartmentsyndrom.

Wie lange dauert es, bis ein Muskelfaserriss geheilt ist?

Je nach Schwere dauert es 2 bis 6 Wochen, manchmal auch länger, bis der Muskel wieder voll belastbar ist. Wer zu früh wieder Sport treibt, riskiert eine erneute Verletzung. Diese Zeitangaben sind Durchschnittswerte und keine Freigabe: Wann Training und Wettkampf wieder möglich sind, sollte eine Fachperson individuell beurteilen. Für das Gespräch hilft eine kurze Übersicht:

  • wie es passiert ist: Sprint, Stopp, Richtungswechsel, Schlag
  • welche Bewegungen und Alltagsaufgaben eingeschränkt sind
  • welche Sportart und welches Trainingspensum Sie anstreben
  • frühere Muskelverletzungen an derselben Stelle
  • Befunde von Ultraschall oder MRT, falls vorhanden

Nach ärztlicher Einschätzung begleiten wir in unserer Praxis in Bilbao den Wiederaufbau mit Physiotherapie (die Beratung findet auf Spanisch statt). Vorbeugend helfen ein an die eigene Leistungsfähigkeit angepasstes Training und gründliches Aufwärmen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei den Begriffen setzen die Quellen unterschiedliche Grenzen. gesund.bund.de spricht von einer Zerrung, wenn es bei der Dehnung der Fasern bleibt, und von einem Faserriss, wenn einzelne oder mehrere Fasern reißen. Die Charité unterscheidet ausdrücklich drei Stufen und bezeichnet erst den Riss eines ganzen Muskelbündels als Muskelriss.

Auch bei der Diagnostik gibt es Unterschiede. gesund.bund.de beschreibt Ultraschall oder MRT als gelegentliche Ergänzung, wenn die Diagnose abgesichert oder andere Verletzungen ausgeschlossen werden sollen. Im Spezialzentrum der Charité ist der Ultraschall fester Bestandteil der Untersuchung, das MRT kommt dort nur in manchen Fällen hinzu.

Zusammenfassung

  • Beim Muskelfaserriss reißen eine oder mehrere Fasern durch Überlastung.
  • Typisch ist ein plötzlicher, stechender Schmerz mit eingeschränkter Belastbarkeit.
  • Erste Hilfe nach PECH: Pause, Eis, Kompression, Hochlagern.
  • Die Diagnose gelingt meist klinisch; Bildgebung nur bei Bedarf.
  • Die Heilung dauert 2 bis 6 Wochen, manchmal länger.
  • Wann Sport wieder möglich ist, sollte eine Fachperson beurteilen.

Häufige Fragen zum Muskelfaserriss

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie lange dauert es, bis ein Muskelfaserriss geheilt ist?

Je nach Schwere 2 bis 6 Wochen bis zur vollen Belastbarkeit, manchmal länger. Ein zu früher Wiedereinstieg in den Sport erhöht das Risiko einer erneuten Verletzung.

Wie weiß ich, ob ich einen Muskelfaserriss habe?

Typisch ist ein plötzlicher, stechender Schmerz bei Belastung, oft mit Reißgeräusch, Druckschmerz, Schwellung oder Bluterguss. Sicher feststellen kann es eine ärztliche Untersuchung.

Was darf man bei einem Muskelfaserriss nicht machen?

Nicht weiter trainieren, kein Eis direkt auf die Haut, keine Massage einer frisch geschwollenen Stelle und den Muskel nicht zu lange ruhigstellen. Auch zu früh wieder Sport zu treiben, ist ungünstig.

Was macht der Arzt bei einem Muskelfaserriss?

Er fragt nach dem Hergang, untersucht den Muskel auf Schwellung oder Gewebelücke und veranlasst bei Bedarf einen Ultraschall oder ein MRT, um andere Verletzungen auszuschließen.

Braucht jeder Muskelfaserriss ein MRT?

Nein. Meist reichen die typischen Beschwerden und die Untersuchung. Ultraschall oder MRT kommen hinzu, wenn die Diagnose abgesichert oder ein kompletter Riss ausgeschlossen werden soll.

Wann ist Physiotherapie sinnvoll?

Nach der ersten Ruhephase und ärztlicher Einschätzung, um den Muskel schrittweise wieder zu belasten und einer erneuten Verletzung vorzubeugen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Muskelfaserriss: Behandlung und Vorbeugung
  2. Muskelverletzungen (Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.