Wann ist der Blutzucker zu hoch?
Von einer Überzuckerung (Hyperglykämie) spricht das IQWiG, wenn der Blutzucker über 7,8 mmol/l (140 mg/dl) liegt; die Übergänge sind fließend. Grund ist meist, dass Insulin fehlt oder nicht ausreichend wirkt, sodass sich der Zucker im Blut sammelt. Bei Typ-2-Diabetes wirkt die abgegebene Insulinmenge nicht mehr ausreichend.
Typ-2-Diabetes wird nach diabinfo.de zu großen Teilen durch Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Rauchen begünstigt. Umgekehrt bilden Ernährungsumstellung und Bewegung die Basis der Behandlung. Zu Beginn der Erkrankung reicht diese Basis oft aus, sodass keine Medikamente nötig sind. Welcher Zielwert und welche Therapie für Sie gelten, legt das Behandlungsteam fest.
Wie fühlt man sich, wenn der Blutzucker zu hoch ist?
Oft gar nicht: Eine Überzuckerung kann nach dem IQWiG jahrelang ohne Beschwerden bestehen. Ein stark erhöhter Blutzucker kann aber folgende Symptome verursachen:
- starkes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Antriebsschwäche
- Übelkeit und Schwindel
Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, kann es zu Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit kommen (diabetisches Koma). Treten die Beschwerden längere Zeit oder immer wieder auf, sollten Sie ärztlichen Rat suchen; sie können ein Hinweis auf Diabetes sein.
Wann braucht hoher Blutzucker medizinische Hilfe?
Es hilft, zwei Situationen zu unterscheiden:
- Langfristig senken: Erhöhte Werte bei Routinemessungen oder ein steigender Langzeitwert (HbA1c) ohne akute Beschwerden. Hier wirken Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und, wenn verordnet, Medikamente über Wochen und Monate, abgestimmt mit dem Behandlungsteam.
- Rasch ärztlich klären: anhaltender starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Schwindel oder ausgeprägte Müdigkeit bei hohen Werten.
- Notfall: Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit: Notruf 112.
Wasser trinken oder Sport ersetzt bei akuten Beschwerden keine ärztliche Behandlung. Was baut Zucker schnell ab, und wie bekommt man ihn am schnellsten aus dem Körper? Bewegung senkt den Blutzucker zwar unmittelbar, ist aber kein Notfallmittel; bei Insulin oder bestimmten Tabletten kann sie sogar eine Unterzuckerung auslösen.
Kann Bewegung langfristig helfen?
Ja. Jede körperliche Aktivität führt nach diabinfo.de dazu, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird; dadurch sinkt der Blutzucker. Regelmäßige Bewegung verbessert zudem die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin, sodass noch mehr Zucker in die Zellen gelangt. Mittelfristig kann so auch der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) sinken.
Mit einem langfristigen Programm nach den WHO-Empfehlungen können manche Menschen mit Typ-2-Diabetes ihre Werte so stark senken, dass sie keine blutzuckersenkenden Medikamente mehr brauchen. Bewegung stärkt außerdem Herz und Kreislauf, senkt den Blutdruck und unterstützt eine Gewichtsabnahme.
Wie viel und welche Bewegung?
- mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche bei mittlerer Intensität, etwa 3- bis 4-mal 30 bis 60 Minuten; mittlere Intensität heißt: Sprechen ist noch möglich
- mindestens 2-mal pro Woche Krafttraining für die großen Muskelgruppen
- Ausdauer zum Beispiel mit zügigem Gehen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen
- Bewegung im Alltag: Treppe statt Aufzug, kurze Wege zu Fuß oder mit dem Rad
- langes Sitzen möglichst alle 30 Minuten kurz unterbrechen
- ab 40 Jahren zusätzlich Gleichgewicht und Koordination üben, etwa mit Yoga oder Tai-Chi
Jede Bewegung zählt; auch 10 oder 20 Minuten haben positive Effekte. Wer lange pausiert hat, sollte sich vor dem Einstieg ärztlich beraten lassen. Bei einer diabetischen Augenerkrankung sind intensives Krafttraining und Kampfsport zu meiden; bei Nervenschäden und Übergewicht sind Schwimmen, Wassergymnastik oder Radfahren schonender.
Muss ich alle Kohlenhydrate meiden?
Nein. Nach diabinfo.de gibt es nicht die eine Ernährungsweise bei Typ-2-Diabetes; mediterrane, pflanzenbetonte oder moderat kohlenhydratreduzierte Formen können sich eignen. Entscheidend ist, was sich dauerhaft im Alltag umsetzen lässt. Kohlenhydrate sollten bevorzugt stammen aus:
- Vollkornprodukten mit hohem Anteil an ganzen Körnern
- stärkearmem Gemüse wie Blattgemüse, Kohl, Paprika, Zucchini, Tomaten oder Gurken
- zuckerarmem Obst wie Äpfeln, Birnen, Beeren oder Zitrusfrüchten
- Hülsenfrüchten, mindestens einmal pro Woche
Empfohlen werden mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich; sie lassen den Blutzucker langsamer ansteigen. Weißmehlprodukte, Süßigkeiten, gesüßte Getränke und fettreiche Fertigprodukte sollten selten gegessen werden; Fachgesellschaften empfehlen höchstens 50 Gramm freien Zucker am Tag. Lebensmittel mit niedrigem glykämischem Index sind günstiger; auch Zubereitung und Beilagen beeinflussen den Anstieg. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind nicht nötig.
Was kann man trinken? Helfen Zimt oder Essig?
Zuckergesüßte Getränke sollten nach diabinfo.de möglichst gemieden und durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzt werden. Auch Fruchtsäfte enthalten freien Zucker. Wasser senkt einen hohen Blutzucker aber nicht gezielt und ersetzt bei Beschwerden keine Behandlung.
Zu Hausmitteln wie Zimt oder Essig machen die hier genutzten Quellen keine Empfehlung. Ihre Basis bleiben Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und, wenn nötig, Medikamente. Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine verordnete Therapie.
Gewicht, Fasten und Unterzuckerung: darf ich Medikamente absetzen?
Bei Übergewicht verbessert eine Gewichtsabnahme die Blutzuckerwerte deutlich. Manche Menschen, vor allem wenn der Diabetes noch nicht lange besteht, normalisieren ihre Werte so weit, dass keine Medikamente mehr nötig sind (Remission); ob das dauerhaft gelingt, ist bisher unklar. Crash-Diäten führen meist zum Jo-Jo-Effekt.
Darf ich Medikamente absetzen? Nein, nicht selbst. Wer Insulin spritzt oder bestimmte Tabletten nimmt, braucht bei Gewichtsabnahme, Intervallfasten, Hafertagen oder mehr Sport eine enge ärztliche Kontrolle, weil die Dosis angepasst werden muss. Beim Sport gilt: Blutzucker vor, während und nach dem Training messen, denn Unterzuckerungen können noch Stunden später auftreten; Traubenzucker oder Saft griffbereit haben. Anzeichen einer Unterzuckerung sind nach dem IQWiG unter anderem schneller Puls, kalter Schweiß, Blässe, Zittern, Heißhunger, Unruhe und Konzentrationsstörungen bis zur Verwirrtheit.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Gleicher Herausgeber: Die beiden Seiten von diabinfo.de (Bewegung, Stand 12.06.2023; Ernährung, Stand 19.04.2024) stammen aus einem Portal und sind keine unabhängigen Quellen. Sie richten sich an Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Ergänzung: Die Grenzwerte und Beschwerden bei Über- und Unterzuckerung stammen aus der Gesundheitsinformation des IQWiG (aktualisiert am 18.10.2023).
Grenzen: Keine der Quellen bewertet Hausmittel wie Zimt oder Essig, und keine verspricht eine dauerhafte Heilung: Ob eine Remission anhält, ist laut diabinfo.de offen.
Zusammenfassung
- Bewegung und Ernährung sind die Basis, um den Blutzucker langfristig zu senken.
- Jede Bewegung zählt; ideal sind Ausdauer plus Krafttraining und weniger Sitzen.
- Kohlenhydrate nicht verbannen, sondern aus Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchten und zuckerarmem Obst wählen.
- Gesüßte Getränke durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzen.
- Mit Insulin oder bestimmten Tabletten Änderungen nur ärztlich begleitet; Medikamente nie selbst absetzen.
- Starke Beschwerden ärztlich klären, Bewusstseinsstörungen sind ein Notfall.
In unserer Praxis in Bilbao unterstützt die Ernährungsberatung Erwachsene mit erhöhtem Blutzucker oder Typ-2-Diabetes bei der Umstellung im Alltag, in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Häufige Fragen zum Blutzucker senken
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was baut Zucker schnell ab?
Körperliche Aktivität bringt Zucker aus dem Blut in die Zellen und senkt den Blutzucker. Bei Insulin oder bestimmten Tabletten kann das aber eine Unterzuckerung auslösen; bei starken Beschwerden ist ärztliche Hilfe nötig.
Wie fühlt man sich, wenn der Blutzucker zu hoch ist?
Oft gar nicht. Stark erhöhte Werte können starken Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Antriebsschwäche, Übelkeit und Schwindel verursachen, sehr hohe Werte Bewusstseinsstörungen.
Was kann man trinken, um den Blutzucker zu senken?
Wasser oder ungesüßten Tee statt gesüßter Getränke und Säfte. Ein Getränk, das hohen Blutzucker gezielt senkt, nennen die Quellen nicht.
Wie bekomme ich am schnellsten Zucker aus dem Körper?
Einen sicheren Schnellweg gibt es nicht. Langfristig helfen Bewegung, Ernährung und Gewichtsabnahme; akute Beschwerden bei hohen Werten gehören in ärztliche Hände.
Muss ich alle Kohlenhydrate meiden?
Nein. Günstig sind ballaststoffreiche Kohlenhydrate aus Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchten und zuckerarmem Obst; Weißmehl und freier Zucker sollten selten sein.
Darf ich Medikamente absetzen?
Nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Wenn die Werte durch Lebensstiländerungen sinken, wird die Therapie ärztlich angepasst.
Quellen
- diabinfo.de: Bewegung bei Diabetes Typ 2
- diabinfo.de: Diabetes Typ 2 – Ernährung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · IQWiG, gesundheitsinformation.de: Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
