Wie äußert sich eine Muskelschwäche?
Unter Muskelschwäche versteht man im Alltag, dass Muskeln nicht mehr die gewohnte Kraft aufbringen. Fachlich werden verschiedene Formen unterschieden. Das IQWiG beschreibt Muskelschwäche (Myasthenie) als Zustand, bei dem die Muskulatur bei Belastung ungewöhnlich schnell ermüdet; sie kann bei verschiedenen Erkrankungen des Nervensystems auftreten, bei denen die Übertragung der Nervensignale an den Muskel gestört ist.
Bei Erkrankungen des Muskels selbst (Myopathien) zeigt sich die Schwäche nach der Deutschen Hirnstiftung zum Beispiel so:
- beim Gehen, etwa mit hinkendem Gangbild
- die Arme lassen sich nicht mehr über den Kopf heben
- gestörte Fingerfertigkeit oder schwache Fußheber
- Schwierigkeiten, vom Stuhl aufzustehen oder selbstständig vom Boden hochzukommen, was Angehörige oft früh bemerken
- im Verlauf Muskelschwund, örtlich begrenzt oder am ganzen Körper
Ist Müdigkeit dasselbe wie Muskelschwäche?
Nicht unbedingt. Allgemeine Müdigkeit oder Erschöpfung nach Anstrengung ist etwas anderes als eine Schwäche, bei der ein Muskel eine Bewegung tatsächlich nicht mehr schafft. Hilfreich ist die Frage: Fühle ich mich schlapp, oder gelingt eine bestimmte Bewegung objektiv nicht mehr, etwa Treppensteigen, das Heben der Arme oder das Halten einer Tasse?
Kann Muskelschwäche bei Belastung wechseln? Ja. Bei Störungen der Nervenübertragung ist nach dem IQWiG gerade das schnelle Ermüden unter Belastung typisch. Bei Myopathien nennt die Deutsche Hirnstiftung als charakteristisch eine Schwäche ohne und nach Belastung. Ob die Kraft im Tagesverlauf oder bei wiederholten Bewegungen nachlässt, ist deshalb eine wichtige Beobachtung für die Ärztin oder den Arzt.
Bei welcher Krankheit werden die Muskeln schwächer?
Die Liste möglicher Ursachen ist lang, und Muskelschwäche bedeutet nicht automatisch eine Muskelerkrankung. Zu den Gruppen, die die verwendeten Quellen nennen, gehören:
- Störungen der Signalübertragung vom Nerv auf den Muskel bei verschiedenen Erkrankungen des Nervensystems (IQWiG).
- Myopathien: Es gibt nach der Deutschen Hirnstiftung mehr als 800 bekannte Ursachen. Häufig liegt eine genetische Veranlagung vor, etwa bei erblichen Muskeldystrophien.
- Entzündliche Muskelerkrankungen, die durch Immunreaktionen entstehen.
- Toxische Myopathien durch Medikamente, Alkohol oder andere Gifte.
- Stoffwechselstörungen, hormonelle Ungleichgewichte oder andere den ganzen Körper betreffende Erkrankungen.
- Schlaganfall: Hier fällt die Kraft plötzlich aus, meist auf einer Körperseite (gesund.bund.de).
Erbliche Myopathien treten nach der Deutschen Hirnstiftung häufig bei jüngeren Menschen auf, oft sind weitere Familienmitglieder betroffen. Weltweit haben schätzungsweise 2 bis 5 Prozent der Menschen eine erworbene oder erbliche Myopathie, in Deutschland etwa 500.000.
Wann muss ich sofort Hilfe holen?
Warum ist der Beginn so wichtig? Weil eine plötzlich einsetzende Schwäche auf einen Notfall hinweisen kann. Bei einem Schlaganfall ist nach gesund.bund.de in der Regel nur eine Körperseite betroffen: Arm und Bein derselben Seite lassen sich nicht mehr richtig bewegen; typisch sind Lähmungen und Sprachstörungen, manchmal starke Kopfschmerzen. Bei jedem Verdacht sollte man schnell den Notruf 112 wählen und keinesfalls abwarten, ob die Beschwerden wieder verschwinden. Auch kurze Ausfälle, die von selbst vergehen, können einem Schlaganfall vorausgehen.
Ebenfalls sofort Hilfe holen sollten Sie, wenn zur Muskelschwäche Atemnot oder Schwierigkeiten beim Schlucken kommen. Nach der Deutschen Hirnstiftung können Muskelerkrankungen auch die Atmung beeinträchtigen.
Eine Karte für den Arzttermin: Beginn, Seite, Verlauf
Wenn kein Notfall vorliegt, hilft eine kurze Notiz, damit die Ärztin oder der Arzt die Schwäche schneller einordnen kann. Tests zu Hause ersetzen keine Untersuchung; es geht nur um Beobachtungen:
- Beginn: plötzlich, über Tage oder schleichend über Monate?
- Seite: eine Körperseite, beide Seiten, nur ein Arm oder Bein?
- Muster: eher rumpfnah (Aufstehen, Arme heben) oder an Händen und Füßen (Fingerfertigkeit, Fußheber)?
- Verlauf über den Tag: stärker nach Belastung oder abends, besser nach Ruhe?
- Weitere Funktionen: Sprechen, Schlucken, Atmen, Sehen, Gefühlsstörungen, Schmerzen, Muskelschwund?
- Umfeld: neue Medikamente, Alkoholkonsum, bekannte Muskelerkrankungen in der Familie, Vorerkrankungen.
Die Beobachtungen der Betroffenen und ihrer Angehörigen sind nach der Deutschen Hirnstiftung für die Diagnose wichtig.
Wie wird Muskelschwäche abgeklärt? Braucht jeder ein EMG?
Eine Myopathie kann nach der Deutschen Hirnstiftung in aller Regel durch die körperliche Untersuchung einer Neurologin oder eines Neurologen festgestellt werden. Unterstützend können eingesetzt werden:
- eine Elektromyographie (EMG), die die elektrische Aktivität der Muskeln misst
- eine Ultraschalluntersuchung der Muskulatur
- eine Magnetresonanztomografie (MRT)
- eine Muskelgewebeprobe
- Blutuntersuchungen, einschließlich genetischer Diagnostik
Braucht jeder ein EMG? Nein. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt von Befund und Verdacht ab. Bei erblichen Formen sollte nach der Deutschen Hirnstiftung in Rücksprache mit der Neurologin oder dem Neurologen genetisch getestet und eine Spezialsprechstunde für neuromuskuläre Erkrankungen aufgesucht werden.
In unserer Praxis in Bilbao bieten wir Erwachsenen eine allgemeine Erstberatung zu neurophysiologischen Fragen an (die Beratung findet auf Spanisch statt); mehr über den Bereich Neurophysiologie finden Sie auf der Leistungsseite. Ob und welche Untersuchung sinnvoll ist, wird im Einzelfall ärztlich entschieden.
Welcher Mangel löst Muskelschwäche aus?
Die hier verwendeten Quellen nennen keinen einzelnen Nährstoffmangel als typische Ursache. Die Deutsche Hirnstiftung führt Stoffwechselstörungen und hormonelle Ungleichgewichte als mögliche Ursachen von Myopathien auf. Beweist Muskelschwäche einen Vitaminmangel? Nein. Ein Mangel kann nur durch eine ärztliche Untersuchung mit Blutwerten festgestellt werden.
Nehmen Sie deshalb nicht auf Verdacht Nahrungsergänzungsmittel ein und setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, auch wenn Sie sie als Auslöser vermuten. Sprechen Sie den Verdacht in der Praxis an.
Was kann man gegen Muskelschwäche machen?
Das hängt von der Ursache ab. Myopathien werden nach der Deutschen Hirnstiftung je nach Ursache medikamentös und ergänzend mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie individuell behandelt. Für viele Formen gibt es noch keine Heilung, die Beschwerden lassen sich aber oft lindern. Der Verlauf ist meist langsam fortschreitend, aber individuell verschieden; Alter bei Beginn und Begleiterkrankungen spielen eine Rolle.
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung mit Muskeltraining, auch im höheren Alter, zeigen nach der Deutschen Hirnstiftung positive vorbeugende Effekte bei allen Myopathien. Bei einer bekannten Erkrankung sollte das Training aber mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden, statt es ohne Abklärung zu steigern oder abzubrechen.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Begriff: Das IQWiG verwendet „Muskelschwäche (Myasthenie)“ im engeren Sinn für schnelles Ermüden unter Belastung bei gestörter Nervenübertragung. Die Deutsche Hirnstiftung beschreibt dagegen Muskelerkrankungen (Myopathien), bei denen der Muskel selbst geschädigt ist, mit Schwäche ohne und nach Belastung. Beides sind Teilbereiche; nicht jede Muskelschwäche ist eine Myopathie.
Umfang: Das IQWiG bietet nur eine kurze Begriffserklärung. Diagnostik und Behandlung stammen von der Deutschen Hirnstiftung und beziehen sich auf Myopathien.
Notfall: Die Hinweise zum Schlaganfall stammen von gesund.bund.de (Stand 16.12.2022, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG).
Zusammenfassung
- Muskelschwäche hat viele mögliche Ursachen, von Störungen der Nervenübertragung über Muskelerkrankungen bis zum Schlaganfall.
- Plötzliche Schwäche einer Körperseite oder Sprachstörungen: sofort 112.
- Atemnot oder Schluckprobleme mit Muskelschwäche sind ebenfalls ein Notfall.
- Für die Abklärung zählen Beginn, betroffene Seite, Muster und Verlauf unter Belastung.
- Die Diagnose stellt meist die Neurologie; EMG, Ultraschall, MRT, Gewebeprobe und Blutuntersuchungen werden je nach Befund ergänzt.
- Keine Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht, Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
Häufige Fragen zur Muskelschwäche
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie äußert sich eine Muskelschwäche?
Zum Beispiel durch Probleme beim Gehen, beim Aufstehen vom Stuhl, beim Heben der Arme über den Kopf, durch gestörte Fingerfertigkeit oder schwache Fußheber. Manche Formen zeigen sich vor allem durch schnelles Ermüden unter Belastung.
Bei welcher Krankheit werden die Muskeln schwächer?
Unter anderem bei Erkrankungen des Nervensystems mit gestörter Nervenübertragung, bei erblichen oder erworbenen Muskelerkrankungen (Myopathien), bei Muskelentzündungen, durch Medikamente oder Alkohol, bei Stoffwechsel- und Hormonstörungen und plötzlich bei einem Schlaganfall.
Welcher Mangel löst Muskelschwäche aus?
Die hier verwendeten Quellen nennen keinen einzelnen Mangel als typische Ursache. Ob ein Mangel vorliegt, lässt sich nur ärztlich mit Blutwerten klären; Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht sind nicht sinnvoll.
Was kann man gegen Muskelschwäche machen?
Zuerst die Ursache abklären lassen. Je nach Ursache kommen Medikamente sowie Physio-, Ergo- und Logopädie infrage. Ausgewogene Ernährung und Bewegung mit Muskeltraining wirken bei Myopathien vorbeugend positiv.
Braucht jeder ein EMG?
Nein. Die Diagnose beginnt mit der körperlichen Untersuchung; ein EMG und andere Tests werden je nach Befund und Verdacht ergänzt.
Wann muss ich sofort Hilfe holen?
Bei plötzlicher Schwäche oder Lähmung einer Körperseite, bei Sprachstörungen sowie bei Atemnot oder Schluckproblemen. Dann sofort den Notruf 112 wählen.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Glossar: Muskelschwäche
- Deutsche Hirnstiftung: Muskelerkrankungen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schlaganfall: Symptome und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
