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Nacken und Kopfschmerzen: Ursachen und was hilft

Der Nacken ist steif, und der Kopf schmerzt mit: Diese Kombination kennen viele, besonders nach langen Tagen am Schreibtisch. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de, wie Nacken- und Kopfschmerzen zusammenhängen können, welche Warnzeichen rasch abgeklärt werden sollten, was Sie selbst tun können, welche Behandlungen wie gut untersucht sind und wie Sie Ihre Beschwerden für ein Arztgespräch ordnen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Kann man von Nackenschmerzen auch Kopfschmerzen bekommen?

Ja, das ist möglich. Nach dem IQWiG kann zum Beispiel langes Sitzen am Schreibtisch, oft in ungünstiger Haltung und mit dauernd leicht angespannten Muskeln, zu Schmerzen und Steifheit im Nacken- und Schulterbereich führen und manchmal auch zu Kopfschmerzen.

Außerdem gibt es Nackenschmerzen, die entlang von Nervenbahnen ausstrahlen, zum Beispiel in den Hinterkopf oder bis in einen Arm. Fachleute sprechen dann von radikulären Schmerzen. Sie entstehen meist durch gereizte Nerven, etwa wenn eine veränderte Bandscheibe der Halswirbelsäule auf einen Nerv drückt.

Umgekehrt können Nackenschmerzen auch eine Begleiterscheinung starker Kopfschmerzen sein, ebenso von entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule oder Problemen im Kiefergelenk. Nicht immer ist also der Nacken der Ausgangspunkt.

Kommen alle Kopfschmerzen vom Nacken?

Nein. Die häufigste Kopfschmerzform sind Spannungskopfschmerzen: dumpfe, drückende, leichte bis mittelstarke Schmerzen, oft im ganzen Kopf oder wie ein zu enger Ring um den Schädel. Anders als der Name vermuten lässt, sind Muskelverspannungen nach dem IQWiG nicht die typische Ursache von Spannungskopfschmerzen; warum sie entstehen, ist nicht bekannt.

Migräne, Spannungs- und Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den primären Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen, die nicht Folge einer anderen Erkrankung sind. Ein verspannter Nacken bei Kopfschmerzen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Nacken die Ursache ist.

Kann Migräne mit Nackenschmerzen einhergehen? Die genutzte IQWiG-Information zur Migräne erwähnt den Nacken nicht. Allgemein können Nackenschmerzen aber als Begleiterscheinung starker Kopfschmerzen auftreten. Bei Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Lichtempfindlichkeit sollten Sie ärztlichen Rat suchen.

Was verursacht Nackenschmerzen?

Akute Nackenschmerzen sind weit verbreitet: Fast die Hälfte aller Menschen hat laut Umfragen einmal im Jahr damit zu tun, Frauen öfter als Männer. Mögliche Ursachen sind:

  • eine schwache Halsmuskulatur und Überlastung, etwa durch langes Sitzen, Arbeiten mit in den Nacken gelegtem Kopf oder Sportarten wie Rennradfahren
  • Zugluft oder eine ungünstige Schlafposition
  • ein Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall
  • eine Verengung des Wirbelkanals oder ein Bandscheibenvorfall, die auf eine Nervenwurzel drücken
  • psychische Belastungen wie Stress, berufliche oder familiäre Sorgen, besonders wenn Schmerzen chronisch werden

Normale Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule lösen allein eher selten Nackenschmerzen aus. Oft lässt sich keine eindeutige Ursache finden; dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Mehr dazu in unseren Ratgebern Nackenschmerzen und Nackenverspannung.

Wann ist eine Untersuchung nötig?

Nur sehr selten weisen Nackenschmerzen auf eine ernste Erkrankung hin. Rasche ärztliche Hilfe ist aber wichtig bei:

  • einem vorangegangenen Unfall
  • Genickstarre: Der Kopf lässt sich nicht mehr zur Brust beugen
  • Kopfschmerzen mit gleichzeitiger Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Lichtempfindlichkeit
  • gleichbleibend starken Schmerzen in Ruhe wie bei Bewegung
  • unerklärlichem Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost
  • Nervenstörungen, Lähmungen oder Problemen, Arm oder Finger zu bewegen
  • Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang

Auch dauerndes Kribbeln, häufig eingeschlafene Hände oder Beine, Schwäche in den Beinen und Gleichgewichtsprobleme beim Gehen sollten ärztlich abgeklärt werden. Wer häufig Kopfschmerzen hat, bespricht das ebenfalls am besten in der Praxis.

Wie lange dauern Kopfschmerzen durch Nackenverspannung?

Akute Nackenschmerzen klingen nach dem IQWiG in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen ab; unspezifische Nackenschmerzen verschwinden meist innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst. Bei manchen kehren sie nach bestimmten Belastungen wieder, etwa nach der Arbeit oder intensivem Sport. Halten sie länger als drei Monate an, spricht man von chronischen Nackenschmerzen.

Für Kopfschmerzen, die gemeinsam mit Nackenschmerzen auftreten, nennen die Quellen keine eigene Dauer. Spannungskopfschmerzen können nach wenigen Minuten verschwinden oder bis zu einer Woche anhalten. Treten Kopfschmerzen über drei Monate an 15 oder mehr Tagen im Monat auf, gelten Spannungskopfschmerzen als chronisch.

Mit dem Alter steigt das Risiko, dass Nackenschmerzen länger bestehen bleiben. Auch nach Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall sind sie oft hartnäckiger.

Was tun bei Kopfschmerzen aus dem Nacken?

Bei unspezifischen Nackenschmerzen ist es am besten, in Bewegung zu bleiben und dem Alltag wie gewohnt nachzugehen. Es gibt keinen Grund, sich zu schonen. Einfache Möglichkeiten, die man ausprobieren kann:

  • Wärme: wärmende Schals, Wärmekissen oder -packungen; bei Schmerzen durch Nervenreizung kann auch eine Kühlpackung guttun. Die Packung sollte weder zu heiß noch zu kalt sein, ein Tuch schützt die Haut.
  • Übungen: Dehn- und Kräftigungsübungen für Nacken, Schultern und Schulterblätter, am besten zunächst ärztlich oder physiotherapeutisch angeleitet und dann zu Hause weitergeführt.
  • Bewegung bei der Arbeit: die Sitzposition oft wechseln und zwischendurch aufstehen.
  • Schmerzmittel: rezeptfreie Mittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), auch als Gel; ihre Wirkung bei Nackenschmerzen ist kaum untersucht. Sie eignen sich nicht für Menschen mit Nierenschwäche oder chronischen Darmerkrankungen und sollten nur kurzfristig genommen werden.

Vorsicht bei Kopfschmerzmitteln: Wer sie zu häufig und regelmäßig einnimmt, kann dadurch nach dem IQWiG öfter Kopfschmerzen bekommen. Ruckartiges Selbst-„Einrenken“ oder kräftiges Dehnen gegen Schmerz gehört nicht zur Selbsthilfe.

Massage, Einrenken, Spritzen: was ist belegt?

Die Wirksamkeit der meisten Behandlungen bei unspezifischen Nackenschmerzen ist nicht ausreichend untersucht. Das IQWiG fasst zusammen:

  • Massagen helfen möglicherweise kurzfristig gegen akute Schmerzen; gute Studien fehlen, und sie können selbst schmerzhaft sein. Nicht jede Massage hilft also.
  • Manipulation und Mobilisation („Einrenken“) zeigen in Studien nur geringe bis keine Effekte. Eine Manipulation kann Schmerzen zunächst verstärken und vorübergehend Kopfschmerzen oder Schwindel auslösen; sehr selten wurden Gefäßverletzungen und Schlaganfälle berichtet. Die behandelnde Fachkraft sollte in manueller Medizin ausgebildet sein.
  • Elektrotherapie und Akupunktur: Eine Wirkung bei Nackenschmerzen ist nicht nachgewiesen.
  • Opioide, Muskelrelaxantien und Spritzen: Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin rät bei unspezifischen Nackenschmerzen davon ab.
  • Halskrause: kaum noch empfohlen, weil sie die Nackenmuskeln schwächen kann.

In unserer Praxis in Bilbao untersucht die Physiotherapie Erwachsene mit Nackenbeschwerden und leitet Übungen an, nachdem ernste Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Woher weiß ich, ob Kopfschmerzen vom Nacken kommen?

Sicher sagen lässt sich das nur nach einer Untersuchung. In der Praxis wird gefragt, ob es einen Unfall gab, wo genau es schmerzt und ob Belastungen oder Stress eine Rolle spielen; anschließend werden Beweglichkeit, Reflexe und Muskelkraft geprüft. Hilfreich ist, wenn Sie Ihre Beobachtungen vorher notieren, ohne sich selbst eine Diagnose zu geben:

  • Reihenfolge: Beginnt zuerst der Nacken und dann der Kopf, oder umgekehrt?
  • Bewegung: Lösen bestimmte Kopfbewegungen oder Haltungen die Kopfschmerzen aus oder verstärken sie?
  • Ort und Art: Hinterkopf, Stirn, ganzer Kopf; dumpf, drückend, pochend, ausstrahlend in einen Arm?
  • Begleitzeichen: Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Kribbeln oder Schwäche?
  • Häufigkeit und Mittel: An wie vielen Tagen im Monat, und wie oft nehmen Sie Schmerzmittel?

Muss immer ein Bild gemacht werden? Nein. Röntgen, CT oder MRT sind normalerweise nur nötig, wenn es Anzeichen für eine ernste Erkrankung oder einen Verdacht auf eine bestimmte Ursache gibt. Sonst helfen sie kaum weiter, weil viele Menschen sichtbare Verschleißzeichen ohne Beschwerden haben.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Verspannung als Ursache: Die IQWiG-Information zu Nackenschmerzen nennt Muskelverspannungen als häufigen Auslöser von Nackenschmerzen und beschreibt, dass langes Sitzen manchmal auch Kopfschmerzen macht. Die IQWiG-Information zu Spannungskopfschmerzen betont dagegen, dass Muskelverspannungen nicht die typische Ursache dieser Kopfschmerzform sind. Ein Widerspruch ist das nicht: Es geht um verschiedene Beschwerdebilder, die sich im Alltag aber leicht vermischen.

Unabhängigkeit: Alle genutzten Texte stammen vom IQWiG. Sie ergänzen sich, sind aber keine voneinander unabhängigen Bestätigungen; zu Kopfschmerzen, die direkt von der Halswirbelsäule ausgehen, enthalten sie keine eigene Darstellung.

Vorbeugung: Bei Spannungskopfschmerzen nennt das IQWiG unter anderem leichten Ausdauersport, manuelle Behandlungen und Entspannungsübungen. Bei unspezifischen Nackenschmerzen bewertet es manuelle Verfahren skeptischer. Was hilft, hängt also davon ab, welches Beschwerdebild im Vordergrund steht.

Zusammenfassung

  • Nacken- und Kopfschmerzen können zusammenhängen, etwa nach langem Sitzen oder bei Schmerzen, die in den Hinterkopf ausstrahlen.
  • Nicht alle Kopfschmerzen kommen vom Nacken; Spannungskopfschmerzen und Migräne haben andere Ursachen.
  • Akute Nackenschmerzen klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab; Bewegung ist wichtiger als Schonung.
  • Warnzeichen wie Genickstarre, Fieber, Lähmungen oder Kopfschmerzen mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit gehören rasch in ärztliche Hände.
  • Bildgebung ist nur bei Warnzeichen oder bestimmtem Verdacht sinnvoll.
  • Für die meisten Behandlungen ist der Nutzen unsicher; Schmerzmittel nur kurzfristig und nicht zu häufig.

Häufige Fragen zu Nacken- und Kopfschmerzen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was tun bei Kopfschmerzen aus dem Nacken?

In Bewegung bleiben, den Alltag wie gewohnt fortsetzen und bei der Arbeit oft die Position wechseln. Wärme, angeleitete Dehn- und Kräftigungsübungen und kurzfristig rezeptfreie Schmerzmittel kann man ausprobieren. Bei Warnzeichen wie Genickstarre, Fieber oder Lähmungen suchen Sie rasch ärztliche Hilfe.

Woher weiß ich, ob Kopfschmerzen vom Nacken kommen?

Sicher klären lässt sich das nur bei einer Untersuchung. Notieren Sie vorher, ob zuerst Nacken oder Kopf schmerzen, ob Kopfbewegungen die Schmerzen auslösen, wo es weh tut und welche Begleitzeichen auftreten. Nicht jeder verspannte Nacken ist die Ursache von Kopfschmerzen.

Wie lange dauern Kopfschmerzen durch Nackenverspannung?

Akute Nackenschmerzen klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Für begleitende Kopfschmerzen nennen die Quellen keine eigene Dauer. Halten Beschwerden länger an oder kommen häufig wieder, lassen Sie sie ärztlich abklären.

Kann man von Nackenschmerzen auch Kopfschmerzen bekommen?

Ja. Langes Sitzen mit angespannten Muskeln kann Nacken- und manchmal auch Kopfschmerzen auslösen, und gereizte Nerven können Schmerzen in den Hinterkopf ausstrahlen lassen. Umgekehrt können Nackenschmerzen auch eine Begleiterscheinung starker Kopfschmerzen sein.

Hilft jede Massage?

Nein. Massagen helfen möglicherweise kurzfristig bei akuten Nackenschmerzen, doch gute Studien fehlen, und sie können selbst schmerzhaft sein. Auch für Einrenken, Elektrotherapie und Akupunktur ist ein Nutzen kaum oder nicht belegt.

Was kann ich am Arbeitsplatz ändern?

Am wichtigsten ist Bewegung: die Sitzposition oft wechseln und zwischendurch aufstehen. Sitzhöhe, Bildschirmhöhe und Arbeitsmittel lassen sich anpassen; wie viel das bringt, ist aber nicht gut untersucht. Fachleute halten Bewegung für wichtiger als die eine „richtige“ Haltung.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Nackenschmerzen
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was tun bei unspezifischen Nackenschmerzen?
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Spannungskopfschmerzen
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Migräne

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.