Was ist Morbus Scheuermann?
Bei der Scheuermann-Krankheit handelt es sich nach gesund.bund.de um eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der das Wachstum der Wirbelsäule im Kindes- und Jugendalter gestört ist. Am häufigsten ist die Brustwirbelsäule betroffen: Sie krümmt sich vermehrt nach hinten, was man auch als Rundrücken bezeichnet. Manchmal ist die Lendenwirbelsäule betroffen; dort flacht die natürliche Krümmung nach vorn ab.
Eine gesunde Wirbelsäule ist im Brustbereich nur gering nach hinten gewölbt. Diese natürliche Krümmung heißt Kyphose. Beim Morbus Scheuermann ist sie nach der München Klinik deutlich stärker ausgeprägt, weil die Wirbelkörper gestört wachsen und sich sogenannte Keilwirbel bilden. Nach Orthinform ist der Morbus Scheuermann der häufigste Grund für einen Rundrücken bei Jugendlichen. Umgekehrt ist nicht jeder runde Rücken ein Morbus Scheuermann; entscheidend sind die Veränderungen an den Wirbelkörpern.
Was an den Wirbeln passiert
Orthinform beschreibt den Vorgang genauer. Betroffen sind die Wachstumszonen an den Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper, die sogenannten Ringapophysen. Dort entstehen Wachstumsstörungen mit unregelmäßigen Defekten. Bandscheibengewebe kann sich durch die Grund- und Deckplatten in den Wirbelkörper vorwölben; diese Stellen heißen Schmorl-Knoten.
Die betroffenen Wirbel bilden im Laufe der Zeit eine Keilform. Aus mehreren solchen Keilwirbeln entsteht eine Profilstörung der Wirbelsäule, der Rundrücken. Die Defekte der Grund- und Deckplatten können außerdem zu einer zunehmenden Abnutzung der Bandscheiben führen.
In welchem Alter tritt Morbus Scheuermann auf?
Die Erkrankung zeigt sich in der Wachstumsphase. Nach Orthinform wird die Erstdiagnose häufig in der Pubertät gestellt, meist zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr; Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Die München Klinik nennt zehn von 1.000 Jugendlichen, die während der Pubertät einen Morbus Scheuermann entwickeln, und beschreibt, dass die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter häufig zum Stillstand kommt.
Wie häufig der Morbus Scheuermann insgesamt ist, beurteilen die Quellen unterschiedlich (siehe Quellenvergleich). Sicher ist: Er beginnt im Wachstum, auch wenn Beschwerden oft erst Jahre später auftreten.
Welche Symptome treten auf?
Zu Beginn zeigen sich nach der München Klinik nahezu keine Symptome. Viele Betroffene haben nach Orthinform keine Schmerzen. Mögliche Zeichen sind:
- ein zunehmender Rundrücken, der beim Vornüberbeugen besonders deutlich wird
- Rückenschmerzen im betroffenen Abschnitt, etwa durch Bandscheibenabnutzung und Defekte an Grund- und Deckplatten
- Bewegungseinschränkungen und Muskelverspannungen
- Nackenschmerzen und Schmerzen der unteren Lendenwirbelsäule durch Ausgleichshaltungen
Um den Kopf aufrecht zu halten, nehmen benachbarte Abschnitte eine verstärkte Gegenkrümmung ein, etwa ein verstärktes Hohlkreuz. Das kann die kleinen Wirbelgelenke dort überlasten. Neurologische Ausfälle kommen nach Orthinform in der Regel nicht vor. Selten gibt es vor allem im Jugendalter erhebliche Schmerzphasen. Mehr zu Nackenschmerzen und allgemeinen Rückenschmerzen finden Sie in eigenen Ratgebern.
Was ist die Ursache?
Die Ursachen sind nach gesund.bund.de noch unbekannt. Orthinform schreibt, die genaue Ursache sei nicht abschließend geklärt; diskutiert würden angeborene Faktoren und mechanische Überlastungen. Als Mechanismus werden Durchblutungsstörungen an den Wachstumszonen der Wirbel verantwortlich gemacht.
Die München Klinik nennt eine genetische Veranlagung und als mögliche äußere Faktoren eine schlechte Haltung oder hohe Belastungen durch Hochleistungssport. Weil die Quellen hier nicht übereinstimmen, sollte man Eltern oder Jugendlichen keine Schuld an der Erkrankung geben: Ein Morbus Scheuermann ist nicht einfach die Folge von „krummem Sitzen“.
Wie wird Morbus Scheuermann festgestellt?
Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich nach Orthinform in der Regel ein deutlicher Rundrücken, der beim Vorneige-Test besonders hervortritt. Das Ausmaß wird auf Röntgenaufnahmen der gesamten Wirbelsäule im Stehen gemessen, weil sich die Winkel im Stehen erheblich von denen im Liegen unterscheiden. Dabei lässt sich auch beurteilen, ob zusätzlich eine Skoliose vorliegt.
Von einem Morbus Scheuermann spricht man nach Orthinform, wenn die Bildgebung eine keilförmige Verformung von mindestens drei benachbarten Wirbelkörpern zeigt. Veränderungen an Bandscheiben und Wirbeln sind auch im MRT gut darstellbar. Für Verlaufskontrollen gibt es eine strahlungsfreie Rasterstereographie; eine CT ist nur vor einer Operation in bestimmten Fragen sinnvoll. Ein runder Rücken allein beweist die Diagnose also nicht.
Was kann man gegen Scheuermann tun?
Zur Therapie setzt man nach der München Klinik auf Krankengymnastik oder das Tragen eines Korsetts; nur selten ist eine Operation erforderlich. Nach Orthinform richtet sich die Behandlung nach Alter, Beschwerden und Ausmaß des Rundrückens:
- Im Wachstum, milde Form: haltungsschulende Physiotherapie und rumpfstabilisierende Übungen in Eigenregie, Sport ist erlaubt, regelmäßige Kontrollen
- Im Wachstum, ausgeprägtere Form: zusätzlich ein Korsett, das nur wirkt, solange die Wirbelsäule noch wächst und formbar ist, und das konsequent über längere Zeit getragen werden muss
- Sehr ausgeprägter Rundrücken: in seltenen Fällen eine operative Korrektur
- Ausgewachsen, mild und schmerzfrei: keine spezifische Therapie, regelmäßige Kontrollen genügen
Ab welchem Ausmaß Korsett oder Operation empfohlen werden und wie das Korsett getragen wird, legt die behandelnde Fachärztin oder der Facharzt fest. Übungen sollten von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet werden, die die Diagnose kennen.
Spätfolgen und Morbus Scheuermann bei Erwachsenen
Durch die Fehlstellung werden Wirbel und Bandscheiben stark belastet. Dadurch kann es nach gesund.bund.de zu Bewegungseinschränkungen, Muskelverspannungen und einem frühzeitigen Verschleiß der Wirbelsäule kommen; Schmerzen treten häufig erst im Erwachsenenalter auf. Orthinform beschreibt eine im Laufe der Jahre häufig zunehmende Steifigkeit bis hin zu einer knöchernen Versteifung, meist an der Brustwirbelsäule.
Beim Erwachsenen ist ein Korsett nach Orthinform in der Regel nicht mehr sinnvoll, weil eine Korrektur nicht mehr realistisch ist. Bei schwergradigen Formen kann eine Operation infrage kommen. Für die Kontrolltermine im Jugendalter hilft eine kurze Notiz:
- aktuelle Wachstumsphase (Körpergröße, letzte Messung)
- betroffener Abschnitt laut Befund
- Alltag und Sport: was geht, was schmerzt
- Fragen zum Korsett oder zu den Übungen
Wo sich die Quellen unterscheiden
Häufigkeit: Die München Klinik nennt zehn von 1.000 Jugendlichen, Orthinform etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Auch beim Geschlechterverhältnis schwankt Orthinform selbst zwischen 3:1 im Haupttext und „etwa doppelt so oft“ in den FAQ. Belastbare Zahlen lassen sich daraus nicht ableiten.
Ursachen: gesund.bund.de nennt die Ursachen unbekannt, Orthinform nicht abschließend geklärt, die München Klinik nennt Veranlagung, schlechte Haltung und Hochleistungssport. Ein gesicherter Zusammenhang mit der Haltung ist damit nicht belegt.
Verlauf: Die München Klinik und Orthinform beschreiben einen häufigen Stillstand mit Ende des Wachstums, Orthinform betont aber auch mögliche dauerhafte Deformitäten und Schmerzen.
Zusammenfassung
- Morbus Scheuermann ist eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule im Jugendalter.
- Keilwirbel führen meist an der Brustwirbelsäule zu einem Rundrücken.
- Anfangs gibt es oft kaum Beschwerden, Schmerzen kommen häufig später.
- Die Diagnose stützt sich auf Untersuchung und Röntgen im Stehen.
- Behandelt wird mit Krankengymnastik, im Wachstum teils mit Korsett, selten operativ.
- Die Ursachen sind nicht abschließend geklärt; Schuldzuweisungen helfen nicht.
Häufige Fragen zu Morbus Scheuermann
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Welche Symptome treten bei Morbus Scheuermann auf?
Zu Beginn oft keine. Später sind ein zunehmender Rundrücken, Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Muskelverspannungen möglich, durch Ausgleichshaltungen auch Nacken- und Kreuzschmerzen.
Ist Morbus Scheuermann schlimm?
Viele Betroffene haben keine oder nur geringe Beschwerden, und die Erkrankung kommt nach dem Wachstum häufig zum Stillstand. Bestehende Fehlstellungen und Schmerzen können aber dauerhaft bleiben.
Welche Spätfolgen kann Morbus Scheuermann haben?
Möglich sind frühzeitiger Verschleiß der Wirbelsäule, Bewegungseinschränkungen, Muskelverspannungen, chronische Schmerzen und eine zunehmende Steifigkeit, meist im Bereich der Brustwirbelsäule.
Was kann man gegen Scheuermann tun?
Im Wachstum helfen Krankengymnastik und rumpfstabilisierende Übungen, bei ausgeprägteren Formen ein Korsett. Eine Operation ist selten nötig. Was im Einzelfall passt, entscheidet die Fachärztin oder der Facharzt.
Ist jeder Rundrücken ein Morbus Scheuermann?
Nein. Morbus Scheuermann ist der häufigste Grund für einen Rundrücken bei Jugendlichen, wird aber erst durch keilförmig verformte Wirbelkörper im Röntgenbild festgestellt.
Was unterscheidet Beschwerden im Wachstum von Beschwerden im Erwachsenenalter?
Im Wachstum lässt sich die Form der Wirbelsäule noch beeinflussen, etwa mit einem Korsett. Bei Erwachsenen geht es meist um Schmerzen und Beweglichkeit, eine Korrektur mit Korsett ist dann nicht mehr realistisch.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Scheuermann-Krankheit (Glossar)
- München Klinik · Morbus Scheuermann (Scheuermann’sche Krankheit)
- Orthinform (Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) · Morbus Scheuermann
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
