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Lordose: zwischen gesunder Krümmung und Hohlkreuz

Von der Seite betrachtet ist die Wirbelsäule nicht gerade, sondern leicht S-förmig geschwungen. Die nach vorne gerichteten Bögen im Hals- und Lendenbereich heißen Lordose. Sie sind normal und sogar wichtig, weil sie Stöße abfedern. Ist die Krümmung im unteren Rücken besonders stark, spricht man umgangssprachlich vom Hohlkreuz. Dieser Ratgeber erklärt, was als normal gilt, wann eine Lordose Beschwerden macht und welche Übungen helfen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Lordose?

Die Wirbelsäule hat vier natürliche Krümmungen: nach vorne gewölbt im Hals (Halslordose), nach hinten im Brustbereich (Brustkyphose), wieder nach vorne im Lendenbereich (Lendenlordose) und nach hinten am Kreuzbein. Diese Doppel-S-Form verteilt die Last gleichmäßig und federt Stöße beim Gehen und Springen ab. Lordose ist also zunächst ein ganz normaler Teil des Körperbaus.

Was ist normal?

Wie stark die Lendenlordose ausgeprägt ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich. Frauen haben im Durchschnitt eine etwas stärkere Lordose als Männer, in der Schwangerschaft nimmt sie vorübergehend zu. Auch Beckenform und Körperbau beeinflussen die Krümmung. Eine stärkere Lordose ist deshalb nicht automatisch krankhaft.

Was ist ein Hohlkreuz?

Als Hohlkreuz (Hyperlordose) bezeichnet man eine deutlich verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule. Das Becken ist dabei oft nach vorne gekippt, der Bauch tritt hervor und das Gesäß wirkt nach hinten herausgestreckt. Das Gegenstück ist der Flachrücken, bei dem die Lendenlordose nahezu fehlt. Auch eine verminderte Halslordose (Steilstellung) wird häufig beschrieben, etwa nach Verletzungen oder bei Verspannungen.

Ursachen für eine verstärkte Lordose

  • Anlage und Körperbau.
  • Schwangerschaft und Übergewicht mit Gewichtsverlagerung nach vorne.
  • Verkürzte Hüftbeuger durch langes Sitzen, siehe Hüftbeuger dehnen.
  • Schwache Bauch- und Gesäßmuskulatur.
  • Sportarten mit viel Rückbeugung, etwa Turnen oder Ballett.
  • Ausgleich bei anderen Fehlstellungen, etwa einer verstärkten Brustkyphose.
  • Selten ein Wirbelgleiten (Gleitwirbel) oder Hüftbeugekontrakturen.

Macht ein Hohlkreuz Rückenschmerzen?

Lange galt das Hohlkreuz als Hauptursache für Rückenschmerzen. Studien zeigen jedoch, dass Menschen mit stärkerer oder schwächerer Lordose nicht eindeutig häufiger Rückenschmerzen haben. Eine stark ausgeprägte Lordose kann die kleinen Wirbelgelenke stärker belasten und bei langem Stehen Beschwerden fördern. Wichtiger als die Form sind aber Beweglichkeit, Kraft, Bewegung im Alltag und allgemeine Faktoren wie Stress und Schlaf. Mehr dazu im Ratgeber Rückenschmerzen.

Mögliche Beschwerden

  • Ziehende Schmerzen im unteren Rücken bei langem Stehen oder Gehen.
  • Besserung im Sitzen oder beim Vorbeugen.
  • Verspannte Rückenstrecker.
  • Schmerzen bei Rückbeuge oder Überkopfarbeiten.
  • Optisch hervortretender Bauch, auch bei schlanken Menschen.

Wie wird untersucht?

In der Untersuchung werden Haltung, Beckenstellung, Beweglichkeit und Muskelkraft beurteilt. Häufig wird geprüft, ob die Hüftbeuger verkürzt sind und ob sich die Lordose aktiv ausgleichen lässt. Ein Röntgenbild ist nur bei anhaltenden Beschwerden, Verdacht auf Wirbelgleiten oder anderen Warnzeichen nötig. Wichtig: Die Messung des Lordosewinkels allein sagt wenig über die Ursache von Schmerzen aus.

Übungen bei Hohlkreuz

  • Beckenkippen in Rückenlage: Lendenwirbelsäule sanft in die Unterlage drücken, zehnmal.
  • Hüftbeugerdehnung im Halbkniestand, 30 Sekunden pro Seite.
  • Brücke: Gesäß anspannen und das Becken heben, dreimal 12 Wiederholungen.
  • Unterarmstütz (Plank) mit neutralem Rücken, 20 bis 40 Sekunden.
  • Katze-Kuh im Vierfüßlerstand, um die Beweglichkeit zu fördern.
  • Kindhaltung zur Entspannung des unteren Rückens.

Die Übungen sollten Sie zwei- bis dreimal pro Woche durchführen. Schmerzen dabei sind ein Signal, die Übung anzupassen.

Haltung im Alltag

Es gibt nicht die eine richtige Haltung. Entscheidend ist, die Position regelmäßig zu wechseln. Beim Stehen hilft es, das Gewicht gleichmäßig zu verteilen, die Knie nicht durchzudrücken und gelegentlich einen Fuß auf eine Erhöhung zu stellen. Hohe Absätze verstärken die Lordose. Beim Sitzen unterstützt eine leichte Lendenstütze, ohne ins Hohlkreuz zu drücken.

Physiotherapie

Bei anhaltenden Beschwerden erstellt die Physiotherapie ein individuelles Programm aus Kräftigung, Dehnung und Haltungsschulung. Ziel ist nicht eine perfekte Form der Wirbelsäule, sondern ein belastbarer, beweglicher Rücken. Auch Pilates und Yoga sind geeignet, wenn die Übungen angepasst werden.

Lordose bei Kindern

Kleinkinder haben oft ein ausgeprägtes Hohlkreuz mit vorgewölbtem Bauch. Das ist normal und gleicht sich mit dem Wachstum aus. Bei Jugendlichen, die eine starke Lordose und Rückenschmerzen haben, besonders bei Sportarten mit viel Rückbeugung, sollte ein Ermüdungsbruch am Wirbelbogen (Spondylolyse) bedacht und ärztlich abgeklärt werden.

Lordose in der Schwangerschaft

Mit dem wachsenden Bauch verlagert sich der Schwerpunkt nach vorn, und die Lendenlordose nimmt zu. Rückenschmerzen sind in der Schwangerschaft häufig. Bewegung, Schwangerschaftsgymnastik, Beckenkippen und eine Stützbandage können helfen. Nach der Geburt bildet sich die verstärkte Krümmung meist zurück, unterstützt durch Training der Bauch- und Beckenbodenmuskulatur.

Die Halslordose

Auch die Halswirbelsäule ist normalerweise leicht nach vorne gekrümmt. Bei viel Bildschirmarbeit und häufigem Blick auf das Smartphone wird der Kopf oft nach vorn geschoben. Das belastet die Nackenmuskulatur und kann Nackenschmerzen fördern. Eine aufgehobene Halslordose im Röntgen ist häufig und hat für sich allein wenig Aussagekraft. Hilfreich sind Kräftigung der tiefen Halsmuskeln, Pausen und ein ergonomischer Arbeitsplatz.

Mythen über das Hohlkreuz

Häufig hört man, ein Hohlkreuz müsse unbedingt korrigiert werden oder führe zwangsläufig zu Bandscheibenschäden. Beides stimmt so nicht. Die Form der Wirbelsäule ist sehr individuell, und viele Menschen mit Hohlkreuz haben nie Rückenschmerzen. Statt einer perfekten Haltung zählen Bewegung, Kraft und Abwechslung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lordose ist eine normale Krümmung der Hals- und Lendenwirbelsäule.
  • Ein Hohlkreuz ist eine verstärkte Lordose, die häufig und oft harmlos ist.
  • Der Zusammenhang zwischen Lordose und Rückenschmerzen ist schwächer als oft gedacht.
  • Kräftigung von Bauch und Gesäß, Dehnung der Hüftbeuger und regelmäßige Bewegung helfen.

Häufige Fragen zur Lordose

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ist eine Lordose schlimm?

Nein, die Lordose ist eine normale Krümmung. Nur eine deutlich verstärkte Lordose kann Beschwerden fördern.

Kann man ein Hohlkreuz korrigieren?

Die Form ändert sich durch Training nur begrenzt; Beschwerden lassen sich aber gut beeinflussen.

Welche Sportarten sind bei Hohlkreuz geeignet?

Schwimmen, Radfahren, Pilates und Krafttraining mit Fokus auf Bauch und Gesäß.

Was bedeutet Steilstellung der Halswirbelsäule?

Eine verminderte Halslordose, die häufig ohne Krankheitswert ist und oft bei Verspannung beschrieben wird.

Hilft ein Stehpult bei Hohlkreuz?

Abwechselndes Sitzen und Stehen ist günstig; dauerhaftes Stehen dagegen nicht.

Wie schlafe ich mit Hohlkreuz am besten?

In Rückenlage mit einem Kissen unter den Knien oder in Seitenlage mit leicht angezogenen Beinen.

Ist ein Hohlkreuz erblich?

Körperbau und Beckenform werden teilweise vererbt und beeinflussen die Lordose.

Muss ein Hohlkreuz geröntgt werden?

Nur bei anhaltenden Beschwerden oder Warnzeichen.

Kann ein Hohlkreuz Bauchschmerzen verursachen?

Nein, aber der Bauch kann durch die Beckenkippung stärker hervortreten.

Quellen

  1. Been E, Kalichman L. Lumbar lordosis. Spine J. 2014
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Rücken- und Kreuzschmerzen
  3. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Kreuzschmerzen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.