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Lymphsystem MediBilbao Salud

Lymphödem: Symptome, Ursachen und Behandlung

Der Arm fühlt sich nach einer Brustkrebsbehandlung schwer an, der Ring sitzt plötzlich eng, ein Bein schwillt im Lauf des Tages an: Hinter solchen Beschwerden kann ein Lymphödem stecken. Es ist eine chronische Erkrankung, die sich ohne Behandlung verschlimmern kann, mit konsequenter Therapie aber gut beeinflussen lässt. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de, erstellt mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), und der AOK, wie ein Lymphödem entsteht, woran man es erkennt, welche Stadien es gibt und wie es behandelt wird.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist ein Lymphödem?

Neben den Blutgefäßen besitzt der Körper ein zweites Gefäßsystem: das Lymphsystem. Es leitet nach der AOK die Flüssigkeit ab, die aus den feinsten Blutgefäßen ins Gewebe übertritt, und transportiert Zellreste, Stoffwechselprodukte und Eiweiße. In den Lymphknoten wird die Lymphe gefiltert, Krankheitserreger werden dort abgefangen.

Von einem Lymphödem spricht man nach gesund.bund.de, wenn sich die Lymphflüssigkeit an einer Stelle staut und eine Schwellung (Ödem) entsteht. Das passiert, wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten geschädigt sind. Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Oft sind Arme oder Beine betroffen, grundsätzlich aber jeder Körperbereich.

Symptome: Schwellung, Schwere und Haut

Häufige Beschwerden sind nach gesund.bund.de:

  • Schwellungen
  • Schmerzen
  • Spannungs- und Schweregefühl
  • Hautveränderungen
  • eingeschränkte Beweglichkeit

Die Symptome können einzeln oder kombiniert und an einer oder mehreren Körperstellen auftreten. Die Haut ist beim Lymphödem nach der AOK verhärtet und besonders anfällig für Entzündungen; im fortgeschrittenen Stadium neigt sie zu schlecht heilenden Wunden. Auch das veränderte Aussehen und die aufwendige Therapie können psychisch stark belasten.

Die Stadien des Lymphödems

Die Beschwerden hängen vom Stadium ab. Die AOK beschreibt vier Stadien:

  • Stadium 0: Das Lymphsystem ist geschädigt, der Abtransport reicht aber noch. Es gibt keine Schwellung, möglich sind Schweregefühl und schnelles Ermüden.
  • Stadium I: leichte, weiche Schwellung; auf Druck bleibt eine Delle. Nachts oder beim Hochlagern geht sie zurück.
  • Stadium II: Das Gewebe ist verhärtet, auf Druck bleibt keine Delle mehr. Die Haut ist schmerzhaft gespannt, Hochlagern hilft nicht mehr.
  • Stadium III: sehr starke Schwellung mit stark eingeschränkter Beweglichkeit; die Haut ist verdickt, vernarbt und neigt zu schlecht heilenden Wunden.

Das Fortschreiten lässt sich nach gesund.bund.de mit ausreichender Behandlung verhindern; selbst ein ausgeprägtes Lymphödem kann sich dann wieder zurückbilden.

Was löst ein Lymphödem aus?

Fachleute unterscheiden zwei Formen:

  • Primäres Lymphödem: genetisch bedingt durch eine angeborene Fehlbildung der Lymphgefäße. Es kann sich schon bei der Geburt, aber auch erst im Jugend- oder Erwachsenenalter zeigen und ist selten. Bei Kindern kommen vor allem primäre Lymphödeme vor.
  • Sekundäres Lymphödem: deutlich häufiger. Es entsteht durch Erkrankungen, Verletzungen, Infektionen oder Therapien. In Industrieländern sind Krebserkrankungen und -behandlungen die häufigste Ursache, etwa die Entfernung oder Bestrahlung von Lymphknoten, insbesondere bei Brust- oder Prostatakrebs.

Begünstigt werden Lymphödeme durch starkes Übergewicht und bestimmte entzündliche Erkrankungen wie Arthritis oder Dermatitis. Auch schwere chronische Venenleiden können das Lymphsystem überlasten. Weltweit ist nach der AOK eine Wurmerkrankung (Filariose) die häufigste Ursache, die in Industrieländern aber selten vorkommt.

Wie wird ein Lymphödem festgestellt?

Bei Verdacht sollte man nach der AOK möglichst schnell ärztliche Hilfe suchen; die Hausarztpraxis kann klären, welche Fachrichtung eingebunden wird. Im Gespräch fragt die Ärztin oder der Arzt nach gesund.bund.de vor allem nach Lymphödemen oder Gefäßerkrankungen in der Familie und nach Krebserkrankungen.

Untersucht werden unter anderem, wo die Schwellung sitzt und wie sie beschaffen ist, Haut und Hauttemperatur, Lymphknoten, Blutgefäße und die Beweglichkeit der Gelenke. Lässt sich so keine eindeutige Diagnose stellen, helfen Ultraschall, MRT oder eine Darstellung der Lymphgefäße. Eine Funktionslymphszintigraphie zeigt den Lymphtransport. Bei Verdacht auf ein primäres Lymphödem können genetische Untersuchungen Aufschluss geben.

Was kann man gegen ein Lymphödem machen?

Behandelt wird in der Regel mit der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Sie soll den Abfluss der gestauten Flüssigkeit fördern und besteht nach gesund.bund.de und AOK aus mehreren Bausteinen:

  • Manuelle Lymphdrainage: eine spezielle medizinische Massagetechnik, die den Abtransport der Gewebsflüssigkeit anregt
  • Kompression: Verbände, Strümpfe, Ärmel oder Handschuhe halten die Entstauung aufrecht; sie wirken nur, wenn sie konsequent getragen werden
  • Bewegung: Gymnastik, Rehasport und Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking, möglichst mit Kompression, dazu Atemübungen
  • Haut- und Wundpflege: feuchtigkeitsspendende Pflege, kleine Verletzungen vermeiden und sofort desinfizieren
  • Schulung zur Selbstbehandlung

Meist erfolgt die erste Behandlungsphase stationär, danach wird individuell entschieden, welche Maßnahmen wie oft nötig sind. Spezielle Medikamente gegen Lymphödeme gibt es nach der AOK nicht. Eine Operation kommt erst infrage, wenn die konservative Therapie nach mindestens sechs Monaten nicht ausreichend hilft; sie wird immer mit konservativer Behandlung kombiniert. Bei Übergewicht können Abnehmen und Sport für Ausdauer, Beweglichkeit und Kraft zusätzlich helfen.

Was darf man bei Lymphödem nicht machen?

Wichtig ist nach der AOK, selbst kleine Hautverletzungen zu vermeiden, weil die Haut leicht entzündet. Starke Hitze, Kälte und starke körperliche Belastungen können Flüssigkeitsansammlungen begünstigen und sollten gemieden werden. Begleiterkrankungen, die den Lymphfluss beeinträchtigen, wie Diabetes oder Venenschwäche, sollten nach gesund.bund.de fachgerecht behandelt werden.

Eine einfache Notiz hilft, Veränderungen bei Kontrollterminen genau zu beschreiben, ohne die Kompression oder Selbstbehandlung eigenständig zu verändern:

  • Datum
  • Haut: Rötung, Verletzung, Verhärtung, Juckreiz
  • Kompression: Sitz der Strümpfe oder Ärmel, Druckstellen, Einschnürungen
  • Frage für den nächsten Termin

Bei der Behandlung eines Lymphödems übernehmen spezialisierte Fachkräfte die Lymphdrainage. Unsere Praxis bietet derzeit keine Lymphdrainage an; erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis.

Warum Massage allein oft nicht reicht

Die manuelle Lymphdrainage ist nur ein Baustein der Entstauungstherapie. Ohne anschließende Kompression sammelt sich die Flüssigkeit nach der AOK erneut im Gewebe; ohne Bewegung fehlt die Muskelpumpe, die die Lymphe weitertransportiert. Erst das Zusammenspiel der Bausteine kann die Schwellung dauerhaft verringern.

Wie gut sich die Beschwerden lindern lassen, hängt nach der AOK vom Stadium ab und davon, wie gut Therapie und Selbsthilfe im Alltag umgesetzt werden können. Eine Lymphdrainage ist keine Wellness- oder Abnehmmassage, und eine Schwellung ohne geklärte Ursache sollte nicht einfach „wegmassiert“ werden. Manchen Betroffenen hilft nach gesund.bund.de zusätzlich eine psychologische Begleitung.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Stadien: gesund.bund.de nennt die Stadien 0 bis 3 ohne Details, die AOK beschreibt sie ausführlich. Inhaltlich stimmen beide überein.

Häufigkeit: gesund.bund.de nennt für das primäre Lymphödem etwa eines von 6.000 Neugeborenen und für das sekundäre 0,1 bis 2 Prozent der Menschen in Industriestaaten. Die AOK nennt für das primäre etwa einen von 100.000 Menschen und zitiert eine britische Studie mit 0,1 Prozent für Lymphödeme oder chronische Ödeme. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Gruppen und sind nicht direkt vergleichbar.

Operation: Beide nennen sechs Monate konservative Therapie als Voraussetzung. Die AOK ergänzt fortschreitende Verhärtungen und starken Leidensdruck als Gründe. Eine starre Regel für alle ist das nicht.

Zusammenfassung

  • Ein Lymphödem ist eine chronische Schwellung durch gestauten Lymphabfluss.
  • Sekundäre Lymphödeme sind häufiger und entstehen oft nach Krebsbehandlungen.
  • Typisch sind Schwellung, Schwere, Spannung, Schmerzen und Hautveränderungen.
  • Die Stadien reichen von 0 ohne Schwellung bis III mit starker Verhärtung.
  • Die KPE kombiniert Lymphdrainage, Kompression, Bewegung, Hautpflege und Schulung.
  • Plötzliche schmerzhafte oder heiße Schwellungen sofort ärztlich abklären lassen.

Häufige Fragen zum Lymphödem

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was darf man bei Lymphödem nicht machen?

Hautverletzungen, starke Hitze, Kälte und starke körperliche Überlastung möglichst vermeiden und die Kompression nicht eigenmächtig weglassen. Bewegung ist dagegen ausdrücklich erwünscht.

Was löst ein Lymphödem aus?

Angeborene Fehlbildungen der Lymphgefäße (primär) oder Schäden am Lymphsystem (sekundär), in Industrieländern vor allem durch Krebsbehandlungen wie die Entfernung oder Bestrahlung von Lymphknoten. Übergewicht begünstigt es.

Was kann man gegen ein Lymphödem machen?

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie mit Lymphdrainage, Kompression, Bewegung, Hautpflege und Schulung. Operationen kommen nur nach längerer erfolgloser Therapie infrage.

Ist ein Lymphödem gefährlich?

Es ist chronisch und kann sich unbehandelt verschlimmern. Gefährlich können Hautentzündungen wie eine Wundrose werden. Mit konsequenter Behandlung lässt sich das Fortschreiten meist verhindern.

Was unterscheidet ein Lymphödem von einem Lipödem?

Ein Lymphödem entsteht durch einen gestörten Lymphabfluss. Das Lipödem ist eine eigene Erkrankung, die die hier genutzten Quellen nicht beschreiben. Welche Ursache eine Schwellung hat, klärt die ärztliche Untersuchung.

Warum reicht eine Massage allein oft nicht aus?

Weil sich die Flüssigkeit ohne Kompression wieder sammelt und ohne Bewegung die Muskelpumpe fehlt. Die Lymphdrainage wirkt erst im Zusammenspiel mit den anderen Bausteinen der Entstauungstherapie.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Lymphödem
  2. AOK · Lymphödem: Ursache, Symptome und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.