Was ist eine Thrombose?
Von einer Thrombose spricht man, wenn ein Blutgefäß durch ein Blutgerinnsel ganz oder teilweise verschlossen wird. Der Begriff kommt vom griechischen Thrombus für „Klumpen“ oder „Pfropf“. Thrombosen können in Arterien und Venen entstehen. Dieser Ratgeber behandelt die venöse Thrombose und vor allem die tiefe Venenthrombose (TVT).
Bei der TVT bildet sich das Gerinnsel in den großen, tief liegenden Venen, meist in den Beinvenen und dort besonders im Unterschenkel. Auch die selteneren Beckenvenenthrombosen gehen größtenteils von einem Gerinnsel in den Beinen aus.
In Deutschland erleidet nach der DGPL jedes Jahr etwa einer von 1.000 Erwachsenen erstmals eine tiefe Venenthrombose. Sie gehört damit nach Herzinfarkt und Schlaganfall zu den häufigsten akuten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Grundsätzlich kann es jeden treffen; mit dem Alter steigt das Risiko.
Wie merkt man, dass man eine Thrombose im Bein hat?
Folgende Zeichen deuten nach der DGPL auf eine tiefe Beinvenenthrombose hin:
- plötzliche Schwellung der Wade, der Knöchelregion oder des gesamten Beins
- Schwere- und Spannungsgefühl, das beim Hochlegen des Beins nachlässt
- bläulich verfärbte, glänzende Haut, die sich wärmer anfühlt als am anderen Bein
- sichtbar verstärkte oberflächliche Venen, sogenannte Warnvenen
- ziehende Schmerzen, vor allem in der Wade, die beim Beugen des Fußes oder auf Druck zunehmen und sich wie ein Muskelkater anfühlen können
- leichtes Fieber und ein beschleunigter Puls
Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie beschreibt die TVT als akute schmerzhafte Schwellung, meist mit Bewegungseinschränkung. Eine Thrombose im Arm ist sehr viel seltener und zeigt entsprechende Zeichen am Arm, oft stärker ausgeprägt.
Kann eine Thrombose ohne typische Symptome auftreten?
Ja. Die Anzeichen sind wenig spezifisch und können auch durch andere Krankheiten entstehen. Bei nicht wenigen Betroffenen verursacht eine Thrombose gar keine Beschwerden und wird erst an Folgen wie einer Lungenembolie oder einem postthrombotischen Syndrom erkannt. Ärztinnen und Ärzte sprechen deshalb manchmal von einer „lautlosen Gefahr“.
Daraus folgt eine einfache Regel der DGPL: Auch wenn einige Symptome fehlen, ist eine Thrombose nicht ausgeschlossen. Tritt nur eine der Beschwerden an einem Bein neu auf, besteht bereits der Verdacht. Dann sollte man umgehend ärztlichen Rat suchen – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Einen verlässlichen Selbsttest gibt es nicht. Ob eine Thrombose vorliegt, lässt sich nur mit ärztlicher Untersuchung und Ultraschall sicher klären.
Wann wird eine Thrombose gefährlich?
Gefährlich ist vor allem, dass sich das Gerinnsel von seinem Entstehungsort ablöst. Mit dem Blutstrom kann es über das Herz in die Lunge gelangen und dort Gefäße verstopfen. Diese Lungenembolie ist lebensbedrohlich; Fachleute schätzen in Deutschland 40.000 bis 100.000 Todesfälle pro Jahr.
Eine feste Zeitspanne, nach der eine Thrombose gefährlich wird, nennen die Quellen nicht. Sie betonen vielmehr: Je früher behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr schwerer Komplikationen. Deshalb muss jede tiefe Venenthrombose umgehend ärztlich behandelt werden.
Auch eine oberflächliche Venenthrombose, meist mit einer Venenentzündung verbunden, erhöht das Risiko einer Lungenembolie, wenn auch in geringerem Maß. Sie kann sich bis nahe an das tiefe Venensystem ausdehnen und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Was löst eine Thrombose aus?
Thrombosen entstehen, wenn die Blutgerinnung aktiviert wird, obwohl das gar nicht nötig ist. Die DGPL nennt drei Hauptursachen: einen verlangsamten Blutfluss, eine veränderte Zusammensetzung des Blutes und Veränderungen der Gefäßwand. Begünstigend wirken unter anderem:
- längere Inaktivität, etwa nach einer Operation, bei Bettlägerigkeit, Lähmung oder Gipsverband, und schon lange Flug-, Bus- oder Autoreisen
- eingeengte Venen durch enge Verbände oder Kleidung, Tumoren oder im letzten Drittel der Schwangerschaft
- weibliche Hormone, etwa durch Schwangerschaft, Anti-Baby-Pille oder Hormonpräparate in den Wechseljahren, verstärkt durch Rauchen
- angeborene Gerinnungsstörungen, bösartige Tumoren und Flüssigkeitsmangel bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen
- Verletzungen der Gefäßwand durch Operation oder Unfall, Diabetes, Übergewicht und eine frühere Thrombose
Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Nicht selten findet sich auch keine erkennbare Ursache.
Wie wird eine tiefe Venenthrombose festgestellt?
Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Beschwerden, deren Dauer, anderen Erkrankungen und Risikofaktoren wie größeren Operationen in den letzten 12 Wochen oder längerer Bettlägerigkeit. Bei der Untersuchung wird unter anderem der Umfang beider Waden verglichen.
Mit Punktesystemen wie dem Wells-Score wird eingeschätzt, wie wahrscheinlich eine Thrombose ist. Bei niedriger bis mittlerer Wahrscheinlichkeit kann ein D-Dimer-Test im Blut weiterhelfen: Fällt er normal aus, schließt das die Erkrankung in der Regel aus.
Gesichert oder ausgeschlossen wird die Diagnose mit Ultraschall. Bei der Kompressionssonografie drückt die Ärztin oder der Arzt mit dem Schallkopf auf die Vene: Eine freie Vene lässt sich ganz zusammendrücken, eine Vene mit Gerinnsel nicht. Die farbkodierte Duplex-Sonografie macht den Blutfluss sichtbar. CT oder MRT kommen bei besonderen Fragen hinzu, etwa bei Beckenvenen.
Warum beweist ein erhöhter D-Dimer-Wert keine Thrombose?
D-Dimere sind Spaltprodukte von Fibrin, einem Eiweiß in Blutgerinnseln. Weil der Körper versucht, ein Gerinnsel abzubauen, ist der Wert bei einer akuten Thrombose für Tage bis Wochen erhöht.
Erhöhte D-Dimere haben aber auch andere Ursachen: Infektionen, Verletzungen, Blutergüsse, Tumoren oder eine Schwangerschaft. Ein erhöhter Wert ist daher kein Beweis. Und auch ein normaler Wert schließt eine Thrombose nach der DGPL nur dann in der Regel aus, wenn die zuvor eingeschätzte Wahrscheinlichkeit niedrig bis mittel ist.
Für den Arztbesuch hilft eine kurze Notiz: wann die Beschwerden begonnen haben, welches Bein betroffen ist, welche Medikamente Sie nehmen, insbesondere Hormonpräparate oder Gerinnungshemmer, und ob es kürzlich eine Operation, einen Gips, Bettruhe oder eine lange Reise gab. Die Notiz ersetzt die rasche Abklärung nicht.
Wie bekommt man eine Thrombose im Bein weg?
Behandelt wird mit gerinnungshemmenden Medikamenten, oft „Blutverdünner“ genannt, und mit Kompression. Die Gerinnungshemmer verhindern, dass das Gerinnsel weiter wächst, und senken so die Gefahr einer Lungenembolie. Am Anfang werden häufig Spritzen unter die Haut eingesetzt; heute sind für die Akuttherapie aber auch Mittel zum Schlucken zugelassen. Welches Präparat – Spritze oder Tablette – geeignet ist, stimmt die Gefäßmedizinerin oder der Gefäßmediziner mit Ihnen ab.
Danach folgt nach der DGPL in der Regel eine Erhaltungstherapie über drei bis sechs Monate, bei Beckenvenenthrombose oder Lungenembolie auch länger. Wie lange im Einzelfall behandelt und kontrolliert wird, entscheidet die Fachperson. Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
Der Kompressionsstrumpf lindert Schmerzen und Schwellung und verringert langfristig Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms; getragen wird er mindestens so lange wie die Gerinnungshemmer. Strenge Bettruhe gilt heute meist nicht mehr: Nach Beginn der Behandlung dürfen die meisten aufstehen, viel Gehen lindert die Beschwerden. Die meisten Betroffenen werden ambulant behandelt, eine Lungenembolie stets im Krankenhaus.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Ausführlichkeit: Die DGPL beschreibt Ursachen, Symptome, Diagnostik und Behandlung ausführlich. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie fasst sich kurz: akute schmerzhafte Schwellung, meist Bewegungseinschränkung, umgehende Vorstellung, Ultraschall, Gerinnungshemmer und Kompression.
Ablauf der Medikamente: Die DGPL beschreibt häufig Spritzen zu Beginn und danach Tabletten, erwähnt aber, dass auch für die Akuttherapie Tabletten zugelassen sind. Die Gefäßchirurgie nennt Spritzen oder Tabletten als gleichrangige Optionen, über die individuell entschieden wird. Eine feste Reihenfolge für alle gibt es also nicht.
Dauer: Die DGPL nennt für die Erhaltungstherapie in der Regel drei bis sechs Monate; die Gefäßchirurgie nennt keine Zahl und überlässt die Dauer der Fachperson.
Zusammenfassung
Bei einer tiefen Beinvenenthrombose verschließt ein Gerinnsel eine tiefe Beinvene. Typisch sind plötzliche Schwellung, Schwere- und Spannungsgefühl, ziehende Wadenschmerzen und eine bläuliche, warme Haut – doch die Zeichen können auch fehlen. Schon ein einzelnes neues Zeichen ist ein Grund für die rasche ärztliche Abklärung.
Gesichert wird die Diagnose mit Ultraschall; D-Dimere helfen nur im Zusammenhang mit der eingeschätzten Wahrscheinlichkeit. Behandelt wird mit Gerinnungshemmern und Kompression, Dauer und Präparat werden individuell festgelegt. Brustschmerzen und Atemnot zusätzlich zu Beinbeschwerden sind ein Notfall.
Häufige Fragen zur Thrombose
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merkt man, dass man eine Thrombose hat?
Häufig an einer plötzlichen Schwellung von Wade, Knöchel oder Bein, Schwere- und Spannungsgefühl, ziehenden Schmerzen und bläulicher, warmer Haut. Die Zeichen können aber auch fehlen; sicher klärt es nur ein Ultraschall.
Wie lange dauert eine Thrombose, bis sie gefährlich wird?
Eine feste Frist gibt es nicht. Gefährlich wird es, wenn sich das Gerinnsel löst und eine Lungenembolie verursacht. Je früher behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr – deshalb jeden Verdacht umgehend abklären.
Wie bekommt man eine Thrombose im Bein weg?
Mit gerinnungshemmenden Medikamenten, als Spritze oder Tablette, und mit Kompressionsstrümpfen. Der Körper baut das Gerinnsel dabei ab. Präparat und Dauer legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Was löst eine Thrombose aus?
Meist mehrere Faktoren zusammen: verlangsamter Blutfluss etwa bei Bettlägerigkeit oder langen Reisen, eine veränderte Blutzusammensetzung etwa durch Hormone oder Tumoren und Schäden an der Gefäßwand. Manchmal findet sich keine Ursache.
Kann eine Thrombose ohne typische Symptome auftreten?
Ja. Bei nicht wenigen Betroffenen verursacht sie keine Beschwerden und wird erst an Folgen wie einer Lungenembolie erkannt. Schon ein einzelnes neues Zeichen am Bein sollte daher abgeklärt werden.
Warum beweist ein erhöhter D-Dimer-Wert keine Thrombose?
Weil auch Infektionen, Verletzungen, Blutergüsse, Tumoren oder eine Schwangerschaft den Wert erhöhen. Der Test wird zusammen mit der eingeschätzten Wahrscheinlichkeit gedeutet; gesichert wird die Diagnose per Ultraschall.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL): Thrombose – Patienteninformation
- Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin: Tiefe Beinvenenthrombose – Informationen für Patienten
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
