Was ist Eiweiß, und wofür braucht der Körper es?
Eiweiß ist der umgangssprachliche Name für Protein. Proteine bestehen nach der DGE aus Aminosäuren. Von den 20 Aminosäuren, die der Körper zum Aufbau von Proteinen braucht, kann er neun nicht selbst herstellen; sie heißen unentbehrlich (früher: essenziell) und müssen mit der Nahrung zugeführt werden.
Nahrungsprotein versorgt den Körper mit diesen Aminosäuren und mit Stickstoff. Daraus baut er unter anderem Strukturproteine der Muskeln, Transportproteine wie den roten Blutfarbstoff, Abwehrstoffe des Immunsystems, Enzyme und Hormone wie Insulin auf. Protein kann außerdem Energie liefern: 4 Kilokalorien pro Gramm.
Streng genommen hat der Körper nach der DGE keinen Bedarf an „Protein“ an sich, sondern an den unentbehrlichen Aminosäuren und an Stickstoff. Weil diese aber fast immer als Protein aufgenommen werden, gibt es Referenzwerte für Protein.
Wie viel Eiweiß braucht man am Tag?
Die DGE gibt die Werte in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht an:
- Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren: 0,8 g pro kg und Tag (empfohlene Zufuhr)
- Erwachsene ab 65 Jahren: 1,0 g pro kg und Tag (Schätzwert, weil der Bedarf im Alter nicht genau bestimmbar ist)
- Schwangerschaft und Stillzeit: höhere Werte, die ärztlich oder in der Hebammenbetreuung besprochen werden
- Kinder und Jugendliche: eigene, altersabhängige Werte
Bezogen auf das Referenzgewicht entspricht das nach der DGE für Erwachsene bis 65 Jahre etwa 47 bis 57 Gramm Protein am Tag, ab 65 Jahren etwa 57 bis 67 Gramm. Die Werte gelten für gesunde Menschen mit Normalgewicht. Bei Übergewicht wird nicht mit dem tatsächlichen Gewicht gerechnet, sondern mit dem Gewicht, bei dem die Person normalgewichtig wäre, denn mehr Fettmasse bedeutet keinen höheren Proteinbedarf. Für Krankheiten mit erhöhtem Bedarf, Untergewicht oder Adipositas gelten die Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften.
Warum ältere Menschen etwas mehr brauchen
Für Erwachsene ab 65 Jahren berücksichtigt die DGE zusätzlich den Erhalt der körperlichen Funktionsfähigkeit. Zahlreiche Studien weisen auf einen höheren Bedarf hin als bei Jüngeren; genau bestimmen lässt er sich aber nicht. Deshalb gibt es für diese Altersgruppe einen Schätzwert und keine Empfehlung im engeren Sinn.
Bei einem Mangel baut der Körper nach der DGE zunächst eigenes Muskelprotein ab. Der Verlust an Muskelmasse und Muskelfunktion erhöht bei älteren Menschen das Risiko für Knochenbrüche und Gebrechlichkeit. Hält der Mangel lange an, werden Stoffwechsel und Organfunktionen beeinträchtigt. Nach der Nationalen Verzehrsstudie liegt die Zufuhr in allen Altersgruppen im Mittel über dem Referenzwert; mit dem neuen Schätzwert dürfte aber der Anteil älterer Menschen steigen, die ihn nicht erreichen.
Wo ist am meisten Eiweiß drin?
Proteinreich sind nach der DGE Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier sowie vor allem Hülsenfrüchte wie Soja, Linsen und Erbsen. Auch Getreideprodukte wie Brot tragen zur Versorgung bei. Beispiele aus der DGE-Tabelle, jeweils als verzehrbare, gegarte Portion:
- Schweinefleisch, gegart, 150 g: etwa 42 g Protein
- Vollkornnudeln, gegart, 200 g: etwa 12 g
- grüne Erbsen, gegart, 150 g: etwa 10,5 g
- Emmentaler, eine Scheibe (30 g): etwa 10 g
- Haferflocken, 60 g: etwa 8 g
- ein gekochtes Ei (60 g): etwa 7 g
- ein Glas Sojadrink (200 ml): etwa 7 g
Solche Tabellenwerte sind Durchschnittswerte. Für ein konkretes Produkt ist die Nährwertangabe auf der Verpackung genauer. Viele Hülsenfrüchte liefern zusätzlich Ballaststoffe; mehr dazu im Ratgeber zu ballaststoffreichen Lebensmitteln.
Pflanzliches und tierisches Eiweiß
Pflanzliche und tierische Proteine unterscheiden sich nach der DGE in der Zusammensetzung und Verfügbarkeit der Aminosäuren. Tierische Lebensmittel enthalten in der Regel alle unentbehrlichen Aminosäuren in ausreichender Menge. Pflanzliche Lebensmittel haben häufig nicht das volle Spektrum.
Das lässt sich durch geschickte Kombination ausgleichen: Getreide ist arm an Lysin, aber reich an Methionin, Hülsenfrüchte sind es umgekehrt. Linsengemüse mit Reis oder Erbseneintopf mit Brot ergänzen sich deshalb gut. Auch Zubereitungsschritte wie Erhitzen oder Keimen beeinflussen, wie gut die Aminosäuren verfügbar sind.
Eiweiß und Sport
Erwachsene Breitensportlerinnen und -sportler, die vier- bis fünfmal pro Woche 30 Minuten mit mittlerer Intensität aktiv sind, brauchen nach der DGE keine erhöhte Proteinzufuhr; 0,8 g pro kg reichen aus. Proteinshakes oder spezielle High-Protein-Produkte sind dafür nicht nötig.
Im ambitionierten Breiten- und Leistungssport mit mindestens fünf Stunden Training pro Woche kann eine an Sportart und Belastung angepasste Proteinzufuhr den Trainingsprozess unterstützen. Die DGE zitiert dazu internationale Sportfachgesellschaften mit etwa 1,2 bis 2,0 g pro kg. Die Proteine sollten über den Tag verteilt mit Mahlzeiten und nicht als Präparate aufgenommen werden.
Ist es gesund, viel Eiweiß zu essen?
Eine tolerierbare Obergrenze lässt sich nach der DGE mit den vorhandenen Daten nicht festlegen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht für Erwachsene die doppelte Menge des Referenzwerts als sicher an. Dass manche Menschen über längere Zeit das Drei- bis Vierfache ohne Beschwerden aufnehmen, bedeutet nach der WHO aber nicht, dass hohe Mengen generell unbedenklich sind. Fehlende Obergrenze heißt also nicht „ohne Risiko“.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine erhöhte Proteinzufuhr die Nierenfunktion weiter verschlechtern. Hochdosierte einzelne Aminosäuren als Präparat können den Aminosäurenstoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen. Wer deutlich mehr Protein isst, sollte ausreichend trinken. Mehr Eiweiß ist kein Mittel, um sicher abzunehmen oder Krankheiten zu verhindern.
Portionen richtig einschätzen
Viele Missverständnisse entstehen beim Vergleich von Gewicht und Zustand: Trockene Linsen, Nudeln oder Haferflocken haben pro 100 Gramm einen höheren Proteingehalt als gekochte, weil beim Kochen Wasser hinzukommt. Die DGE-Tabelle nennt gegarte Portionen, die Verpackung meist das Trockenprodukt.
Eine einfache Notiz hilft, die eigene Versorgung realistisch einzuschätzen, ohne eine feste Zielmenge für alle anzunehmen:
- Lebensmittel und Portion: was und wie viel tatsächlich gegessen
- Gewicht roh oder gegart: worauf sich die Angabe bezieht
- Protein laut Etikett: pro 100 g und für die gegessene Menge
- Tagessumme zur Orientierung: grob addiert, mit dem eigenen Referenzwert verglichen
In unserer Praxis für Ernährungsberatung in Bilbao schätzen wir mit Erwachsenen den Eiweißbedarf und die Versorgung aus dem Alltag ein, etwa im Alter oder bei viel Sport (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
Sport: Die DGE sieht für Freizeitsport keinen Mehrbedarf. Für ambitionierten Sport zitiert sie internationale Fachgesellschaften mit 1,2 bis 2,0 g pro kg und weist darauf hin, dass Menge, Quelle und Zeitpunkt teilweise kontrovers diskutiert werden.
Sicherheit hoher Mengen: Die EFSA hält die doppelte Referenzmenge für Erwachsene für sicher. Die WHO warnt davor, aus Beobachtungen mit drei- bis vierfacher Menge zu schließen, hohe Zufuhren seien generell unbedenklich.
Prozentangaben: Früher nannte die DGE einen Proteinanteil von 9 bis 11 Prozent der Energie, wobei etwa 15 Prozent leichter umzusetzen seien. Diese Angabe wurde oft als Empfehlung missverstanden; heute gilt der Wert in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Zusammenfassung
- Eiweiß liefert unentbehrliche Aminosäuren für Muskeln, Enzyme, Hormone und Abwehr.
- Erwachsene brauchen 0,8 g pro kg Normalgewicht, ab 65 Jahren etwa 1,0 g.
- Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte und Getreide.
- Pflanzliche Proteine ergänzen sich gut, etwa Getreide mit Hülsenfrüchten.
- Freizeitsport erfordert keine Shakes; die meisten erreichen den Bedarf mit normaler Kost.
- Bei Nierenerkrankungen und besonderen Lebenslagen gelten individuelle Mengen.
Häufige Fragen zu Eiweiß
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wo ist am meisten Eiweiß drin?
Pro Portion vor allem in Fleisch, Fisch, Milchprodukten wie Käse, Eiern und Hülsenfrüchten wie Soja, Linsen und Erbsen. Auch Getreideprodukte wie Brot, Nudeln und Haferflocken tragen bei.
Wie komme ich auf 100g Eiweiß pro Tag?
Für die meisten Erwachsenen ist das nicht nötig: Bei 0,8 g pro kg entspricht der Bedarf meist etwa 47 bis 57 g am Tag. Höhere Mengen sind nur in besonderen Situationen sinnvoll, etwa im Leistungssport, und sollten mit Fachleuten geplant werden.
Ist es gesund, viel Eiweiß zu essen?
Bis etwa zur doppelten Referenzmenge gilt es für gesunde Erwachsene als sicher. Darüber reichen die Daten nicht für eine Entwarnung. Bei Nierenerkrankungen kann viel Eiweiß schaden.
Wie nennt man noch Eiweiß?
Fachlich heißt Eiweiß Protein. Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut.
Brauchen Freizeitsportler immer Proteinshakes?
Nein. Wer vier- bis fünfmal pro Woche eine halbe Stunde moderat trainiert, braucht nach der DGE keine erhöhte Proteinzufuhr. Eine ausgewogene Ernährung reicht aus.
Warum sind trockene und gekochte Linsen nicht direkt vergleichbar?
Weil Linsen beim Kochen Wasser aufnehmen. Der Proteingehalt pro 100 g ist deshalb im gekochten Zustand niedriger als im trockenen. Achten Sie darauf, worauf sich eine Angabe bezieht.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · Referenzwerte Protein
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) · Ausgewählte Fragen und Antworten zu Protein und unentbehrlichen Aminosäuren
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
