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Winterdepression: Symptome, Lichttherapie und Hilfe

Wenn die Tage kürzer werden, sinkt bei vielen Menschen die Stimmung. Bei einer Winterdepression geht das über ein vorübergehendes Tief hinaus: Antriebsmangel, gedrückte Stimmung, mehr Schlaf und Heißhunger kehren jeden Herbst oder Winter wieder und verschwinden im Frühjahr. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen der Barmer und der IKK classic, woran man eine Winterdepression erkennt, wie sie sich vom Winterblues unterscheidet, welche Ursachen vermutet werden, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist und was Lichttherapie, Bewegung und Tageslicht leisten können. Er richtet sich an Erwachsene.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Winterdepression?

Eine Winterdepression ist eine saisonal auftretende Depression. Fachsprachlich heißt sie saisonal abhängige affektive Störung, auf Englisch „Seasonal Affective Disorder“, kurz SAD. Die Beschwerden zeigen sich ausschließlich und wiederholt in den lichtärmeren Jahreszeiten Herbst und vor allem Winter und verschwinden, wenn es im Frühling wieder heller wird.

Nach Schätzungen, die die Barmer nennt, sind in Europa zwischen 2 und 8 Prozent der Bevölkerung betroffen. Frauen sind nach der IKK classic dreimal häufiger betroffen als Männer; die Winterdepression tritt vermehrt um das 30. Lebensjahr auf und wird im höheren Alter seltener beobachtet. Allgemeines zu Depressionen lesen Sie in unserem Ratgeber Depression: Symptome.

Winterblues, Winterdepression oder Depression?

  • Winterblues: ein vorübergehendes Stimmungstief, nach der IKK classic vor allem zum Jahresende, das meist mit Beginn des neuen Jahres ausklingt. Betroffene blicken melancholisch auf das Jahr zurück und ziehen sich in den engeren Familienkreis zurück.
  • Winterdepression: wiederkehrende depressive Beschwerden in Herbst und Winter, oft mit Heißhunger, Gewichtszunahme und erhöhter Schlafneigung. Eine abgeschwächte Form wird als subsyndromale SAD (S-SAD) bezeichnet.
  • Depression: kann jederzeit auftreten und länger andauern, mit anhaltend gedrückter Stimmung, Verlust von Freude und Interesse, Antriebslosigkeit, Schuldgefühlen und vermindertem Selbstwertgefühl.

Wichtig: Die meisten depressiven Störungen, die im Winter festgestellt werden, sind nach der Barmer keine Winterdepression. Müdigkeit im Winter allein ist noch keine Diagnose.

Wie erkenne ich eine Winterdepression?

Kennzeichnend ist eine niedergedrückte Stimmung, von häufiger schlechter Laune oder Gereiztheit bis zu einer depressiven Stimmungslage. Hinzu kommen nach der Barmer typischerweise:

  • vermehrter Appetit, vor allem auf Kohlenhydrate und Süßes
  • erhöhtes Schlafbedürfnis und verstärkte Tagesmüdigkeit
  • Energielosigkeit und Antriebsschwäche, oft mit Schwierigkeiten, morgens aufzustehen
  • Konzentrationsstörungen
  • Angstgefühle bis hin zu Angstzuständen

Wann ist die Winterdepression am schlimmsten?

Die Beschwerden beginnen im Herbst und betreffen vor allem die Wintermonate. Die gedrückte Stimmung kann sich nach der Barmer über den Winter immer weiter zuspitzen. Mit dem tageslichtreicheren Frühling klingen die Symptome wieder ab.

Bei den meisten Menschen sind die Beschwerden eher mild. Nach der IKK classic verschwinden viele Beschwerden wieder, wenn sich der Körper an Herbst und Winter gewöhnt hat. Das heißt aber nicht, dass man sich mit Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und einem „grauen Schleier“ abfinden muss.

Warum ist man im Winter so depressiv?

Welche Faktoren eine Winterdepression genau auslösen, ist nicht geklärt. Vermutet wird, dass das schwächere Tageslicht und die kürzeren Tage eine tragende Rolle spielen:

  • Botenstoffe: Weniger Sonnenlicht wirkt sich auf das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn aus; beim stimmungsregulierenden Serotonin scheint bei Betroffenen eine Störung vorzuliegen.
  • Melatonin: Mehr Dunkelheit bedeutet mehr Schlafhormon. Daraus können höheres Schlafbedürfnis, Tagesmüdigkeit und weniger Antrieb folgen.
  • Tag-Nacht-Rhythmus: Aufstehen und zur Arbeit gehen, wenn es draußen noch dunkel ist, kann den Biorhythmus stören; nach der IKK classic kann auch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen.

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

Dauern die Beschwerden länger als zwei Wochen, rät die IKK classic, ärztlich abklären zu lassen, ob eine Depression vorliegt. Die Barmer empfiehlt einen Praxisbesuch, wenn Energielosigkeit und Antriebsschwäche sehr ausgeprägt sind und mit hohem Leidensdruck einhergehen, auch weil andere psychische Störungen dahinterstecken können.

Zur Behandlung stehen nach der Barmer insbesondere Psychotherapie und Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zur Verfügung; über Medikamente entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Kinder und Jugendliche können ebenfalls betroffen sein, oft mit Interessenlosigkeit, Antriebsmangel und Gereiztheit; bei ihnen ist die kinderärztliche Abklärung der richtige Weg.

Lichttherapie: Wie und für wen?

Die Nationale VersorgungsLeitlinie „Unipolare Depression“ empfiehlt nach der Barmer die Lichttherapie ausdrücklich bei Depressionen mit saisonalem Muster; bei leichten Formen kann sie auch allein versucht werden. Dabei sitzt man zum Beispiel jeden Morgen kurz nach dem Aufstehen vor einer speziellen Lampe mit etwa 10.000 Lux. Die IKK classic nennt eine geprüfte Lampe mit mindestens 10.000 Lux, am besten früh morgens; Dauer und Ablauf sollten ärztlich festgelegt werden.

Für wen muss Lichttherapie vorher abgeklärt werden? Nach der IKK classic ist sie nicht ratsam oder nur nach ärztlichem Rat bei erhöhter Lichtempfindlichkeit der Haut, bei Augenerkrankungen wie grünem Star (Glaukom), grauem Star (Katarakt) oder Netzhauterkrankungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente, etwa Psychopharmaka, entzündungshemmender Mittel, Antibiotika oder pflanzlicher Stimmungsaufheller. Nutzen Sie nur geprüfte Therapielampen.

Ist Vitamin D eine Behandlung gegen Winterdepression?

Der Körper bildet den größten Teil seines Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht in der Haut, im Winter also weniger. Ob ein niedriger Vitamin-D-Spiegel zur Winterdepression beiträgt, ist trotz zahlreicher Studien nicht geklärt. Die IKK classic verweist auf Forschende der Universität Warwick, die keinen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und SAD gefunden haben.

Vitamin D ist damit keine belegte Behandlung der Winterdepression. Ein Vitamin-D-Mangel lässt sich nach der Barmer aber per Bluttest feststellen und sollte gezielt behandelt werden.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Lichttherapie: Die Barmer verweist auf die ausdrückliche Empfehlung der Nationalen VersorgungsLeitlinie und schreibt, für eine Tageslichtlampe sei kein Arztbesuch nötig. Die IKK classic nennt die Lichttherapie unter Wissenschaftlern umstritten, weil es nur wenige aussagekräftige Studien gebe, und rät, vor der Nutzung ärztlichen Rat einzuholen. Die IKK nennt zudem eine Anwendung bis zu einer Stunde täglich; das ist kein für alle gültiger Wert.

Häufigkeit: Die Barmer nennt 2 bis 8 Prozent in Europa. Die IKK classic nennt für Deutschland etwa ein Prozent mit SAD und rund zehn Prozent mit der milderen Form S-SAD.

Begriffe: Die Barmer verwendet „Winterblues“ umgangssprachlich auch für die Winterdepression; die IKK classic grenzt den Winterblues als vorübergehendes Stimmungstief klar davon ab.

Zusammenfassung

Was kann man selbst tun? Täglich Tageslicht tanken, auch bei bedecktem Himmel, etwa mit einem Mittagsspaziergang; sich regelmäßig bewegen, am besten draußen; soziale Kontakte pflegen; den Tag strukturieren und regelmäßig essen, mit viel Gemüse und Obst.

  • Winterdepression: wiederkehrend in Herbst und Winter, Besserung im Frühling.
  • Typisch: gedrückte Stimmung, Antriebsmangel, mehr Schlaf, Heißhunger.
  • Länger als zwei Wochen oder starker Leidensdruck: ärztlich abklären.
  • Lichttherapie nur mit geprüfter Lampe und bei Augen-, Haut- oder Medikamentenfragen nach ärztlichem Rat.
  • Vitamin D ist keine belegte Behandlung; einen Mangel gezielt behandeln lassen.

In unserer Praxis in Bilbao bietet die Psychologie Erwachsenen eine psychologische Orientierung bei wiederkehrenden Stimmungstiefs (die Beratung findet auf Spanisch statt). Eine Lichttherapie bieten wir nicht an; bei schweren Beschwerden ist die ärztliche Behandlung vorrangig.

Häufige Fragen zur Winterdepression

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie erkenne ich eine Winterdepression?

An gedrückter Stimmung, Antriebsmangel, erhöhtem Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Süßes, die jedes Jahr in Herbst und Winter auftreten und im Frühling verschwinden.

Was kann man gegen eine Winterdepression tun?

Tageslicht und Bewegung im Freien, soziale Kontakte und ein strukturierter Tag. Bei leichten Formen kann Lichttherapie helfen, bei stärkeren Beschwerden Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente.

Warum ist man im Winter so depressiv?

Vermutet wird, dass weniger Tageslicht das Gleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin und die Bildung des Schlafhormons Melatonin beeinflusst. Genau geklärt ist das nicht.

Wann ist die Winterdepression am schlimmsten?

Vor allem in den Wintermonaten; die Stimmung kann sich über den Winter zuspitzen. Mit dem helleren Frühling klingen die Beschwerden ab.

Ist Vitamin D eine Behandlung gegen Winterdepression?

Nein, ein Nutzen ist nicht belegt. Ein per Bluttest festgestellter Vitamin-D-Mangel sollte aber gezielt behandelt werden.

Für wen muss Lichttherapie vorher abgeklärt werden?

Für Menschen mit Augenerkrankungen wie grünem oder grauem Star oder Netzhauterkrankungen, mit lichtempfindlicher Haut und bei Einnahme bestimmter Medikamente.

Quellen

  1. Barmer: Winterdepression – Symptome und was Sie dagegen tun können
  2. IKK classic: Winterdepression – Symptome und Tipps zum Vorbeugen, veröffentlicht am 03.01.2025

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.