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Wochenbettdepression: Anzeichen erkennen und Hilfe finden

Nicht alle Frauen erleben die Zeit nach der Geburt als glücklich. Halten Traurigkeit, Leere und Erschöpfung länger an, kann eine Wochenbettdepression dahinterstecken, auch postpartale Depression genannt. Sie ist eine ernstzunehmende, aber behandelbare Erkrankung und keineswegs selbstverschuldet. Dieser Ratgeber erklärt nach den Informationen der Stiftung Gesundheitswissen und von gesund.bund.de, wie sie sich vom kurzen Babyblues unterscheidet, welche Anzeichen typisch sind, wie lange sie dauert, wie sie festgestellt und behandelt wird und an wen sich Mütter, Väter und Angehörige wenden können.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Wochenbettdepression?

Die Wochenbettdepression ist eine spezielle Form der Depression, die in den ersten Wochen und Monaten nach einer Geburt auftritt. Nach der Stiftung Gesundheitswissen spricht man davon, wenn Depressionssymptome innerhalb der ersten zwölf Monate nach der Geburt beginnen. Fachsprachlich heißt sie postpartale Depression, manchmal fälschlich auch „postnatale Depression“.

Viele betroffene Mütter empfinden Scham und Schuldgefühle, weil sie glauben, keine gute Mutter zu sein. Die Erkrankung ist aber keineswegs selbstverschuldet, und es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Auch Väter können betroffen sein; verlässliche Zahlen gibt es für Deutschland dazu nicht. Allgemeine Informationen bietet unser Ratgeber zu Depression und ihren Symptomen.

Was unterscheidet Babyblues und Wochenbettdepression?

Etwa jede zweite Mutter spürt in den ersten Tagen nach der Geburt einen Stimmungsabfall: Stimmungsschwankungen, Weinen, Reizbarkeit, Überforderung oder Erschöpfung. Dieser „Babyblues“ ist weniger schwerwiegend als eine Depression und dauert einige Tage, höchstens etwa zwei Wochen. Meist genügen Entlastung, Unterstützung und Verständnis.

Bei einer Wochenbettdepression sind die negativen Gefühle deutlich stärker und halten länger an; es kommt zu stark gemischten Gefühlen dem Baby gegenüber. Hält die gedrückte Stimmung länger als zwei Wochen an, sollte ärztlich geklärt werden, ob eine Wochenbettdepression vorliegt. Schwere Anzeichen wie Gedanken an Selbstverletzung erfordern sofortige Hilfe, ohne diese Frist abzuwarten.

Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression?

Die Beschwerden ähneln denen einer Depression in anderen Lebensphasen. gesund.bund.de nennt als typische Anzeichen:

  • ein anhaltendes Stimmungstief mit tiefer Traurigkeit, Weinen, Leere oder Hoffnungslosigkeit
  • Gleichgültigkeit gegenüber Dingen, die sonst Freude bereiten
  • Konzentrationsstörungen
  • Gedanken an Selbstverletzung oder daran, dem Baby zu schaden

Hinzu kommen oft starke Schuldgefühle, Ängste, das Kind nicht gut versorgen zu können, Überforderung, Gereiztheit, Grübeln, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit. Scham kann zu Rückzug führen. Schlaflosigkeit, Sorgen und Gewichtsverlust kommen aber auch bei psychisch gesunden Eltern im Wochenbett vor; nicht immer steckt eine Depression dahinter.

Zwangsgedanken: Was sie bedeuten

Manche Betroffene entwickeln Zwangsgedanken, ihrem Kind etwas anzutun. Nach der Stiftung Gesundheitswissen sind solche Gedanken für die Erkrankten besonders erschreckend und beängstigend, doch in den meisten Fällen würden sie es nie tun. Ungewollte, sich aufdrängende Gedanken sind also nicht dasselbe wie eine Absicht.

Trotzdem sollten Sie mit diesen Gedanken nicht allein bleiben. Sprechen Sie sie in der Hebammen-, Arzt- oder Psychotherapiepraxis offen an; dort kennt man sie und kann einordnen, welche Hilfe nötig ist. In besonders schweren Fällen können auch Suizidgedanken auftreten: Dann ist sofortige Hilfe nötig.

Wie lange dauert die Wochenbettdepression?

Die Dauer ist unterschiedlich. Nach gesund.bund.de dauert eine Wochenbettdepression ohne Therapie meist 4 bis 6 Monate; manche Beschwerden können auch nach einem Jahr noch bestehen, und ohne Behandlung droht ein chronischer Verlauf. Die Stiftung Gesundheitswissen schreibt, dass die Beschwerden mit Behandlung in den meisten Fällen nach wenigen Monaten zurückgehen. Rückfälle sind möglich, auch bei einer erneuten Schwangerschaft.

Wie häufig ist sie? Die Stiftung Gesundheitswissen schätzt etwa 8 von 100 Frauen ohne depressive Vorerkrankung, gesund.bund.de nennt bis zu 15 von 100 Frauen in den ersten drei Monaten nach der Geburt. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Gruppen und Zeiträume und sind daher nicht direkt vergleichbar.

Wer ist anfällig für eine Wochenbettdepression?

Was eine Wochenbettdepression genau auslöst, ist nicht eindeutig geklärt; vermutet wird ein Zusammenspiel mehrerer Umstände. Frauen erkranken nach den beiden Quellen häufiger bei:

  • früheren Depressionen oder Angststörungen, auch in der Schwangerschaft
  • Stress und belastenden Lebensereignissen in Schwangerschaft und nach der Geburt, etwa Partnerschaftskonflikten oder Migration
  • wenig sozialer Unterstützung, einer unglücklichen Beziehung oder wenn sie allein leben
  • häuslicher Gewalt oder körperlichem bzw. seelischem Missbrauch
  • Depressionen in oder nach der Schwangerschaft in der eigenen Familie

Wie wird eine Wochenbettdepression festgestellt?

Für die Diagnose ist ein ausführliches Gespräch in einer Arzt- oder Psychotherapiepraxis nötig. Gefragt wird nach Beschwerden, die auf eine Depression hindeuten; zugleich werden andere Erkrankungen ausgeschlossen, die ähnliche Beschwerden verursachen können, wofür auch körperliche Untersuchungen nötig sein können.

Ein wichtiger Teil ist ein Fragebogen, der speziell für Frauen mit Verdacht auf Wochenbettdepression entwickelt wurde. Er enthält Aussagen über das Befinden der letzten sieben Tage, etwa „Ich war ängstlich oder besorgt ohne Grund“. Aus den Antworten lässt sich ableiten, ob eine Wochenbettdepression vorliegt und wie schwer sie ist.

Wie kommt man aus der Wochenbettdepression heraus?

  • Unterstützung: Bei leichter Ausprägung können emotionale Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag bereits ausreichen; auch der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen, kann helfen.
  • Psychotherapie: Besonders bei mittlerer oder starker Depression ist eine Behandlung durch Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten oder geschulte Beratungskräfte wichtig. Studien zeigen, dass es vielen Frauen dadurch zumindest etwas besser geht.
  • Medikamente: Antidepressiva kommen meist nur infrage, wenn Unterstützung oder Psychotherapie allein nicht ausreichen. In der Stillzeit sollte genau ärztlich besprochen werden, worauf zu achten ist: Nach gesund.bund.de sind die meisten Antidepressiva für das Kind ungefährlich, werden aber vorsichtshalber möglichst niedrig dosiert, weil kleine Mengen in die Muttermilch übergehen können.
  • Bewegung: Ausdauersport wie Radfahren, Walken oder Schwimmen und regelmäßiges Gehen können die Therapie unterstützen; Studien deuten auch auf einen Effekt von Yoga hin.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Häufigkeit: Die Stiftung Gesundheitswissen nennt etwa 8 % bei Frauen ohne depressive Vorerkrankung, aus sechs europäischen Studien mit Werten zwischen 4 und 13 %. gesund.bund.de nennt bis zu 15 % in den ersten drei Monaten. Die Bezugsgruppen sind verschieden.

Dauer: gesund.bund.de beschreibt den Verlauf ohne Therapie (meist 4 bis 6 Monate), die Stiftung Gesundheitswissen den Verlauf mit Behandlung (meist wenige Monate).

Ursachen: Die Stiftung Gesundheitswissen nennt hormonelle Veränderungen als einen möglichen Faktor; nach gesund.bund.de ist ihr Einfluss noch unklar.

Vorbeugung: Nur gesund.bund.de geht auf Vorbeugung ein: Fachkundige Unterstützung wie regelmäßige Hausbesuche von Hebammen oder psychotherapeutische Begleitung kann helfen.

Zusammenfassung

Hilfe finden: Erste Anlaufstellen sind die Hebamme, die Frauenarzt-, Hausarzt- oder Kinderarztpraxis. In Deutschland ist ein Erstgespräch in einer psychotherapeutischen Praxis ohne Überweisung möglich. Schwangerschafts- und Familienberatungsstellen, die „Frühen Hilfen“ mit Familienhebammen und der Verein „Schatten & Licht e. V.“ bieten weitere Unterstützung. Angehörige können entlasten, indem sie Aufgaben in der Kinderbetreuung übernehmen, Verständnis zeigen und Mut machen.

  • Babyblues: wenige Tage, höchstens etwa zwei Wochen, meist ohne Behandlung vorbei.
  • Wochenbettdepression: stärkere, länger anhaltende Beschwerden; keine Schuld der Mutter.
  • Gedanken, sich oder dem Baby zu schaden: sofort Hilfe holen, Notruf 112.
  • Behandlung: Unterstützung, Psychotherapie, bei Bedarf Antidepressiva nach ärztlicher Abwägung, Bewegung.
  • Mit Hilfe geht es den meisten Frauen nach einigen Monaten besser.

Häufige Fragen zur Wochenbettdepression

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression?

An einem anhaltenden Stimmungstief, Freudlosigkeit, Konzentrationsproblemen und oft starken Schuldgefühlen. Dauern die Beschwerden länger als zwei Wochen, sollte das ärztlich abgeklärt werden.

Wie lange dauert die Wochenbettdepression?

Ohne Therapie meist 4 bis 6 Monate, manchmal über ein Jahr. Mit Behandlung gehen die Beschwerden in den meisten Fällen nach wenigen Monaten zurück.

Wie kommt man aus der Wochenbettdepression raus?

Mit Unterstützung im Alltag, Psychotherapie und bei starker Ausprägung gegebenenfalls Antidepressiva nach ärztlicher Abwägung. Bewegung kann die Behandlung ergänzen.

Wer ist anfällig für Wochenbettdepression?

Häufiger betroffen sind Frauen mit früheren Depressionen oder Angststörungen, belastenden Lebensereignissen, wenig Unterstützung, Partnerschaftskonflikten oder häuslicher Gewalt.

Was unterscheidet Babyblues und Wochenbettdepression?

Der Babyblues ist leichter und dauert einige Tage bis höchstens etwa zwei Wochen. Die Wochenbettdepression ist stärker, hält länger an und sollte behandelt werden.

Wann ist sofortige Hilfe erforderlich?

Bei Gedanken an Selbstverletzung, Suizid oder daran, dem Baby zu schaden. Dann sofort ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe holen oder den Notruf 112 wählen.

Quellen

  1. Stiftung Gesundheitswissen: Wochenbettdepression, aktualisiert am 31.03.2023
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (BMG, mit IQWiG): Wochenbettdepression, Stand 24.05.2024

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.