Wie häufig ist Übelkeit in der Schwangerschaft?
Sehr häufig. Nach familienplanung.de sind in den ersten drei Monaten 80 Prozent aller Schwangeren von Übelkeit betroffen, bei 30 Prozent kommt es auch zu Erbrechen. Embryotox nennt je nach Studie und Land Angaben zwischen 35 und 91 Prozent, im Durchschnitt rund 70 Prozent; etwa ein Viertel bis ein Drittel hat lediglich Übelkeit ohne Erbrechen.
Als schwangerschaftsbedingt gelten Übelkeit und Erbrechen, wenn sie vor der 16. Schwangerschaftswoche beginnen und andere Ursachen ausgeschlossen sind. Beginnen sie erst später, passen sie nicht zu dieser Definition und gehören ärztlich abgeklärt.
Viele Schwangere beschreiben zudem eine Abneigung gegen bestimmte Gerüche oder Speisen, oft gegen Fleisch.
Wann beginnt die Übelkeit – und wann ist sie am stärksten?
Die Beschwerden beginnen nach Embryotox typischerweise zwischen der 4. und 7. Schwangerschaftswoche. In 60 Prozent der Fälle verschwinden sie zum Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft, in 90 Prozent bis zur 20. Woche. familienplanung.de schreibt, dass Übelkeit und Erbrechen bei den meisten Frauen im vierten Monat enden, bei etwa 20 Prozent aber die ganze Schwangerschaft über anhalten.
Eine bestimmte Woche, in der die Übelkeit bei allen am schlimmsten ist, nennen die Quellen nicht. Sie beschreiben die ersten drei Monate als die Zeit, in der Übelkeit am häufigsten ist.
Ob es in einer weiteren Schwangerschaft wieder zu Übelkeit kommt, ist sehr unterschiedlich; Embryotox nennt eine Spanne von 15 bis 81 Prozent.
Muss die Übelkeit morgens auftreten?
Nein. Die Übelkeit tritt nach familienplanung.de häufig morgens auf, kann aber auch zu anderen Tageszeiten einsetzen. Embryotox nennt den Begriff „Morgenübelkeit“ sogar verharmlosend, weil viele Schwangere den ganzen Tag über eine anhaltende Übelkeit spüren.
Wie sich die Übelkeit anfühlt, ist sehr individuell: von leichtem, flauem Gefühl bis zu ständigem Brechreiz, oft verstärkt durch bestimmte Gerüche oder einen leeren Magen. Belastend ist auch, dass sie den Alltag, die Arbeit und das Essen erschwert.
Embryotox weist darauf hin, dass sich viele Betroffene allein gelassen fühlen und zu wenig behandelt werden. Sie dürfen Ihre Beschwerden ansprechen, auch wenn sie „nur“ Übelkeit sind.
Warum ist Schwangeren so oft übel?
Das ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Theorie lautet nach familienplanung.de, dass der veränderte Hormonhaushalt verantwortlich ist. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Anstieg des Botenstoffs GDF-15, der vom Kind gebildet wird, die Übelkeit verursacht. Dazu passt, dass bei höheren Hormonspiegeln, etwa bei Zwillingen, verstärkt Übelkeit und Erbrechen auftreten.
Früher wurde behauptet, Frauen sei vor allem dann übel, wenn sie die Schwangerschaft ablehnten. Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Es gibt aber Hinweise, dass psychische Belastungen und die Stärke der Übelkeit zusammenhängen können – und familiäre und medizinische Unterstützung wirken sich nach Embryotox positiv auf die Beschwerden aus.
Ist Schwangerschaftsübelkeit ein gutes Zeichen?
Dazu gibt es Hypothesen, aber keine Gewissheit. Embryotox beschreibt Studien, nach denen Übelkeit und Erbrechen mit einer geringeren Rate an Fehl- und Frühgeburten verbunden sein könnten. Gleichzeitig werden nach starkem Schwangerschaftserbrechen ein höheres Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht diskutiert und widersprüchliche Ergebnisse zur Frühgeburt berichtet.
Übelkeit ist daher keine Garantie dafür, dass mit der Schwangerschaft alles in Ordnung ist. Und umgekehrt: Rund 20 bis 30 Prozent der Schwangeren haben laut den genannten Zahlen keine Übelkeit – fehlende Übelkeit ist für sich genommen kein Warnzeichen.
Wenn Sie wegen fehlender oder plötzlich verschwundener Übelkeit unsicher sind, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an.
Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?
Beide Quellen nennen ähnliche Maßnahmen für den Alltag:
- regelmäßig kleine Portionen essen, nach Embryotox kohlenhydrat- und eiweißreich; ein leerer Magen kann die Übelkeit verstärken
- schon vor dem Aufstehen im Bett eine Kleinigkeit essen – der Snack liegt am besten auf dem Nachttisch bereit
- sehr fettige, sehr süße, sehr würzige oder scharfe Speisen meiden
- Gerüche herausfinden und meiden, die Übelkeit auslösen, etwa Parfüm oder bestimmte Essensgerüche
- ausreichend trinken; der Verzicht auf Kaffee, schwarzen Tee und kohlensäurehaltige Getränke kann sich positiv auswirken
Ingwer und Vitamin B6 sowie Akupunktur oder Akupressur scheinen nach beiden Quellen die Übelkeit zu verringern, nicht aber das Erbrechen. Ob und in welcher Form das für Sie passt, besprechen Sie vorher ärztlich. Bei alternativen „Pülverchen“ rät familienplanung.de zur Vorsicht, weil viele nicht auf Sicherheit untersucht sind. Embryotox nennt auch die Einnahme von Eisentabletten als möglichen Auslöser; setzen Sie verordnete Präparate aber nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie das ärztlich an.
Welche Behandlung gibt es, wenn das nicht reicht?
Reichen die Alltagsmaßnahmen nicht, sollten nach Embryotox die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungen mit der Schwangeren besprochen werden, auch unter Einbeziehung früherer Schwangerschaften. Es gibt Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika), darunter bestimmte Antihistaminika, die für diese Anwendung untersucht und teils zugelassen sind. Für schwere Verläufe stehen weitere, stärker wirksame Mittel zur Verfügung, die wegen möglicher Nebenwirkungen nicht als Erstes eingesetzt werden.
Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Embryotox betont, dass Unterstützung ausdrücklich auch eine medikamentöse Behandlung einschließt und dass viele Betroffene zu wenig behandelt werden. Nach einer früheren Schwangerschaft mit schwerem Erbrechen wird eine frühzeitige Behandlung empfohlen.
Embryotox bietet zudem eine kostenlose Beratung zur Sicherheit von Arzneimitteln in der Schwangerschaft an.
Was bedeutet Hyperemesis gravidarum – und wann brauche ich rasch Hilfe?
In etwa 1 Prozent der Schwangerschaften sind die Beschwerden schwerwiegend. Bei der Hyperemesis gravidarum ist eine normale Nahrungsaufnahme nur sehr eingeschränkt möglich, der Alltag ist stark beeinträchtigt, und es kommt zu Flüssigkeitsmangel, Gewichtsverlust und Veränderungen der Blutsalze. familienplanung.de nennt als Anzeichen mehr als 5-maliges Erbrechen am Tag, eine Abnahme um mehr als 5 Prozent des Körpergewichts oder so starke Beschwerden, dass Essen oder Trinken schwerfällt.
Diese Zahlen beschreiben das Krankheitsbild, sie sind keine Wartegrenze. Wenn Sie Flüssigkeit nicht bei sich behalten, kaum essen oder trinken können oder sich sehr schwach fühlen, holen Sie sofort ärztliche Hilfe. Häufig sind dann Flüssigkeit und Blutsalze über die Vene nötig. Embryotox weist darauf hin, dass schon nach einer Woche mit schwerem Erbrechen ein Mangel an Vitamin B1 entstehen kann, der sich unter anderem durch Herzrasen und Muskelschwäche zeigt.
Für den Arztbesuch hilft eine kurze Notiz: wie oft Sie am Tag erbrechen, ob und wie viel Flüssigkeit Sie bei sich behalten, wie viel Sie essen können, ob Sie Gewicht verloren haben, ob Sie Ihren Alltag noch bewältigen und ob Sie in einer früheren Schwangerschaft schon starke Übelkeit hatten.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Häufigkeit: familienplanung.de nennt 80 Prozent Übelkeit und 30 Prozent Erbrechen in den ersten drei Monaten. Embryotox nennt eine große Spanne von 35 bis 91 Prozent und einen Durchschnitt von 70 Prozent. Die Unterschiede ergeben sich aus verschiedenen Studien und Ländern.
Dauer: familienplanung.de schreibt, bei etwa 20 Prozent hielten die Beschwerden die ganze Schwangerschaft an. Embryotox gibt an, dass sie in 90 Prozent der Fälle bis zur 20. Woche verschwinden.
Hilfe: familienplanung.de beschreibt vor allem Alltagsmaßnahmen und rät, Medikamente ärztlich zu besprechen. Embryotox ist eine Fachquelle für Arzneimittel in der Schwangerschaft und beschreibt die medikamentöse Behandlung ausführlich; dieser Ratgeber nennt daraus nur Wirkstoffgruppen, keine einzelnen Mittel oder Dosierungen.
Zusammenfassung
Übelkeit und Erbrechen sind in der Frühschwangerschaft sehr häufig, beginnen meist zwischen der 4. und 7. Woche und enden bei den meisten im Lauf des vierten Monats. Sie treten nicht nur morgens auf. Übelkeit ist weder eine Garantie für eine gesunde Schwangerschaft, noch ist ihr Fehlen ein Warnzeichen.
Kleine, regelmäßige Mahlzeiten, ausreichendes Trinken und das Meiden von Auslösern helfen vielen; reicht das nicht, gibt es ärztliche Behandlungen. Wer kaum essen oder trinken kann, Flüssigkeit nicht bei sich behält oder deutlich abnimmt, braucht sofort ärztliche Hilfe.
Häufige Fragen zur Schwangerschaftsübelkeit
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
In welcher Woche ist Schwangerschaftsübelkeit am schlimmsten?
Eine feste Woche nennen die Quellen nicht. Die Übelkeit beginnt meist zwischen der 4. und 7. Woche und ist in den ersten drei Monaten am häufigsten; bei den meisten endet sie im vierten Monat.
Ist Schwangerschaftsübelkeit ein gutes Zeichen?
Studien deuten einen Zusammenhang mit weniger Fehl- und Frühgeburten an, die Ergebnisse sind aber nicht eindeutig. Übelkeit ist keine Garantie, und ihr Fehlen ist kein Warnzeichen.
Wie fühlt sich Schwangerschaftsübelkeit an?
Von einem flauen Gefühl bis zu ständigem Brechreiz, oft verstärkt durch Gerüche oder einen leeren Magen. Viele empfinden sie den ganzen Tag, nicht nur morgens, und haben eine Abneigung gegen bestimmte Speisen.
Was kann ich verträglich trinken?
Die Quellen empfehlen, ausreichend zu trinken, und nennen den Verzicht auf Kaffee, schwarzen Tee und kohlensäurehaltige Getränke als mögliche Hilfe. Wer Flüssigkeit nicht bei sich behält, braucht ärztliche Hilfe.
Was bedeutet Hyperemesis?
Hyperemesis gravidarum ist schweres Schwangerschaftserbrechen in etwa 1 Prozent der Schwangerschaften: Essen und Trinken sind kaum möglich, es kommt zu Flüssigkeitsmangel und Gewichtsverlust. Sie muss ärztlich behandelt werden.
Wann brauche ich rasch Hilfe?
Wenn Sie kaum essen oder trinken können, Flüssigkeit nicht bei sich behalten, deutlich abnehmen, sich sehr schwach fühlen oder Herzrasen haben. Warten Sie dann nicht ab, sondern holen Sie sofort ärztliche Hilfe.
Quellen
- familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Beschwerden in der Schwangerschaft – Übelkeit und Erbrechen, Stand 19.07.2023
- Embryotox – Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (Charité – Universitätsmedizin Berlin): Emesis gravidarum / Hyperemesis gravidarum
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
