Was ist Spielsucht? Ist das dasselbe wie Gaming?
Glücksspielsucht, auch pathologisches Spielen genannt, ist nach gesund.bund.de eine Suchterkrankung mit einem starken Verlangen nach Glücksspielen, bei denen Geld oder Wertgegenstände eingesetzt werden. Betroffene können nicht aufhören, selbst wenn sie hohe Verluste erleiden, sich verschulden und Familie, Partnerschaft oder Beruf gefährden.
Ist das dasselbe wie Gaming? Nein. Dieser Ratgeber behandelt Spiele um Geld oder Werte. Ein problematischer Umgang mit Computer- oder Handyspielen ohne Geldeinsatz ist ein eigenes Thema, das die hier genutzten Quellen nicht behandeln.
Welche Symptome haben Spielsüchtige? Welche Warnzeichen sind wichtig?
Zu den typischen Merkmalen einer Glücksspielsucht zählen nach gesund.bund.de:
- Der Drang zu spielen ist schwer kontrollierbar.
- Die Gedanken kreisen ständig um das Glücksspiel.
- Persönliche, familiäre und berufliche Pflichten werden vernachlässigt.
- Verluste sollen durch erneutes Spielen ausgeglichen werden („Chasing“).
- Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben, werden aufgegeben.
- Versuche, mit dem Spielen aufzuhören, scheitern.
- Stimmungsschwankungen und plötzliche Wutausbrüche.
- Manche lügen oder begehen Straftaten, um an Geld zu kommen.
Nicht jeder Mensch mit Spielsucht zeigt alle Merkmale. Wie benehmen sich Spielsüchtige? Häufig versuchen sie, das Problem zu verheimlichen und es sich nicht einzugestehen; oft sind es Angehörige, die es zuerst ansprechen.
Was sind die Auslöser für Spielsucht?
Die meisten Menschen spielen irgendwann im Leben um Geld, nur ein kleiner Teil wird süchtig. Als besonders gefährdet gelten nach gesund.bund.de Männer, Jugendliche und junge Erwachsene, Menschen mit geringem Einkommen oder ohne Arbeit, Menschen mit geringer Schulbildung, Menschen mit Migrationshintergrund und Angehörige von Glücksspielsüchtigen, besonders Kinder aus belasteten Familien.
Auch die Spielform zählt. Geldspielautomaten, Online-Glücksspiele und Live-Sportwetten haben ein besonders hohes Suchtpotenzial, unter anderem durch:
- die schnelle Abfolge von Ereignissen
- häufige Beinahe-Gewinne
- verlockende Gewinnmöglichkeiten und hohe Verfügbarkeit
- die Umwandlung von Geld in Spielpunkte, die Verluste verharmlost
- die Illusion, das Geschehen kontrollieren zu können
Riskant sind außerdem Casinospiele und Online-Poker. Internet und Smartphone erleichtern den Zugang.
Wie häufig ist Spielsucht und wie verläuft sie?
Knapp 80 Prozent der Menschen in Deutschland haben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Als glücksspielsüchtig gelten nach einer Studie von 2023 etwa 2,4 Prozent der Erwachsenen, Männer häufiger als Frauen. Andere Erhebungen kommen mit anderen Methoden zu anderen Zahlen; die Werte sind daher nicht direkt vergleichbar.
gesund.bund.de beschreibt einen typischen Verlauf in drei Phasen. Nicht jeder durchläuft sie gleich:
- Gewinnphase: Anfängliche Gewinne vermitteln ein positives Bild; Gewinne werden zunehmend dem eigenen Geschick zugeschrieben statt dem Zufall.
- Verlustphase: Spielhäufigkeit und Einsätze steigen, Verluste sollen zurückgeholt werden; ein zeitweiser Verzicht ist noch möglich.
- Verzweiflungsphase: Kontrollverlust über Spielzeiten und Einsätze, Lügen, Angst und Schuldgefühle nehmen zu; Verschuldung, Beziehungs- und Berufsprobleme, Depressionen, Suizidgedanken und weitere Abhängigkeiten wie von Alkohol können folgen.
Kann ein Selbsttest eine Spielsucht diagnostizieren?
Nein. Ein Selbsttest im Internet kann einen ersten Hinweis geben, ersetzt aber nach gesund.bund.de nicht die ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose. Die Diagnose stellen Ärztinnen und Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, meist mithilfe kurzer Fragebögen, die Betroffene selbst ausfüllen. Bei Verdacht kann man sich auch an eine Suchtberatungsstelle wenden.
Hilfreiche Fragen zur Selbstbeobachtung nennt das Programm Check dein Spiel: Wie oft spiele ich und welche Glücksspiele? Zu welchen Anlässen und in welchen Situationen spiele ich? Welche Gedanken und Gefühle habe ich vor, während und nach dem Spielen?
Wie kommt man von Spielsucht weg?
Hilfe bieten ambulante Suchtberatungsstellen, Psychotherapie, stationäre Fachkliniken und Selbsthilfegruppen. Nur etwa jede fünfte betroffene Person nimmt Hilfe in Anspruch, oft aus Scham oder dem Wunsch, das Problem allein zu lösen. Eine ambulante Behandlung kommt infrage, wenn das soziale Umfeld unterstützt, man aktiv mitarbeiten und auf das Spielen verzichten kann und die Einrichtung gut erreichbar ist; sonst oder bei weiteren Erkrankungen und Abhängigkeiten kann eine stationäre Behandlung helfen. Inhalte der Behandlung sind unter anderem:
- das Problem einsehen und Ursachen aufdecken
- Motivation zur Veränderung aufbauen und Selbstkontrolle stärken
- lernen, mit Geld und Schulden umzugehen
- soziale Kontakte aufbauen, Entspannung und Problemlösen lernen
- Strategien gegen Rückfälle erarbeiten
Spielersperre, Online-Programme und Rückfälle
Eine Glücksspielsperre verhindert die Teilnahme am Glücksspiel und gilt nach gesund.bund.de als erfolgversprechendes Hilfsmittel. In Deutschland kann man eine Selbstsperre einrichten; Angehörige oder Anbieter können eine Fremdsperre beantragen. An das bundesweite Sperrsystem OASIS sind unter anderem Spielbanken, Automatenbetreiber, zugelassene Wettbüros und Online-Anbieter angeschlossen. Außerhalb Deutschlands gelten andere Regeln; erkundigen Sie sich im jeweiligen Land.
Das kostenlose Online-Programm „Check Out“ des BIÖG begleitet vier Wochen lang (verlängerbar auf 50 Tage) mit Aufnahme- und Abschlussgespräch im Chat, einem Online-Tagebuch, Übungen und wöchentlicher Rückmeldung einer Beraterin oder eines Beraters. Es kann nach eigener Aussage nur einen Beitrag leisten und empfiehlt zusätzlich Unterstützung durch nahestehende Menschen, Selbsthilfe oder Behandlung.
Was bedeutet ein Rückfall? Wer trotz guter Vorsätze gespielt hat, soll das im Programm ebenfalls eintragen und mit der Beratung besprechen. Auch in der Behandlung sind Rückfälle ein Thema: Sie erarbeitet gezielt Strategien, um sie zu verhindern.
Was können Angehörige tun? Wie beginnt Hilfe?
Angehörige sprechen das Problem oft als Erste an. Sie werden oft in die Therapie einbezogen und können in Deutschland eine Fremdsperre beantragen. Ein erster Schritt je nach Situation:
- Wenn Sie selbst spielen: mit einer Suchtberatungsstelle, Ärztin, Arzt oder Psychotherapeutin sprechen; eine Spielersperre prüfen; ein Online-Programm als Einstieg nutzen.
- Wenn Sie Angehörige sind: das Problem ansprechen und auf Beratungs- und Hilfsangebote hinweisen. Kontrolle über Geld oder Konten des anderen nur im Einvernehmen und mit fachlicher Begleitung.
- In der Krise: bei Suizidgedanken sofort Notruf 112 oder Notaufnahme.
In Deutschland ist das Beratungstelefon des BIÖG kostenlos und anonym unter 0800 137 27 00 erreichbar (Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr). Wer in einem anderen Land lebt, sucht am besten die dortigen Suchthilfeangebote.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Art der Quelle: gesund.bund.de (Stand 03.09.2025) informiert umfassend über Erkrankung, Risiko, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung. Check dein Spiel beschreibt ein konkretes Online-Beratungsprogramm und dessen Ablauf.
Rolle von Online-Hilfe: Beide sehen Online-Angebote als Unterstützung, nicht als Ersatz für weitere Hilfe; Check dein Spiel betont selbst, nur einen Beitrag leisten zu können.
Deutschland-Bezug: Kostenübernahme durch Krankenkassen, Kommunen oder Rentenversicherung, das Sperrsystem OASIS und die Telefonnummern gelten für Deutschland und lassen sich nicht auf andere Länder übertragen.
Zusammenfassung
- Spielsucht ist eine anerkannte Erkrankung mit Kontrollverlust über Spiele um Geld.
- Warnzeichen: ständige Gedanken ans Spielen, Chasing, vernachlässigte Pflichten, gescheiterte Aufhörversuche.
- Automaten, Online-Glücksspiel und Live-Sportwetten sind besonders riskant.
- Ein Selbsttest gibt Hinweise, ersetzt aber keine Diagnose.
- Beratung, Psychotherapie, Selbsthilfe, Online-Programme und Spielersperren helfen.
- Bei Suizidgedanken sofort Hilfe holen.
In unserer Praxis in Bilbao kann die Psychologie Erwachsenen bei einem ersten Gespräch helfen, die Situation einzuordnen und passende spezialisierte Suchthilfe zu finden (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Häufige Fragen zur Spielsucht
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Welche Symptome haben Spielsüchtige?
Schwer kontrollierbarer Drang zu spielen, ständige Gedanken ans Glücksspiel, Versuche, Verluste zurückzuspielen, vernachlässigte Pflichten, gescheiterte Aufhörversuche und Stimmungsschwankungen.
Wie benehmen sich Spielsüchtige?
Viele verheimlichen das Spielen, ziehen sich von früheren Hobbys zurück und geraten in finanzielle Schwierigkeiten. Nicht alle zeigen dieselben Zeichen.
Was sind die Auslöser für Spielsucht?
Ein Zusammenspiel aus persönlichen Risikofaktoren und der Spielform. Automaten, Online-Glücksspiele und Live-Sportwetten haben ein besonders hohes Suchtpotenzial.
Wie kommt man von Spielsucht weg?
Mit Unterstützung: Suchtberatung, Psychotherapie, gegebenenfalls Fachklinik, Selbsthilfegruppen und Online-Programme. Eine Spielersperre kann zusätzlich schützen.
Kann ein Selbsttest diagnostizieren?
Nein. Er kann einen ersten Hinweis geben; die Diagnose stellen Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Was können Angehörige tun?
Das Problem ansprechen, auf Hilfsangebote hinweisen und sich in die Therapie einbeziehen lassen. In Deutschland können sie zudem eine Fremdsperre beantragen.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de: Glücksspielsucht (pathologisches Spielen)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Check dein Spiel: Ausstiegsprogramm „Check Out“ – häufig gestellte Fragen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
