Wo sind die Mandeln?
Wenn Sie den Mund weit öffnen und die Zunge herunterdrücken, sehen Sie links und rechts hinten im Rachen, zwischen zwei Schleimhautfalten (den Gaumenbögen), die Gaumenmandeln. Sie sind gemeint, wenn im Alltag von den Mandeln die Rede ist.
Weitere Mandeln liegen verborgen: Die Rachenmandel sitzt hinten oben im Nasenrachen, über dem Gaumensegel. Vergrößert wird sie bei Kindern oft als Polypen bezeichnet. Die Zungenmandel liegt am Zungengrund, die Seitenstränge an der Rachenhinterwand und die Tubenmandeln an den Öffnungen der Ohrtrompeten. Zusammen bilden sie den sogenannten Waldeyerschen Rachenring.
Wie sehen normale Mandeln aus?
- Rosafarben wie die übrige Mundschleimhaut.
- Leicht zerklüftete Oberfläche mit kleinen Grübchen, den Krypten.
- Beide Seiten etwa gleich groß; leichte Unterschiede sind normal.
- Größe sehr unterschiedlich: Bei Kindern oft groß, bei Erwachsenen manchmal kaum sichtbar.
- Kleine weiße oder gelbliche Pünktchen in den Krypten können Mandelsteine sein.
- Rötung, dicke Schwellung, weiße Beläge oder Eiterstippchen sprechen für eine Entzündung.
Wozu sind die Mandeln gut?
Die Mandeln bestehen aus lymphatischem Gewebe, ähnlich wie Lymphknoten. Durch ihre zerklüftete Oberfläche kommen sie mit vielen Stoffen in Kontakt, die wir einatmen oder schlucken. Immunzellen in den Mandeln erkennen Krankheitserreger, bilden Antikörper und trainieren so die Abwehr.
Diese Aufgabe ist in den ersten Lebensjahren besonders wichtig, wenn das Immunsystem viele Erreger zum ersten Mal kennenlernt. Mit zunehmendem Alter übernehmen andere Teile des Immunsystems diese Arbeit, und die Mandeln bilden sich meist zurück. Werden die Mandeln entfernt, ist die Abwehr nach heutigem Wissen nicht nennenswert geschwächt.
Mandelentzündung
Die häufigste Erkrankung der Mandeln ist die Entzündung (Tonsillitis oder Angina). Sie wird meist durch Viren, seltener durch Bakterien wie Streptokokken verursacht. Typisch sind Halsschmerzen beim Schlucken, gerötete und geschwollene Mandeln, oft mit Belägen, Fieber und geschwollene Lymphknoten am Hals.
Laut gesundheitsinformation.de klingt eine Mandelentzündung meist innerhalb von etwa einer Woche von selbst ab. Schmerzmittel lindern die Beschwerden. Antibiotika können bei einer bakteriellen Ursache sinnvoll sein, verkürzen die Krankheitsdauer aber nur wenig. Eine gefürchtete, seltene Komplikation ist ein Abszess neben der Mandel.
Vergrößerte Mandeln
Große Mandeln sind bei Kindern häufig und meist harmlos. Behindern sie jedoch die Atmung, kann das zu lautem Schnarchen, Atempausen im Schlaf, Mundatmung, unruhigem Schlaf und Tagesmüdigkeit führen. Eine vergrößerte Rachenmandel kann zudem die Nasenatmung behindern und Mittelohrentzündungen sowie Paukenergüsse begünstigen, weil sie die Ohrtrompeten einengt.
Bei Erwachsenen sind auffällig große oder deutlich ungleiche Mandeln seltener. Eine einseitige Vergrößerung ohne Entzündungszeichen sollte HNO-ärztlich abgeklärt werden, um seltene Tumoren auszuschließen.
Mandelsteine
In den Krypten der Gaumenmandeln können sich Speisereste, abgestorbene Zellen und Bakterien sammeln und zu kleinen, weißlich-gelben, übel riechenden Klümpchen verhärten. Diese Mandelsteine (Tonsillolithen) sind harmlos, können aber Mundgeruch, ein Fremdkörpergefühl oder einen unangenehmen Geschmack verursachen.
Gründliche Mundhygiene, Gurgeln und ausreichend Trinken können helfen. Versuchen Sie nicht, Mandelsteine mit spitzen Gegenständen zu entfernen, da das die Schleimhaut verletzen kann. Bei häufigen, stark störenden Mandelsteinen kann die HNO-Praxis beraten.
Wann werden die Mandeln entfernt?
Die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) oder ihre Verkleinerung (Tonsillotomie) wird heute zurückhaltender empfohlen als früher. Die Leitlinie der amerikanischen HNO-Fachgesellschaft zur Tonsillektomie bei Kindern nennt vor allem zwei Gründe: sehr häufige, gut dokumentierte Halsentzündungen – zum Beispiel mindestens sieben Episoden im letzten Jahr – und eine durch vergrößerte Mandeln gestörte Atmung im Schlaf.
Bei Kindern mit vergrößerten Mandeln und Atemproblemen im Schlaf wird oft die Tonsillotomie gewählt, bei der ein Teil des Gewebes erhalten bleibt. Sie ist weniger schmerzhaft und hat ein geringeres Nachblutungsrisiko. Die Rachenmandel wird bei Bedarf in derselben Narkose entfernt.
Nach einer Mandeloperation
- Halsschmerzen beim Schlucken für ein bis zwei Wochen sind normal und werden mit Schmerzmitteln behandelt.
- Weißliche Beläge in den Wundflächen gehören zur Heilung.
- Weiche, nicht saure und nicht zu heiße Kost erleichtert das Essen.
- Viel trinken ist wichtig, auch wenn das Schlucken weh tut.
- Körperliche Anstrengung etwa zwei Wochen meiden.
- Bei jeder Nachblutung sofort die Klinik aufsuchen oder den Notruf 112 wählen.
Mandeln selbst ansehen
Mit einem Spiegel und einer Taschenlampe können Sie Ihre Gaumenmandeln selbst betrachten. Öffnen Sie den Mund weit, strecken Sie die Zunge heraus und sagen Sie laut »Aaah« – dabei hebt sich das Gaumensegel, und die Mandeln werden seitlich sichtbar. Ein Löffelstiel, mit dem Sie die Zunge sanft herunterdrücken, kann helfen.
Wichtig ist vor allem der Vergleich: Sind beide Seiten etwa gleich, rosa und ohne Beläge, ist meist alles in Ordnung. Fällt Ihnen eine neue, deutliche Schwellung nur auf einer Seite, ein Geschwür oder eine Verfärbung auf, die nach zwei bis drei Wochen nicht verschwunden ist, lassen Sie das ärztlich ansehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sichtbar sind nur die Gaumenmandeln, seitlich hinten im Rachen.
- Die Mandeln gehören zum Immunsystem und sind in der Kindheit am aktivsten.
- Normale Mandeln sind rosa, leicht zerklüftet und unterschiedlich groß.
- Häufige Probleme sind Entzündungen, vergrößerte Mandeln und Mandelsteine.
- Eine Operation wird nur bei häufigen Entzündungen oder Atemproblemen empfohlen.
Häufige Fragen zu den Mandeln
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Hat jeder Mensch Mandeln?
Ja, alle Menschen haben Mandeln, außer sie wurden operativ entfernt. Bei Erwachsenen sind sie oft so klein, dass man sie kaum sieht.
Sind große Mandeln gefährlich?
Meist nicht. Problematisch werden sie, wenn sie Atmung oder Schlucken behindern oder einseitig vergrößert sind.
Kann man ohne Mandeln leben?
Ja. Andere Teile des Immunsystems übernehmen ihre Aufgaben. Die Abwehr ist nach einer Entfernung nicht nennenswert geschwächt.
Was sind weiße Punkte auf den Mandeln?
Das können Mandelsteine oder Eiterstippchen bei einer Entzündung sein. Kommen Fieber und Halsschmerzen hinzu, spricht das für eine Entzündung.
Können Mandeln nachwachsen?
Nach einer vollständigen Entfernung nicht. Nach einer Verkleinerung kann das verbliebene Gewebe wieder etwas wachsen.
Was sind Polypen bei Kindern?
Umgangssprachlich ist damit meist die vergrößerte Rachenmandel im Nasenrachen gemeint, nicht die Nasenpolypen bei Erwachsenen.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Erkrankungen der Rachenmandeln
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Rachen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Mandelentzündung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Mandelentzündung
- Mitchell RB, et al. Clinical practice guideline: tonsillectomy in children (update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2019
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.