Was ist die Syndesmose?
Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) bilden am unteren Ende die Knöchelgabel, in die das Sprungbein eingepasst ist. Die Syndesmose besteht aus mehreren straffen Bändern und einer Membran zwischen beiden Knochen. Sie hält die Gabel stabil, lässt aber beim Abrollen des Fußes eine minimale Bewegung zu. Ist die Syndesmose verletzt, wird die Gabel instabil und das Sprunggelenk kann nicht mehr sicher belastet werden.
Wie entsteht eine Syndesmoseverletzung?
- Außendrehung des Fußes bei feststehendem Unterschenkel, etwa beim Tackling im Fußball.
- Skistürze mit verdrehtem Fuß in der Bindung.
- Kombination mit einem Bruch des Wadenbeins oder Innenknöchels.
- Schwere Umknickverletzungen.
Unterschied zum normalen Umknicken
Beim typischen Umknicken nach außen reißen die Außenbänder unterhalb des Außenknöchels. Bei der Syndesmoseverletzung sitzt der Schmerz dagegen höher, vorne zwischen Schienbein und Wadenbein. Die Beschwerden sind oft länger anhaltend, und Drehbewegungen sowie das Abdrücken beim Gehen schmerzen stärker. Mehr zur häufigeren Außenbandverletzung im Ratgeber Sprunggelenk verstaucht.
Typische Symptome
- Schmerzen vorne oberhalb des Sprunggelenks.
- Schwellung, oft geringer als beim Außenbandriss.
- Schmerzen beim Zusammendrücken von Schienbein und Wadenbein in der Wadenmitte (Squeeze-Test).
- Schmerzen bei Außendrehung des Fußes.
- Probleme beim Abrollen, Treppensteigen und Springen.
Diagnose
Die Ärztin untersucht das Sprunggelenk mit speziellen Tests, etwa dem Squeeze-Test und dem Außenrotationstest. Röntgenaufnahmen unter Belastung zeigen, ob sich die Knöchelgabel erweitert, und schließen Brüche aus. Eine MRT stellt die Bänder genau dar und hilft, das Ausmaß der Verletzung zu beurteilen. Entscheidend für die Behandlung ist die Frage, ob die Syndesmose stabil oder instabil ist.
Behandlung stabiler Verletzungen
Stabile Syndesmoseverletzungen werden ohne Operation behandelt. In den ersten ein bis drei Wochen wird das Sprunggelenk oft mit einem Spezialschuh oder einer Orthese geschützt und mit Gehstützen teilbelastet. Danach folgen schrittweise Belastungsaufbau, Beweglichkeits-, Kraft- und Gleichgewichtstraining. Die Rückkehr zum Sport dauert meist sechs bis zehn Wochen, manchmal länger.
Operation bei instabiler Syndesmose
Weicht die Knöchelgabel auseinander, wird operiert, damit das Sprunggelenk wieder exakt passt. Dabei werden Schienbein und Wadenbein mit einer Stellschraube oder einem Faden-Anker-System (TightRope) fixiert, häufig gemeinsam mit der Versorgung eines Bruchs. Eine Fehlstellung erhöht langfristig das Risiko für Arthrose, deshalb ist eine genaue Wiederherstellung wichtig. Nach der Operation folgen mehrere Wochen Teilbelastung.
Rehabilitation
- Schwellung kontrollieren: Hochlagern, Kompression, Lymphdrainage nach Bedarf.
- Beweglichkeit wiederherstellen, besonders das Anziehen des Fußes.
- Waden- und Fußmuskulatur kräftigen.
- Gleichgewichtstraining auf stabilem, dann instabilem Untergrund.
- Lauf-, Sprung- und Richtungswechseltraining in der späten Phase.
Unsere Physiotherapie begleitet Sie Schritt für Schritt zurück in Alltag und Sport.
Wie lange dauert die Heilung?
Syndesmoseverletzungen heilen langsamer als Außenbandverletzungen. Bei stabilen Verletzungen dauert die Rückkehr zum Sport meist sechs bis zehn Wochen, nach einer Operation häufig drei bis vier Monate oder länger. Manche Menschen spüren noch Monate später Beschwerden bei intensiver Belastung. Ein zu früher Wiedereinstieg erhöht das Risiko für anhaltende Instabilität.
Mögliche Spätfolgen
Bleibt eine Instabilität unbemerkt oder heilt die Syndesmose in falscher Stellung, können chronische Schmerzen, Schwellungen und eine frühe Arthrose des Sprunggelenks folgen. Auch Verkalkungen zwischen Schienbein und Wadenbein sind möglich. Deshalb ist es wichtig, bei anhaltenden Beschwerden nach einer Sprunggelenkverletzung an eine Syndesmoseverletzung zu denken.
Vorbeugen
- Regelmäßiges Gleichgewichts- und Koordinationstraining.
- Kräftigung der Unterschenkel- und Fußmuskulatur.
- Gut sitzendes Schuhwerk und angepasste Skibindungen.
- Nach Verletzungen vollständige Reha vor der Rückkehr zum Sport.
Syndesmoseverletzung mit Knöchelbruch
Häufig tritt eine Syndesmoseverletzung zusammen mit einem Bruch des Außenknöchels oder Wadenbeins auf. Je nach Höhe des Bruchs ist die Syndesmose mitverletzt oder nicht. Bei der Operation des Bruchs prüft der Operateur deshalb die Stabilität der Syndesmose und fixiert sie bei Bedarf zusätzlich. Die Nachbehandlung richtet sich dann nach der Bruchversorgung und dauert oft länger.
Schuhe und Orthesen in der Reha
In der frühen Phase schützt ein Walker oder eine stabile Sprunggelenkorthese das Gelenk vor Drehbewegungen. Später helfen feste Schuhe mit gutem Halt. Beim Sport kann eine Sprunggelenkorthese oder ein Tape in der Übergangszeit zusätzliche Sicherheit geben. Langfristig ist eine kräftige, gut koordinierte Muskulatur der beste Schutz.
Warum Syndesmoseverletzungen oft übersehen werden
Weil Schwellung und Bluterguss bei Syndesmoseverletzungen oft geringer sind als beim Außenbandriss, werden sie anfangs leicht als einfache Verstauchung eingeschätzt. Hinweise sind Schmerzen oberhalb des Knöchels, ein positiver Squeeze-Test und Beschwerden, die nach zwei bis drei Wochen nicht deutlich besser werden. Dann sollte gezielt nachuntersucht werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Syndesmose verbindet Schienbein und Wadenbein über dem Sprunggelenk.
- Verletzungen entstehen meist durch Außendrehung des Fußes.
- Stabile Verletzungen werden konservativ, instabile operativ behandelt.
- Die Heilung dauert länger als beim normalen Umknicken.
Häufige Fragen zur Syndesmoseverletzung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange dauert ein Syndesmoseriss?
Bei stabilen Verletzungen meist sechs bis zehn Wochen, nach Operation drei bis vier Monate oder länger.
Muss ein Syndesmoseriss immer operiert werden?
Nein, nur wenn die Knöchelgabel instabil ist.
Wird die Stellschraube wieder entfernt?
Häufig ja, nach etwa sechs bis zwölf Wochen; bei Fadensystemen meist nicht.
Darf ich mit Syndesmoseverletzung auftreten?
Das hängt von der Stabilität ab; anfangs meist nur teilbelastet mit Gehstützen.
Was ist der Squeeze-Test?
Ein Test, bei dem Schienbein und Wadenbein in der Wadenmitte zusammengedrückt werden; Schmerzen am Sprunggelenk sprechen für eine Syndesmoseverletzung.
Hilft ein Tape?
In der späten Reha kann ein Tape das Sicherheitsgefühl verbessern, es ersetzt aber kein Training.
Wann kann ich wieder Fußball spielen?
Erst wenn Sie schmerzfrei springen, sprinten und die Richtung wechseln können.
Wie unterscheide ich eine Syndesmoseverletzung von einer Verstauchung?
Der Schmerz sitzt höher, vorne zwischen Schienbein und Wadenbein, und Drehbewegungen schmerzen besonders.
Bleibt nach einer Syndesmoseverletzung etwas zurück?
Die meisten heilen gut aus; bei unerkannter Instabilität können jedoch Schmerzen und eine frühe Arthrose folgen, daher ist eine gute Diagnostik wichtig.
Hilft Kühlen in den ersten Tagen?
Ja, Kühlen, Hochlagern und eine leichte Kompression verringern Schwellung und Schmerzen in der akuten Phase.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Sprunggelenkverstauchung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Sprunggelenkverstauchung
- Williams GN, et al. Syndesmotic ankle sprains in athletes. Am J Sports Med. 2007
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
