Was ist der Schleimbeutel am Ellenbogen?
Über dem Ellenhaken (Olekranon), dem spitzen Knochen an der Rückseite des Ellenbogens, liegt ein flacher Schleimbeutel. Er sorgt dafür, dass die Haut beim Beugen und Strecken über den Knochen gleiten kann. Normalerweise ist er kaum zu spüren. Bei Reizung füllt er sich mit Flüssigkeit und wird als weiche, verschiebliche Schwellung sichtbar.
Ursachen
- Häufiges Aufstützen auf den Ellenbogen, etwa am Schreibtisch oder beim Autofahren („Studentenellenbogen“).
- Stoß oder Sturz auf den Ellenbogen.
- Kleine Hautverletzungen, über die Bakterien eindringen.
- Berufe mit viel Arbeit auf den Ellenbogen, zum Beispiel Fliesenleger oder Installateure.
- Gicht oder rheumatische Erkrankungen.
- Dialyse, Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem erhöhen das Infektionsrisiko.
Typische Symptome
- Weiche, prall-elastische Schwellung an der Ellenbogenspitze, manchmal schnell wachsend.
- Druckschmerz, besonders beim Aufstützen.
- Beugen und Strecken meist nur bei starker Schwellung eingeschränkt.
- Bei Infektion: Rötung, Überwärmung, starke Schmerzen, manchmal Fieber.
Infiziert oder nicht?
Die wichtigste Frage ist, ob Bakterien beteiligt sind. Eine nicht infizierte Bursitis ist meist kaum gerötet und wenig schmerzhaft. Bei einer infizierten Bursitis ist die Haut gerötet und warm, die Schmerzen sind stark, oft besteht eine Wunde oder Schürfung. Im Zweifel wird mit einer dünnen Nadel etwas Flüssigkeit entnommen und untersucht. Auch Blutwerte helfen bei der Einschätzung.
Diagnose
Meist genügt die Untersuchung. Ein Ultraschall zeigt Größe und Inhalt des Schleimbeutels und ob sich Abszesse gebildet haben. Ein Röntgenbild kann bei Verdacht auf einen Knochensporn, Bruch oder Gicht sinnvoll sein. Die Punktion klärt, ob Bakterien oder Harnsäurekristalle enthalten sind. Abgegrenzt werden Ellenbogenschmerzen anderer Ursache wie der Tennisarm, der außen am Ellenbogen schmerzt, aber nicht anschwillt.
Was Sie selbst tun können
- Den Ellenbogen nicht mehr aufstützen und Druck vermeiden.
- Kühlen mehrmals täglich, nie direkt mit Eis auf der Haut.
- Einen elastischen Kompressionsverband anlegen, wenn er angenehm ist.
- Kurzzeitig entzündungshemmende Schmerzmittel nach Rücksprache.
- Ellenbogenpolster bei Arbeiten auf den Knien oder Ellenbogen.
Eine nicht infizierte Bursitis bildet sich so oft innerhalb einiger Wochen zurück.
Punktion und Kortison
Bei großer, störender Schwellung kann die Flüssigkeit mit einer Nadel abgelassen werden. Danach füllt sich der Schleimbeutel allerdings häufig wieder. Eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel kann die Rückbildung beschleunigen, birgt aber das Risiko einer Infektion, Hautverdünnung oder Fistelbildung. Deshalb wird sie zurückhaltend und nur bei sicher nicht infizierter Bursitis eingesetzt.
Behandlung der infizierten Bursitis
Eine bakterielle Bursitis wird mit Antibiotika behandelt, bei leichten Formen als Tabletten, bei schweren Verläufen auch als Infusion im Krankenhaus. Oft wird der Schleimbeutel zusätzlich punktiert oder gespült. Bildet sich ein Abszess oder bessert sich die Infektion nicht, wird der Schleimbeutel operativ entfernt. Der Arm wird in dieser Zeit geschont und hochgelagert.
Wann wird operiert?
Eine Operation (Bursektomie) ist sinnvoll bei infizierter Bursitis, die nicht auf Antibiotika anspricht, bei Abszessen und bei immer wiederkehrender Schwellung. Der Schleimbeutel wird offen oder endoskopisch entfernt. Danach wird der Ellenbogen einige Tage bis Wochen ruhiggestellt. Wundheilungsstörungen sind am Ellenbogen nicht selten, weil die Haut dort dünn ist und viel bewegt wird.
Wenn die Schwellung immer wiederkommt
Bei wiederholtem Druck kann der Schleimbeutel dauerhaft verdickt bleiben und sich immer wieder füllen. Dann lohnt es sich, Auslöser im Alltag konsequent zu meiden, Polster zu nutzen und Grunderkrankungen wie Gicht behandeln zu lassen. Bei häufigen Rückfällen kann eine operative Entfernung sinnvoll sein.
Ellenbogen im Alltag schützen
- Armlehnen polstern oder Gelpolster unter den Ellenbogen legen.
- Beim Lesen und am Schreibtisch die Unterarme statt der Ellenbogen auflegen.
- Schürfwunden am Ellenbogen sorgfältig reinigen und abdecken.
- Bei Arbeiten auf dem Boden Ellenbogenschoner tragen.
Wie lange dauert die Heilung?
Eine nicht infizierte Bursitis bildet sich meist innerhalb von zwei bis sechs Wochen zurück, manchmal dauert es länger. Eine infizierte Bursitis bessert sich mit Antibiotika meist innerhalb weniger Tage; die Schwellung braucht aber oft mehrere Wochen, bis sie ganz verschwunden ist. Nach einer Operation dauert die Heilung zwei bis vier Wochen.
Ellenbogen-Bursitis im Sport
Sportarten mit häufigen Stürzen auf den Ellenbogen, etwa Volleyball, Handball, Ringen oder Skateboarden, und Sportarten mit viel Aufstützen wie Yoga oder Klettern erhöhen das Risiko. Gepolsterte Ellenbogenschoner schützen. Nach einer abgeheilten Bursitis sollte der Ellenbogen einige Wochen lang besonders vor Druck und Stößen geschützt werden, um einen Rückfall zu vermeiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen zeigt sich als weiche Schwellung an der Ellenbogenspitze.
- Häufige Ursachen sind Aufstützen, Stöße und kleine Wunden.
- Nicht infizierte Formen heilen meist mit Schonung und Kühlen.
- Rötung, Überwärmung und Fieber sprechen für eine Infektion und erfordern rasche Behandlung.
Häufige Fragen zur Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Geht eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen von selbst weg?
Eine nicht infizierte Bursitis bildet sich oft innerhalb weniger Wochen zurück, wenn der Druck wegfällt.
Soll ich die Flüssigkeit selbst ausdrücken?
Nein, das kann eine Infektion begünstigen; eine Punktion gehört in ärztliche Hände.
Hilft Kühlen oder Wärme?
In der akuten Phase hilft Kühlen; Wärme sollte bei Verdacht auf Infektion vermieden werden.
Brauche ich Antibiotika?
Nur bei infizierter Bursitis; bei nicht infizierter Form helfen sie nicht.
Kann ich mit Schleimbeutelentzündung Sport machen?
Sport ohne Druck auf den Ellenbogen ist meist möglich; Stürze und Aufstützen vermeiden.
Ist die Schwellung gefährlich?
Meist nicht; Rötung, Überwärmung und Fieber sind aber Warnzeichen.
Kann Gicht eine Bursitis verursachen?
Ja, Harnsäurekristalle können den Schleimbeutel am Ellenbogen entzünden.
Wie lange sollte ich den Ellenbogen schonen?
Bis die Schwellung deutlich zurückgegangen ist, meist einige Wochen; Druck sollte auch danach vermieden werden.
Muss eine Ellenbogen-Bursitis punktiert werden?
Nicht immer. Bei Verdacht auf eine Infektion hilft die Punktion, Erreger nachzuweisen; bei einer einfachen Reizung reichen oft Schonung, Kühlung und Schutz vor Druck.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schleimbeutelentzündung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie kann eine Schleimbeutelentzündung behandelt werden?
- Baumbach SF, et al. Prepatellar and olecranon bursitis: literature review and development of a treatment algorithm. Arch Orthop Trauma Surg. 2014
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
