Wie funktioniert unser Geschmack?
Auf der Zunge, am Gaumen und im Rachen sitzen Tausende Geschmacksknospen. Sie erkennen die Grundgeschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami. Das eigentliche Aroma einer Speise nehmen wir aber über die Nase wahr, wenn Duftstoffe beim Kauen nach hinten in den Nasenraum aufsteigen. Deshalb schmeckt bei verstopfter Nase vieles fad. Störungen können also von Mund, Nase, Nerven oder Gehirn ausgehen.
Metallischer Geschmack
- Medikamente, zum Beispiel bestimmte Antibiotika, Metformin, Blutdruckmittel oder Lithium.
- Nahrungsergänzungen mit Eisen, Zink oder Kupfer.
- Zahnfleischentzündung oder Zahnfleischbluten.
- Schwangerschaft, besonders in den ersten Wochen.
- Erkältung und Nasennebenhöhlenentzündung.
- Chemotherapie und Strahlentherapie.
Bitterer Geschmack
- Rückfluss von Magensäure oder Galle, oft morgens. Mehr dazu im Ratgeber Sodbrennen.
- Mundtrockenheit, etwa durch Mundatmung in der Nacht.
- Medikamente und Rauchen.
- Pinienkernsyndrom: Nach dem Verzehr bestimmter Pinienkerne hält ein bitterer Geschmack einige Tage an.
- Selten Leber- oder Gallenerkrankungen.
Salziger, süßer oder saurer Geschmack
Ein salziger Geschmack kann bei Mundtrockenheit, Flüssigkeitsmangel, Nasensekret, das in den Rachen läuft, oder bei Entzündungen der Speicheldrüsen auftreten. Ein ungewohnt süßlicher Geschmack wird manchmal bei schlecht eingestelltem Diabetes oder bestimmten Infektionen beschrieben. Saurer Geschmack spricht oft für Reflux. Ein fauliger Geschmack zusammen mit Mundgeruch weist meist auf Zahn-, Zahnfleisch- oder Mandelprobleme hin.
Medikamente als häufige Ursache
Mehrere hundert Wirkstoffe können den Geschmack verändern, etwa manche Antibiotika, Pilzmittel, Blutdruckmittel, Schilddrüsenmedikamente, Antidepressiva und Medikamente gegen Krebs. Die Störung beginnt meist kurz nach Beginn der Einnahme und verschwindet nach dem Absetzen wieder. Setzen Sie Medikamente aber nie eigenständig ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin über mögliche Alternativen.
Nach Erkältung oder Corona
Virusinfekte der oberen Atemwege können Riech- und Geschmackssinn vorübergehend stören, häufig auch über die akute Erkrankung hinaus. Nach einer Corona-Infektion berichten manche Menschen über einen veränderten, oft unangenehmen Geschmack bestimmter Lebensmittel (Parosmie). Meist erholt sich der Sinn über Wochen bis Monate. Ein strukturiertes Riechtraining mit mehreren Duftstoffen kann die Erholung unterstützen.
Zähne, Zahnfleisch und Mundtrockenheit
Karies, Zahnfleischentzündung, Zahntaschen, entzündete Weisheitszähne und schlecht gereinigte Prothesen können einen schlechten Geschmack verursachen. Ein trockener Mund verändert die Geschmackswahrnehmung, weil Speichel die Geschmacksstoffe zu den Rezeptoren transportiert. Gründliches Zähneputzen, Zahnseide, Zungenreinigung und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen helfen.
Wie wird eine Geschmacksstörung untersucht?
Die HNO-Ärztin fragt nach Beginn, Art des Geschmacks, Medikamenten und Begleiterkrankungen und untersucht Mund, Rachen und Nase. Mit standardisierten Schmecktests und Riechtests lässt sich messen, welcher Sinn gestört ist. Blutuntersuchungen können Mangelzustände, Diabetes oder Schilddrüsenstörungen aufdecken. Selten ist eine Bildgebung des Kopfes nötig. Unsere HNO-Abteilung untersucht Riech- und Geschmacksstörungen.
Was Sie selbst tun können
- Ausreichend trinken und zuckerfreie Kaugummis gegen Mundtrockenheit.
- Gründliche Mundhygiene einschließlich Zungenreinigung.
- Mit Wasser oder milder Salzlösung spülen.
- Auf Rauchen verzichten.
- Bei metallischem Geschmack Besteck aus Kunststoff probieren und Speisen mit Zitrone, Kräutern oder Gewürzen würzen.
- Bei Reflux: kleinere Mahlzeiten, nicht spät abends essen, Oberkörper hochlagern.
Essen trotz Geschmacksstörung
Wer wenig schmeckt, isst oft weniger oder salzt und süßt mehr. Hilfreich sind abwechslungsreiche Konsistenzen und Temperaturen, frische Kräuter, Zitrone und Gewürze sowie ansprechend angerichtete Mahlzeiten. Bei ungewolltem Gewichtsverlust, etwa während einer Krebstherapie, kann eine Ernährungsberatung helfen.
Geschmacksveränderungen in der Schwangerschaft
Viele Schwangere bemerken in den ersten Wochen einen metallischen Geschmack oder Abneigungen gegen bestimmte Speisen. Ursache sind hormonelle Veränderungen. Die Beschwerden lassen meist im zweiten Drittel der Schwangerschaft nach. Saure Speisen, kalte Getränke, Zähneputzen nach dem Essen und zuckerfreie Kaugummis können helfen.
Geschmacksstörungen bei Krebstherapie
Chemotherapie und Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich verändern häufig den Geschmack: Speisen schmecken metallisch, fad oder bitter, Fleisch wird oft nicht mehr vertragen. Die Störungen bessern sich meist einige Wochen bis Monate nach Ende der Therapie. Hilfreich sind kalte oder lauwarme Speisen, Besteck aus Kunststoff, Marinaden und Gewürze. Eine gute Mundpflege beugt Pilzinfektionen vor, die den Geschmack zusätzlich verändern.
Wenn Nerven betroffen sind
Die Geschmacksnerven können bei Ohroperationen, Zahneingriffen, einer Gesichtslähmung oder nach Kopfverletzungen geschädigt werden. Dann ist der Geschmack meist nur auf einer Zungenseite verändert. Viele Nervenstörungen erholen sich über Monate teilweise oder vollständig.
Geschmack im Alter
Mit zunehmendem Alter lassen Geruchs- und Geschmackssinn natürlicherweise nach. Hinzu kommen häufiger Medikamente, Mundtrockenheit und Zahnprothesen. Ältere Menschen salzen deshalb oft stärker oder verlieren den Appetit. Kräftig gewürzte, aromatische Speisen, gute Mundpflege und ausreichendes Trinken helfen, Freude am Essen und eine ausreichende Ernährung zu erhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein veränderter Geschmack hat meist harmlose Ursachen wie Medikamente, Infekte, Mundtrockenheit oder Reflux.
- Ein Großteil des Geschmacks stammt vom Geruchssinn.
- Gute Mundhygiene und ausreichend Trinken helfen oft.
- Störungen über zwei Wochen oder mit Warnzeichen sollten untersucht werden.
Häufige Fragen zum Geschmack im Mund
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Woher kommt ein metallischer Geschmack im Mund?
Häufig von Medikamenten, Eisenpräparaten, Zahnfleischentzündung, Erkältung oder einer Schwangerschaft.
Was bedeutet ein bitterer Geschmack am Morgen?
Oft Reflux oder Mundtrockenheit in der Nacht.
Kann Stress einen komischen Geschmack verursachen?
Stress kann Mundtrockenheit und Reflux begünstigen und so indirekt den Geschmack verändern.
Wie lange dauert eine Geschmacksstörung nach Corona?
Meist Wochen bis Monate; bei den meisten erholt sich der Sinn.
Welcher Arzt ist zuständig?
Hausarztpraxis, Zahnarzt oder HNO-Praxis, je nach Begleitbeschwerden.
Kann Vitaminmangel den Geschmack verändern?
Ja, etwa ein Mangel an Zink oder Vitamin B12.
Ist ein salziger Geschmack gefährlich?
Meist nicht; häufig steckt Mundtrockenheit oder Nasensekret dahinter.
Warum schmeckt bei Erkältung alles fad?
Weil das Aroma vor allem über die Nase wahrgenommen wird; bei verstopfter Nase fehlt dieser Anteil.
Kann ein Zahnproblem einen schlechten Geschmack verursachen?
Ja, Karies, Zahnfleischentzündungen und entzündete Weisheitszähne sind häufige Ursachen.
Hilft Zinkeinnahme bei Geschmacksstörungen?
Nur wenn tatsächlich ein Zinkmangel besteht; ohne Mangel ist der Nutzen nicht belegt, daher vorher Blutwerte prüfen lassen.
Kann Reflux auch ohne Sodbrennen den Geschmack verändern?
Ja, ein saurer oder bitterer Geschmack, Räusperzwang und Heiserkeit können Zeichen eines stillen Refluxes sein.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Übersicht über Geruchs- und Geschmacksstörungen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie funktioniert der Geschmackssinn?
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
