Die Speicheldrüsen
Die Ohrspeicheldrüse (Parotis) liegt vor und unter dem Ohr, die Unterkieferspeicheldrüse unter dem Kieferwinkel, die Unterzungendrüse im Mundboden. Zusammen bilden sie täglich etwa einen bis eineinhalb Liter Speichel, der den Mund befeuchtet, die Verdauung einleitet und Zähne schützt. Fließt der Speichel nicht richtig ab, können Keime aus dem Mund in die Drüse aufsteigen.
Ursachen
- Bakterien: oft bei Flüssigkeitsmangel, nach Operationen, bei älteren Menschen oder schlechter Mundhygiene.
- Viren: klassisch Mumps, aber auch andere Viren wie Grippeviren.
- Speichelsteine: blockieren den Ausführungsgang und begünstigen Entzündungen.
- Autoimmunerkrankungen: etwa das Sjögren-Syndrom mit trockenem Mund und Augen.
- Medikamente: die die Speichelproduktion vermindern, z. B. manche Antidepressiva oder Entwässerungsmittel.
- Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich.
Typische Symptome
- Schmerzhafte Schwellung vor dem Ohr, am Kieferwinkel oder unter dem Kinn.
- Rötung und Überwärmung der Haut darüber.
- Schmerzen, die beim Essen oder beim Gedanken an Essen zunehmen.
- Schlechter Geschmack oder Eiter im Mund.
- Mundtrockenheit, manchmal Fieber und Krankheitsgefühl.
Speichelsteine
Speichelsteine entstehen, wenn sich Kalksalze im Speichel ablagern. Sie sitzen meist in der Unterkieferspeicheldrüse oder ihrem Gang. Typisch ist eine Schwellung kurz nach Beginn einer Mahlzeit, die über Stunden wieder abklingt. Kleine Steine lassen sich manchmal durch Massage und saure Bonbons herausspülen. Größere werden mit einem dünnen Endoskop (Sialendoskopie), Stoßwellen oder einem kleinen Schnitt im Mund entfernt; nur selten muss die Drüse entfernt werden.
Diagnose
Die HNO-Ärztin tastet die Drüsen ab, prüft den Speichelfluss aus den Ausführungsgängen im Mund und schaut, ob Eiter austritt. Ein Ultraschall zeigt Entzündung, Abszesse und Steine. Blutuntersuchungen helfen bei Verdacht auf Virusinfektionen oder Autoimmunerkrankungen. Selten sind CT, MRT oder eine Gewebeprobe nötig, etwa wenn ein Tumor ausgeschlossen werden soll. Unsere HNO-Abteilung untersucht Schwellungen an Hals und Gesicht.
Was Sie selbst tun können
- Viel trinken, damit ausreichend Speichel gebildet wird.
- Saure Bonbons, Zitronenstücke oder Kaugummi regen den Speichelfluss an.
- Die Drüse sanft von hinten nach vorne Richtung Mund massieren.
- Warme Umschläge können Schmerzen lindern.
- Gründliche Mundhygiene mit Zähneputzen und Mundspülen.
Medizinische Behandlung
Bei einer bakteriellen Entzündung verordnet die Ärztin ein Antibiotikum. Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern Schmerzen und Schwellung. Bildet sich ein Abszess, muss er eröffnet werden. Virale Entzündungen wie Mumps heilen von selbst ab; hier stehen Schmerzlinderung und Flüssigkeitszufuhr im Vordergrund. Bei wiederkehrenden Entzündungen wird nach der Ursache gesucht, etwa einem Stein, einer Gangverengung oder einer Autoimmunerkrankung.
Mumps
Mumps ist eine Viruserkrankung, die typischerweise beide Ohrspeicheldrüsen anschwellen lässt („Hamsterbacken“). Sie ist ansteckend und kann selten Komplikationen wie Hirnhautentzündung, Hodenentzündung oder Hörverlust verursachen. Die Impfung (MMR) schützt zuverlässig. Wer Kontakt zu Mumpskranken hatte und Symptome bemerkt, sollte vor dem Praxisbesuch telefonisch Bescheid geben.
Vorbeugen
- Ausreichend trinken, besonders im Alter und bei Hitze.
- Gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen.
- Bei Medikamenten mit Mundtrockenheit mit der Ärztin über Alternativen sprechen.
- MMR-Impfung nach den Empfehlungen der STIKO.
Mundtrockenheit als Risikofaktor
Wer wenig Speichel bildet, hat ein höheres Risiko für Speicheldrüsenentzündungen, Karies und Pilzinfektionen. Mundtrockenheit entsteht häufig durch Medikamente, zu wenig Trinken, Mundatmung, Strahlentherapie oder Autoimmunerkrankungen. Helfen können regelmäßiges Trinken in kleinen Schlucken, zuckerfreie Kaugummis, Speichelersatzmittel aus der Apotheke und ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer. Eine Überprüfung der Medikamente mit der Ärztin lohnt sich.
Speicheldrüsenentzündung bei älteren Menschen
Ältere, pflegebedürftige Menschen sind besonders gefährdet, eine bakterielle Entzündung der Ohrspeicheldrüse zu entwickeln, vor allem nach Operationen, bei Fieber oder wenn sie wenig trinken. Angehörige und Pflegende sollten auf ausreichende Flüssigkeit und eine gute Mundpflege achten. Eine plötzliche Schwellung vor dem Ohr mit Fieber erfordert eine rasche ärztliche Untersuchung, weil sich die Entzündung ausbreiten kann.
Sjögren-Syndrom
Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Speichel- und Tränendrüsen angreift. Typisch sind trockener Mund, trockene Augen und wiederholte Schwellungen der Speicheldrüsen. Es betrifft vor allem Frauen im mittleren Alter. Die Diagnose erfolgt über Blutuntersuchungen, Tests der Tränen- und Speichelproduktion und manchmal eine Gewebeprobe aus der Lippe. Rheumatologie und HNO arbeiten bei der Behandlung zusammen.
Speicheldrüsenentzündung bei Kindern
Bei Kindern ist neben Mumps die wiederkehrende Ohrspeicheldrüsenentzündung des Kindesalters eine typische Ursache. Dabei schwillt die Ohrspeicheldrüse immer wieder an, meist nur auf einer Seite und mit wenig Fieber. Die Episoden werden mit Schmerzmitteln, viel Trinken, Massage und bei bakterieller Beteiligung mit Antibiotika behandelt. In den meisten Fällen hören sie mit der Pubertät von selbst auf. Ein Ultraschall hilft bei der Diagnose.
Schwellung ohne Entzündung
Nicht jede Schwellung einer Speicheldrüse ist eine Entzündung. Gutartige Tumoren wie das pleomorphe Adenom wachsen langsam und schmerzlos, meist in der Ohrspeicheldrüse. Bösartige Tumoren sind seltener. Warnzeichen sind eine harte, schnell wachsende Schwellung, Schmerzen, Taubheit oder eine Lähmung des Gesichts. Eine Untersuchung mit Ultraschall und gegebenenfalls Gewebeprobe schafft Klarheit.
Das Wichtigste in Kürze
- Speicheldrüsenentzündungen entstehen durch Bakterien, Viren oder Speichelsteine.
- Typisch ist eine schmerzhafte Schwellung, die beim Essen zunimmt.
- Viel trinken, Speichelfluss anregen und Massage helfen; bakterielle Entzündungen brauchen Antibiotika.
- Hohes Fieber, Eiter, Schluck- oder Atemnot erfordern rasche ärztliche Hilfe.
Häufige Fragen zur Speicheldrüsenentzündung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist eine Speicheldrüsenentzündung ansteckend?
Virale Formen wie Mumps sind ansteckend, bakterielle Entzündungen und Speichelsteine nicht.
Wie lange dauert eine Speicheldrüsenentzündung?
Mit Behandlung bessert sie sich meist innerhalb einer Woche.
Welche Hausmittel helfen?
Viel trinken, saure Bonbons, sanfte Massage und warme Umschläge.
Muss die Drüse entfernt werden?
Nur selten, etwa bei häufig wiederkehrenden Entzündungen oder Tumoren.
Kann ein Speichelstein von allein abgehen?
Kleine Steine ja, besonders durch Anregung des Speichelflusses.
Welcher Arzt ist zuständig?
Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde; bei Zahnproblemen auch die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.
Kann eine Schwellung der Speicheldrüse ein Tumor sein?
Selten; eine schmerzlose, langsam wachsende Schwellung sollte daher abgeklärt werden.
Was ist das Sjögren-Syndrom?
Eine Autoimmunerkrankung, die Speichel- und Tränendrüsen angreift und zu Mund- und Augentrockenheit führt.
Helfen saure Bonbons wirklich?
Ja, sie regen den Speichelfluss an und können helfen, Keime und kleine Steine aus dem Gang zu spülen.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Erkrankungen der Speicheldrüsen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Speichelsteine
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
