Zum Inhalt springen

Knie MediBilbao Salud

Meniskusriss: operieren oder trainieren?

Ein Meniskusriss ist eine der häufigsten Knieverletzungen. Bei jungen Menschen entsteht er oft durch eine Drehbewegung beim Sport, bei älteren durch Verschleiß, manchmal schon beim Aufstehen aus der Hocke. Nicht jeder Meniskusriss muss operiert werden: Gerade verschleißbedingte Risse bessern sich häufig mit gezielter Physiotherapie genauso gut. Dieser Ratgeber erklärt Symptome, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und die Heilungsdauer.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist der Meniskus?

In jedem Knie gibt es einen Innenmeniskus und einen Außenmeniskus. Sie verteilen den Druck zwischen den Gelenkflächen, dämpfen Stöße und tragen zur Stabilität bei. Der Innenmeniskus ist fester mit der Gelenkkapsel und dem Innenband verwachsen und deshalb häufiger betroffen. Nur der äußere Rand der Menisken ist durchblutet – das ist wichtig für die Frage, ob ein Riss von selbst heilen oder genäht werden kann.

Unfall oder Verschleiß?

Bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen entsteht ein Meniskusriss meist durch eine Drehbewegung bei gebeugtem, belastetem Knie, etwa beim Fußball, Skifahren oder Tennis. Oft ist gleichzeitig das vordere Kreuzband verletzt. Ab etwa 40 Jahren werden die Menisken spröder; dann reichen alltägliche Bewegungen wie tiefes Hocken für einen Riss. Viele degenerative Risse werden zufällig in der MRT entdeckt und verursachen keine Beschwerden.

Typische Symptome

  • Schmerzen an der Innen- oder Außenseite des Kniegelenkspalts.
  • Schmerzen beim Drehen, Hocken oder Treppabgehen.
  • Schwellung, oft erst einige Stunden nach der Verletzung.
  • Klick- oder Schnappgeräusche, Gefühl von „etwas sitzt im Knie“.
  • Blockade: Das Knie lässt sich plötzlich nicht mehr vollständig strecken.

Mehr zu den möglichen Ursachen von Beschwerden lesen Sie im Ratgeber Knieschmerzen.

Test und Diagnose

Bei der Untersuchung tastet die Ärztin oder der Arzt den Gelenkspalt ab und prüft mit speziellen Meniskustests, ob Drehbewegungen unter Belastung Schmerzen auslösen. Diese Tests sind Hinweise, aber nicht beweisend. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) zeigt Risse und Begleitverletzungen. Weil viele Menschen über 50 auch ohne Beschwerden Meniskusveränderungen in der MRT haben, wird das Bild immer zusammen mit den Symptomen bewertet.

Physiotherapie statt OP: wann sie genügt

Bei degenerativen Rissen ohne echte Blockade ist Physiotherapie die erste Wahl. Studien zeigen, dass eine Arthroskopie mit Meniskusteilentfernung in diesen Fällen langfristig keinen besseren Nutzen bringt als ein strukturiertes Übungsprogramm – entfernt man Meniskusgewebe, steigt zudem das Arthroserisiko. Auch viele kleinere unfallbedingte Risse bessern sich ohne Operation. In unserer Physiotherapie erstellen wir ein individuelles Programm.

Übungen bei Meniskusriss

  • Quadrizeps anspannen: Im Sitzen das Bein strecken und die Kniescheibe nach oben ziehen, 10 Sekunden halten.
  • Gestrecktes Beinheben in Rückenlage.
  • Brücke: Becken in Rückenlage anheben, um Gesäß und Oberschenkelrückseite zu kräftigen.
  • Halbe Kniebeugen bis maximal 60 Grad, schmerzfrei.
  • Gleichgewichtstraining auf einem Bein, später auf weicher Unterlage.
  • Radfahren auf dem Ergometer mit geringem Widerstand.

Tiefe Hocke, Drehbewegungen unter Last und Sprünge werden erst später wieder aufgenommen.

Wann ist eine Operation nötig?

  • Wiederkehrende Blockaden durch einen eingeklemmten Meniskusteil.
  • Großer, instabiler Riss bei jungen, aktiven Menschen, besonders im durchbluteten Randbereich (Naht möglich).
  • Gleichzeitiger Kreuzbandriss, der operiert wird.
  • Anhaltende Beschwerden trotz mehrmonatiger konsequenter Physiotherapie.

Wenn möglich, wird der Meniskus genäht, um ihn zu erhalten. Mehr zur Kombination mit Bandverletzungen im Ratgeber Kreuzbandriss.

Wie lange dauert die Heilung?

Bei konservativer Behandlung bessern sich die Beschwerden meist innerhalb von sechs bis zwölf Wochen; bis zur vollen Sportfähigkeit können drei Monate vergehen. Nach einer Teilentfernung sind viele nach vier bis sechs Wochen wieder alltagsfit. Nach einer Meniskusnaht wird das Knie mehrere Wochen nur eingeschränkt belastet, und Sport mit Drehbewegungen ist oft erst nach vier bis sechs Monaten möglich.

Vorbeugen

  • Kräftige Oberschenkel- und Hüftmuskulatur stabilisiert das Knie.
  • Aufwärmen und Koordinationstraining vor Sportarten mit Richtungswechseln.
  • Normalgewicht entlastet die Menisken.
  • Tiefes Hocken über längere Zeit vermeiden, wenn Sie bereits Beschwerden haben.

Alltag mit Meniskusriss

In den ersten Wochen helfen kleine Anpassungen: Treppen Schritt für Schritt gehen, beim Aufstehen aus der Hocke abstützen und längeres Knien vermeiden. Radfahren und Schwimmen mit Kraulbeinschlag sind meist früh möglich, Brustschwimmen belastet den Innenmeniskus dagegen stärker. Bei Büroarbeit hilft es, das Bein regelmäßig zu bewegen und nicht lange mit stark gebeugtem Knie zu sitzen. Kühlen nach Belastung kann die Schwellung reduzieren.

Meniskusriss und Arthrose

Der Meniskus schützt den Gelenkknorpel. Wird viel Meniskusgewebe entfernt, steigt der Druck auf den Knorpel und damit das Risiko für eine Kniearthrose in den folgenden Jahren. Deshalb versuchen Operateure heute, so viel Meniskus wie möglich zu erhalten oder ihn zu nähen. Bei älteren Menschen ist ein degenerativer Meniskusriss oft bereits ein frühes Zeichen einer beginnenden Arthrose. Kräftige Muskulatur und ein normales Körpergewicht entlasten das Gelenk langfristig.

Welche Arten von Meniskusrissen gibt es?

Fachleute unterscheiden Längsrisse, Querrisse, Lappenrisse, Horizontalrisse und den Korbhenkelriss. Längsrisse im durchbluteten Randbereich lassen sich gut nähen. Horizontalrisse sind typisch für Verschleiß. Beim Korbhenkelriss klappt ein großer Teil des Meniskus ins Gelenk und blockiert es. Die Art des Risses beeinflusst gemeinsam mit Alter, Beschwerden und Begleitverletzungen, welche Behandlung empfohlen wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Meniskusrisse entstehen durch Drehverletzungen oder Verschleiß.
  • Verschleißbedingte Risse werden zuerst mit Physiotherapie behandelt.
  • Eine Blockade des Knies oder ein großer Riss bei jungen Menschen spricht eher für eine Operation.
  • Die Heilung dauert je nach Behandlung sechs Wochen bis sechs Monate.

Häufige Fragen zum Meniskusriss

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Heilt ein Meniskusriss von selbst?

Risse im durchbluteten Randbereich können heilen; viele andere verursachen nach einigen Wochen kaum noch Beschwerden.

Darf ich mit Meniskusriss laufen?

Gehen ist meist erlaubt; Joggen und Drehbewegungen erst, wenn das Knie schmerzfrei und stabil ist.

Ist eine Arthroskopie bei Meniskusverschleiß sinnvoll?

In den meisten Fällen nicht; Physiotherapie wirkt ähnlich gut und schont den Meniskus.

Was ist ein Korbhenkelriss?

Ein langer Riss, bei dem ein Teil des Meniskus ins Gelenk klappt und das Knie blockiert; er wird meist operiert.

Hilft eine Kniebandage?

Sie kann das Gefühl von Sicherheit geben, ersetzt aber kein Muskeltraining.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Je nach Beruf und Behandlung zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen.

Ist Brustschwimmen bei Meniskusriss erlaubt?

Besser zunächst vermeiden, weil der Beinschlag den Innenmeniskus belastet; Kraulbeinschlag ist meist schonender.

Wann sollte ich nach einer Knieverletzung zum Arzt?

Bei starker Schwellung, Blockade, Instabilität oder wenn Sie nicht normal auftreten können, sollten Sie das Knie zeitnah untersuchen lassen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Meniskusriss
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Meniskusriss und Meniskusschaden
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie wird ein Meniskusriss behandelt?

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.