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Nasenpolypen: Symptome, Behandlung und wann eine OP nötig ist

Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen in Nase und Nasennebenhöhlen. Sie entstehen meist im Rahmen einer chronischen Entzündung und verursachen eine dauerhaft verstopfte Nase, Schnupfen und oft einen deutlichen Verlust des Riechvermögens. Mit Kortison-Nasensprays lassen sie sich oft gut behandeln; bei großen Polypen kann eine Operation nötig sein. Neue Medikamente helfen in schweren Fällen.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Was sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen entstehen, wenn die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen dauerhaft entzündet ist und sich ausstülpt. Sie sind gutartig und nicht mit Krebs verwandt. Fast immer treten sie auf beiden Seiten auf. Ihre Größe reicht von winzigen, nur mit dem Endoskop sichtbaren Wucherungen bis zu großen Polypen, die die Nase vollständig verlegen.

Umgangssprachlich werden auch vergrößerte Rachenmandeln bei Kindern „Polypen“ genannt. Diese sind aber etwas anderes: lymphatisches Gewebe im Nasenrachen, nicht Schleimhautwucherungen in der Nase.

Wie sehen Polypen in der Nase aus?

Nasenpolypen sehen aus wie kleine, glasig-graue oder blassrosa Trauben oder geschälte Weintrauben. Sie sind weich, beweglich und wenig berührungsempfindlich. Von außen sind sie meist nicht zu sehen, nur große Polypen können am Naseneingang sichtbar werden. Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt erkennt sie mit einem Endoskop, einer dünnen Kamera, die in die Nase eingeführt wird. Einseitige, rote, leicht blutende oder sehr harte Wucherungen sind untypisch und müssen genauer untersucht werden.

Symptome von Nasenpolypen

  • Dauerhaft verstopfte oder behinderte Nasenatmung, oft auf beiden Seiten.
  • Vermindertes oder fehlendes Riechvermögen und dadurch auch weniger Geschmack.
  • Schnupfen und Schleim, der nach hinten in den Rachen läuft.
  • Druckgefühl über Stirn, Wangen oder Nasenwurzel.
  • Schnarchen und Mundatmung, unerholsamer Schlaf.
  • Näselnde Stimme.
  • Häufige Entzündungen der Nasennebenhöhlen.

Ursachen und Risikofaktoren

Nasenpolypen entstehen auf dem Boden einer chronischen Entzündung, bei der vor allem bestimmte Immunzellen (eosinophile Granulozyten) beteiligt sind. Diese „Typ-2-Entzündung“ verbindet Polypen mit Asthma und Allergien. Etwa ein Drittel der Menschen mit Nasenpolypen hat auch Asthma. Bei manchen Betroffenen besteht eine Unverträglichkeit gegenüber Acetylsalicylsäure und anderen Schmerzmitteln (Samter-Trias oder AERD). Auch Mukoviszidose geht oft mit Polypen einher, besonders bei Kindern. Nasenpolypen treten meist ab dem mittleren Erwachsenenalter auf.

Wie werden Nasenpolypen festgestellt?

Die Diagnose stellt die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt mit einer Nasenendoskopie. Ein CT der Nasennebenhöhlen zeigt, wie weit die Entzündung und die Polypen reichen, und wird vor allem vor einer Operation gemacht. Ergänzend können ein Riechtest, eine Allergietestung und eine Untersuchung der Lunge auf Asthma sinnvoll sein. Einseitige Polypen werden häufig feingeweblich untersucht, um seltene Tumoren auszuschließen.

Behandlung ohne Operation

  • Nasenspülungen mit Salzwasser reinigen die Nase und verbessern die Wirkung von Sprays.
  • Kortisonhaltige Nasensprays sind die Basisbehandlung. Sie verkleinern die Polypen, verbessern Atmung und Riechvermögen und sind auch langfristig gut verträglich.
  • Kortisontabletten für einige Tage können große Polypen rasch verkleinern; wegen der Nebenwirkungen nur selten wiederholt.
  • Asthma und Allergien gut behandeln.
  • Abschwellende Nasensprays helfen nicht gegen Polypen und sollten nicht dauerhaft verwendet werden.

Nasenpolypen entfernen: die Operation

Reichen Sprays und Tabletten nicht aus, kann eine Operation der Nasennebenhöhlen sinnvoll sein. Dabei werden die Polypen über die Nasenlöcher mit einem Endoskop entfernt und die Nebenhöhlen erweitert, damit Sekret abfließen und Medikamente besser wirken können. Narben im Gesicht entstehen nicht. Der Eingriff erfolgt meist in Vollnarkose, oft mit einer kurzen stationären Aufnahme.

Nach der Operation bessern sich Nasenatmung und Riechvermögen meist deutlich. Nasenpolypen neigen aber dazu wiederzukommen. Deshalb ist es wichtig, die Kortison-Nasensprays und Spülungen auch nach der Operation konsequent fortzusetzen.

Biologika bei schweren Nasenpolypen

Für Menschen mit schweren, wiederkehrenden Nasenpolypen, bei denen Operation und Kortison nicht ausreichend helfen, gibt es Biologika. Diese Antikörper, die unter die Haut gespritzt werden, blockieren gezielt Botenstoffe der Typ-2-Entzündung. Sie verkleinern Polypen, verbessern Atmung und Riechen und können Operationen und Kortisontabletten einsparen. Das EPOS-Positionspapier nennt Kriterien, wann sie in Frage kommen, etwa bei gleichzeitigem Asthma oder wiederholten Operationen.

Leben mit Nasenpolypen

Nasenpolypen sind meist eine chronische Erkrankung, die über Jahre begleitet werden muss. Mit konsequenter Behandlung lassen sich die Beschwerden aber gut kontrollieren. Regelmäßige HNO-Kontrollen helfen, ein Wiederauftreten früh zu erkennen. Nichtrauchen und die Behandlung von Asthma und Allergien tragen zu einem besseren Verlauf bei. Mehr zur zugrunde liegenden Entzündung lesen Sie unter chronische Sinusitis.

Riechverlust: oft das belastendste Symptom

Viele Menschen mit Nasenpolypen leiden besonders darunter, dass sie kaum noch riechen und schmecken können. Das betrifft nicht nur den Genuss beim Essen, sondern auch die Sicherheit, etwa beim Erkennen von Brandgeruch, Gas oder verdorbenen Lebensmitteln. Rauchmelder und Haltbarkeitsdaten werden dann besonders wichtig.

Das Riechvermögen kann sich unter Kortison, nach einer Operation oder mit Biologika deutlich bessern. Ein strukturiertes Riechtraining, bei dem täglich an mehreren Duftproben gerochen wird, kann die Erholung unterstützen. Da ein Riechverlust auch andere Ursachen haben kann, etwa nach Virusinfekten oder bei neurologischen Erkrankungen, sollte er HNO-ärztlich abgeklärt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen bei chronischer Nebenhöhlenentzündung.
  • Typisch sind verstopfte Nase, Schnupfen und Riechverlust.
  • Kortisonhaltige Nasensprays und Spülungen sind die Basis der Behandlung.
  • Eine Operation hilft bei großen Polypen, Rückfälle sind aber häufig.
  • Einseitige Polypen oder Beschwerden am Auge müssen rasch untersucht werden.

Häufige Fragen zu Nasenpolypen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie sehen Nasenpolypen aus?

Wie kleine glasig-graue Trauben in der Nase. Meist sind sie nur mit einem Endoskop zu sehen.

Können Nasenpolypen von selbst verschwinden?

Selten. Mit Kortison-Nasensprays können sie aber deutlich kleiner werden.

Sind Nasenpolypen gefährlich?

Sie sind gutartig. Einseitige Wucherungen, Blutungen oder Beschwerden am Auge sollten aber immer abgeklärt werden.

Kommen Nasenpolypen nach der OP wieder?

Das ist häufig. Konsequente Kortison-Nasensprays und Spülungen nach der Operation verringern das Risiko.

Kann ich nach der Behandlung wieder riechen?

Oft bessert sich das Riechvermögen deutlich, besonders nach Kortison oder Operation. Bei sehr langer Riechstörung kann es aber eingeschränkt bleiben.

Was ist der Unterschied zu Polypen bei Kindern?

Bei Kindern meint man mit „Polypen“ meist vergrößerte Rachenmandeln. Echte Nasenpolypen sind bei Kindern selten.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Nasenpolypen
  2. Fokkens WJ, et al. European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020. Rhinology. 2020

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.